Internationale Reaktionen auf Obamas Wahlsieg

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05. November 2008, 10:06 Uhr

Paris/Peking/Seoul/Kopenhagen/Rom - Erste Reaktionen auf den Sieg des demokratischen Präsidentschaftskandidaten Brarack Obama bei den US-Präsidentenwahlen sind fast durchwegs positiv.

Kouchner: Obama braucht Europa - auf einer Linie mit Sarkozy
Nach dem Wahlsieg von Barack Obama hat der französische Außenminister Bernard Kouchner am Mittwoch voller Enthusiasmus eine neue europäisch-amerikanische Partnerschaft angekündigt. „Barack Obama braucht uns, Europa“, sagte Kouchner am Mittwoch im französischen Rundfunk. „Und Europa steht bereit für eine freundschaftliche Beziehung.“ Zuvor hatte Kouchner erklärt, die Welt brauche Obamas „Dynamik und Willen, eine stabilere, gerechtere und sicherere Welt zu schaffen“.

Kouchner sagte, Obama und den französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy verbinde „ein echtes, heimliches Einverständnis“. Die Zeit „einer gewissen Vorherrschaft und Isolierung Amerikas“ sei vorbei. „Es gibt ein neues Kräfteverhältnis, eine Partnerschaft.“ Die US- Politik gegenüber dem Irak und dem Iran, Russland und China werde sich ändern. „Ich bin sicher, dass wir viele gemeinsame Positionen entwickeln werden.“

Die Befürchtung, dass Obama die US-Wirtschaft abschotten würde, wies Kouchner zurück. „Ich habe nicht das Gefühl, dass er Protektionist ist. Ich glaube, die Beziehungen werden viel vertrauensvoller werden.“ Angesichts der Krisen müsse Obama „schnell, aber überlegt“ handeln. „Obama wird der vernünftige Präsident Amerikas sein. Er wird nicht alles umstürzen, nein.“

Chinas Präsident will US-chinesische Zusammenarbeit fördern
Chinas Präsident Hu Jintao hat dem designierten US-Präsidenten Barack Obama zu seinem Wahlsieg gratuliert und einen erweiterten Dialog zwischen beiden Ländern in Aussicht gestellt. „Die chinesische Regierung und ich schreiben den US-chinesischen Beziehungen beständig große Bedeutung zu“, schrieb Hu in einem Telegramm an Obama laut einer Mitteilung des chinesischen Außenministeriums. Er betonte, dass eine langfristige, stabile und gesunde Beziehung im Interesse beider Nationen liege. Die Wahl Obamas sei ein „neuer historischer Zeitabschnitt“.

Der Staatspräsident erwarte sich mit Obama eine Zusammenarbeit, die den Dialog und Austausch zwischen beiden Nationen fördere und die Beziehungen „auf eine neue Ebene“ stelle.

Aus Expertenkreisen hieß es, China fürchte bei einer anhaltenden Finanzkrise Schwierigkeiten im Handel mit den USA. Wenn die Turbulenzen auf den internationalen Finanzmärkten anhielten, könnten mehr denn je Handelskonflikte zwischen beiden Ländern aufbrechen, sagte etwa der Experte für Internationale Beziehungen an der Pekinger Volksuniversität, Shi Yinhong, der dpa.

Südkoreas Präsident gratuliert Obama zum Wahlsieg
Der konservative südkoreanische Staatschef Lee Myung Bak hat dem künftigen demokratischen US-Präsidenten Barack Obama zum Wahlsieg gratuliert. Lee habe in einem Glückwunschtelegramm die Hoffnung geäußert, dass sich die Beziehungen beider Länder weiter entwickelten, teilte das Präsidialamt in Seoul am Mittwoch mit. „Die Regierung ist überzeugt, dass Obamas Wahlsieg die zukunftsorientierte Allianz zwischen Südkorea und den USA auf eine höhere Stufe heben wird“, hieß es. Lee und Obama hätten eine ähnliche Philosophie, da der südkoreanische Staatschef stets „Wandel und Reform“ in seiner Politik verfolgt habe.

