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Spannende Podiumsdiskussion in der Landeshauptstadt : Ist Schwerin eine Literaturstadt?

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Gleich vorweg: Eine eindeutige Antwort auf die Frage, ob Schwerin eine Literaturstadt ist, gab es beim Kultur-Streitgespräch der Friedrich-Ebert-Stiftung am Dienstagabend im Schleswig-Holstein-Haus nicht.

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erstellt am 03.Mär.2011 | 11:29 Uhr

Gleich vorweg: Eine eindeutige Antwort auf die Frage, ob Schwerin eine Literaturstadt ist, gab es beim Kultur-Streitgespräch der Friedrich-Ebert-Stiftung am Dienstagabend im Schleswig-Holstein-Haus nicht. Einig indes waren sich die Diskutanten im Podium, Schwerins Bibliotheksleiterin Heidrun Hamann, NDR-Kulturchef Ernst-Jürgen Walberg und Buchhändler Thomas Falk von Weiland darin, dass Lesen und Leseförderung, Literatur und Literaturveranstaltungen in der Landeshauptstadt einen hohen Stellenwert haben. Gute Voraussetzungen also. Dennoch fehlt etwas für den Titel Literaturstadt. Doch was?

Moderator Jürgen Seidel, belesen, charmant und unterhaltsam die Diskussion lenkend, tastete sich fragend vor: Heidrun Hamann verwies zunächst darauf, dass die Stadtbibliothek mehr als 400 000 Entleihungen pro Jahr verzeichnen könne, dass die rund 10 000 eingetragenen Leser Zugriff auf 155 000 Bücher, Zeitschriften, CDs und weitere Medien hätten. "Doch Zahlen allein sind nicht alles. Wir konzentrieren uns auf Leseförderung und Leserfreundlichkeit, die Entwicklung von Medienkompetenz und sind mit unserer Onleihe auf der Höhe der Zeit", stellte Hamann fest. Der Ankauf neuer Bücher indes bleibe mit etwa 8500 pro Jahr deutlich hinter dem Bundesdurchschnitt zurück. Denn eine Stadt mit rund 100 000 Einwohnern müsste 15 000 Medieneinheiten erwerben. Doch dafür habe Schwerin schlichtweg nicht die Mittel. "Und uns fehlt auch der Reuter des 21. Jahrhunderts", ergänzte Walberg schmunzelnd die Liste der Defizite. Als weiteres Manko benannte er das Fehlen eines wissenschaftlichen Hinterlandes. "Mir fehlt einfach die Uni. Wenn ich in Rostock oder Greifswald zum Literaturcafé einlade, ist der Laden voll, und es sind vor allem junge Leute", berichtete Walberg.

"Ich finde, Schwerin ist prima aufgestellt", hielt Falk dagegen. "Es wird sehr viel gelesen und selbst die fast schon verloren geglaubte junge Generation ist mit Harry Potter und den Vampiren wieder zurückgekehrt zu den Büchern. Und es gibt in der Stadt eine Vielzahl von Aktivitäten und Bühnen", erläuterte Falk. "Allerdings müsste man noch eine Plattform finden, auf der die verschiedenen Ebenen zusammengeführt werden", sagte der Buchhändler und Organisator von Lesungen. In Cottbus - wo Falk auch geschäftlich tätig ist - sei man ein ganzes Stück weiter, berichtete er. Dort sei das literarische Leben viel aktiver als in Schwerin. "Cottbus hat beispielsweise Kultur- und Schreibwerkstätten für Kinder und Jugendliche und Vereine organisieren Literaturveranstaltungen. Das muss keineswegs alles die öffentliche Hand übernehmen."

Die Bibliotheksleiterin verwies darauf, dass auch in Schwerin zunehmend private Veranstalter oder Agenturen aktiv seien, insbesondere das Capitol habe sich für Promi-Lesungen etabliert. "Wir sehen unsere Verantwortung stärker in der Förderung guter, aber nicht so bekannter Autoren, die wir den Schwerinern näher bringen wollen", sagte Heidrun Hamann mit Blick auf die Literaturtage. Diese waren in den vergangenen Jahren in die Kritik geraten, weil - anders als in den Anfangsjahren dieser Reihe - namhafte Schriftsteller fehlten. "Wir brauchen auch Autoren, die die Leute ziehen", betonte Walberg. "Wa rum liest Donna Leon in Rostock und nicht in Schwerin?", fragte er. Thomas Falk ergänzte, er könne sich auch gut eine Erweiterung der Reihe um Kinder- und Jugendliteratur vorstellen.

Diskutiert wurden im Podium und mit dem Publikum noch weitere Themen wie Autorenförderung, Debütabende und Werkstattgespräche, Schwerin als Handlungsort von Geschichten und als Buchmesse-Stadt. Nicht zuletzt trug auch der experimentierfreudige und temperamentvolle Pianist Dirk Hammerich zu dem rundum gelungenen Kultur-Abend bei. Fortsetzung folgt - am 7. Juni.

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