Interview Uwe Kirsche vom Deutschen Wetterdienst über Zukunftsprognosen beim Wetter

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27. März 2008, 07:54 Uhr

Wie wird dieser Sommer?
Uwe Kirsche: Derzeit gehen wir davon aus, dass er wärmer wird als für unsere Breiten normal ist.

Auf dem gestrigen Extremwetterkongress in Hamburg wurden langfristige Wetter- und Klimavorhersagen vorgestellt. Was ist neu daran?

Uwe Kirsche: Für Deutschland gibt der Deutsche Wetterdienst Jahreszeitvorhersagen seit etwa vier Wochen heraus. Bei internationalen Vorhersagen haben wir uns bisher zurückgehalten, da erst getestet werden musste, ob die Prognosen stimmen.
Dafür wurden weltweit Daten gesammelt.

Und stimmen sie?
Uwe Kirsche:
Ja, mit einer
Wahrscheinlichkeit von 60 bis 70 Prozent.

Wie lange im Voraus können solche Prognosen getroffen werden?
Uwe Kirsche: Kurz- und mittelfristige Vorhersagen konnten wir bisher für bis zu zwei Wochen aufstellen, Langfristvorhersagen hingegen beinhalten die Wettertendenzen von bis zu einem Jahr.

Wer braucht solche langfristigen Vorhersagen?
Uwe Kirsche: In unseren Breiten sind beispielsweise Erdgasversorger daran interessiert, denn der Absatz von Erdgas hängt von der Temperatur ab. Aber auch andere Branchen sind vom Wetter abhängig, man denke nur an bestimmte Pralinen, deren Produktion ab einer bestimmten Temperatur eingestellt wird oder an die Textil- und Tourismusindustrie.

Können auch Naturkatastrophen in Entwicklungsländern vorgebeugt werden?
Uwe Kirsche: Wenn nicht vorgebeugt, so doch zumindest eingedämmt. Gerade internationale Hilfsorganisationen nutzen die Vorhersagen, um Einsätze bis zu sechs Monate im Voraus meist in Entwicklungsländern zu planen, in denen ungewöhnlich hohe oder niedrige Niederschlagssummen oder Dürren und Hitzewellen erwartet werden. 

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