Regierungsbeamte in Seoul erwarten, dass sich an den Beziehungen Südkoreas zu seiner Schutzmacht USA nicht viel ändern werde. Am Dienstag hatte Ministerpräsident Han Seung Soo vor dem Parlament geäußert, dass die Allianz stark bleiben werde, wer immer in den USA die Wahl gewinnen werde. Auch die künftige Politik der USA gegenüber dem kommunistischen Nordkorea werde sich auf der Grundlage der Allianz zwischen Washington und Seoul entwickeln. Obama hatte während des Wahlkampfes angedeutet, dass er bereit sein werde, auch den nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Il zu treffen.

Südkoreas Präsident hat ein freundschaftliches Verhältnis zum scheidenden US-Präsidenten George W. Bush entwickelt, mit dem er seit seinem Amtsantritt Ende Februar bereits einige Male zusammengetroffen war.

Nordeuropäer setzen auf enge Zusammenarbeit mit Obama
Die Regierungschefs in Nordeuropa setzen nach dem Sieg des Demokraten Barack Obama bei der US-Präsidentenwahl auf eine engere Zusammenarbeit Washingtons mit Europa. Der finnische Ministerpräsident Matti Vanhanen erklärte am Mittwoch, viele zentrale Fragen wie der Klimawandel erforderten eine „enge Partnerschaft zwischen der EU und den USA“. Norwegens Regierungschef Jens Stoltenberg nannte die erste Wahl eines Afroamerikaners zum US- Präsidenten „historisch“ und „von großer Bedeutung für die ganze Welt“. Er hoffe auf „Dialog und Kooperation“.

Der dänische Ministerpräsident Anders Fogh Rasmussen, der als enger Freund und Weggefährte des derzeitigen US-Präsidenten George W. Bish gilt, hob Obamas „glänzenden Wahlkampf“ heraus. Er hoffe nun auf „eine genauso enge Zusammenarbeit wie mit Präsident Bush“ und nannte als wichtigste Inhalte den Kampf gegen den Terrorismus, den Klimawandel und die Schaffung neuen Wirtschaftswachstums auf der Basis von freiem Handel.

Der schwedische Regierungschef Fredrik Reinfeldt bezeichnete Obama als „Schlüssel“ zum notwendigen Wandel in der Klimapolitik. Der künftige US-Präsident werde großen Einfluss darauf haben, wie etwa China oder die Entwicklungsländer sich zum Klimawandel stellen.

Vatikan und Italiens Präsident beglückwünschen Obama
Der Vatikan und der italienische Staatspräsident Giorgio Napolitano haben Barack Obama zu seinem Sieg bei der Präsidentenwahl in den USA beglückwünscht. „Die Gläubigen beten, dass Gott ihn erleuchte und ihm in seiner höchsten Verantwortung beistehe“, erklärte Vatikan-Sprecher Federico Lombardi am Mittwoch.

Alle wünschten Barack Obama, dass er die Hoffnungen und die Erwartungen erfüllen könne, die in ihn gesetzt würden, sagte Lombardi. Es gehe für Obama darum, geeignete Wege zur Förderung des Friedens zu finden sowie das Recht und die Menschenwürde zu stärken.

Für Italien, das sich den USA eng verbunden fühle, sei dies ein großer Tag, sagte Napolitano. Obamas Sieg und der Geist der Einheit, der ihn begleite, könnten Hoffnung und Vertrauen spenden „für die Sache der Freiheit, des Friedens, für eine sicherere und gerechtere Weltordnung“.

Der konservative Regierungschef Silvio Berlusconi, der ein enges Verhältnis zu US-Präsident George W. Bush pflegt, äußerte sich zunächst nicht zum Sieg des Demokraten Obama. Berlusconi wolle erst das endgültige Ergebnis abwarten, hatte es in den Morgenstunden geheißen. Glückwünsche kamen dafür von Außenminister Franco Frattini.

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