Investor zieht sich frustriert zurück: „Ich lasse keinen Cent mehr in Mecklenburg“

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04. Juli 2008, 08:26 Uhr

Dömitz - „Ich habe, gelinde gesagt, die Schnauze gestrichen voll“, macht sich der sonst eher für seine Besonnenheit bekannte Kai Hagen ziemlich drastisch Luft: „Die Behörden in Mecklenburg-Vorpommern, insbesondere im Landkreis Ludwigslust, sind das Allerletzte. Ich wäre ja verrückt, wenn ich auch nur noch einen Cent in Mecklenburg investiere.“

Der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte, ist jedoch nicht nur der Schilderkrieg an der B 191. Der Landkreis verlangte kürzlich, unter Strafandrohung von bis zu 500 000 Euro, dass er die beweglichen Werbeträger auf einem Acker vor den Toren der Elbestadt zu entfernen habe.

„Die Staatsanwaltschaft will jetzt sogar eingreifen“, empört sich Kai Hagen. „Selbst meine Wohnmobilstellplätze am Hafen sollen nun auf einmal trotz eines B-Planes illegal sein. Meine Rinder dürfen nach Aussagen des hiesigen Forstamtes auch nicht mehr in den Wald“, schimpft der gebürtige Düsseldorfer weiter.

Er, der seit 1999 geschäftlich in der Region tätig ist, hat in dieser Zeit über zehn Millionen Euro investiert und dafür gesorgt, dass etwa 150 Menschen eine neue Arbeit finden. Ohne ihn wäre das Hafengelände wahrscheinlich heute nur noch eine Industriebrache, gäbe es das Vielanker Brauhaus wie auch die Dömitzer Hafengastronomie nicht und hätten einheimische Unternehmen sowie Handwerker im letzten Jahrzehnt weniger Aufträge gehabt.

Selbst das über zehn Jahre leerstehende Kaufhaus in Dömitz wollte er wieder in ein Juwel der Elbestadt verwandeln. Große Teile der Bevölkerung atmeten auf. Hofften sie doch auf eine Sogwirkung für die wirtschaftliche Belebung der Innenstadt. Doch nun steht das Gebäude aus den Goldenen 20ern zum Verkauf.

„Ich werde mich wieder von der Immobilie trennen, denn ich will weder meine Nerven, noch mein Leben in diesem Landstrich ruinieren. Auch meine Familie leidet seit Jahren unter den Anspannungen, ohne die in dieser Region ja nichts auf den Weg zu bringen ist“, sagt Hagen, der sich zur Zeit in Düsseldorf aufhält.

Bürgermeisterin Renate Vollbrecht hatte zwar schon über den Buschfunk vernommen, dass Hagen das Handtuch werfen wolle, dass es nun Tatsache sein soll, erschüttert sie doch sehr.

Fassungslosigkeit bei der Bürgermeisterin
„Ich kann das noch gar nicht fassen, ich habe immer auf der Seite von Kai Hagen gestanden. Den Schilderkrieg an der B 191 fand ich überzogen. Das Land sollte unbedingt mal seine Gesetze überdenken und vielleicht auch Sonderregelungen schaffen. Denn die Schilder stören doch nun wirklich keinen. Wir wollen Tourismus fördern, denn große Industrie werden wir hier in und um Dömitz nicht hinkriegen. Aber wenn Investoren Barrieren vorgesetzt bekommen, finde ich das persönlich unerträglich. Wir als Stadt können leider nichts entscheiden. Ich bin etliche Türen eingerannt, um darum zu bitten, dieses Landesbaugesetz zum Aufstellen von Schildern doch zu ändern. Man hat mir gesagt, man wolle prüfen. Doch wenn man keine Investoren haben will und ganze Regionen kaputt gemacht werden sollen, dann bitteschön soll das Land eben Farbe bekennen. Ich stehe nach wie vor zu Kai Hagen, weil ich weiß, was er für die Region in den letzten zehn Jahren geleistet hat.“

Doch der so Gelobte scheint entschlossen, keinen Fuß mehr nach Mecklenburg zu setzen. „Vorerst werde ich die Hafengastronomie und das Brauhaus noch belassen. Ich habe Geschäftsführer eingesetzt. Statt des Kaufhauses in Dömitz werde ich nun ein Parkhaus in Düsseldorf bauen. Hier sind Investoren jederzeit willkommen und werden auch so von Behörden behandelt.“

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