Intendanten entsetzt: Das kann nicht ernst gemeint sein!

Joachim Kümmritz, Generalintendant Mecklenburgisches Staatstheater Schwerin
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Joachim Kümmritz, Generalintendant Mecklenburgisches Staatstheater Schwerin

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03. Juli 2008, 06:39 Uhr

Rostock und Schwerin werden sich nie einigen
Joachim Kümmritz, Generalintendant Mecklenburgisches Staatstheater Schwerin

Alles, was bisher von diesem Konzept an die Öffentlichkeit gedrungen ist, geht eindeutig zu Lasten des Mecklenburgischen Staatstheaters.

Über die Pläne, Staatskapelle und Norddeutsche Philharmonie zusammenzulegen, bin ich fassungslos. Das ist blanker Unsinn. Wenn das Land und die Kommunen ihre Theater nicht mehr bezahlen können, muss ein Gesamtkonzept entwickelt werden und nicht solche unausgegorenen Vorstellungen. Wer nur ein wenig von Theater versteht, weiß, dass das organisatorisch gar nicht funktionieren kann. Wie stellt man sich das denn vor: zwei Theater, zwei eigene Spielpläne und ein Orchester?

Ich liebe mein Theater, es funktioniert künstlerisch bestens, ich möchte es so behalten. Wenn die Politik nun aber sagt, wir können das nicht mehr bezahlen, müssen wir überlegen, wie es weitergehen kann. Also etwa Opern in Schwerin produzieren, sie hier spielen und anschließend in Rostock.

Und was die Fusion beider Theater betrifft: Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich die Kommunen, also Rostock und Schwerin, je einig werden.



Konzept zur Vernichtung der Theaterlandschaft

Thomas Ott-Albrecht, Intendant Mecklenburgisches Landestheater Parchim

Dies ist ein Konzept zur Vernichtung der Theaterlandschaft in MV.
Gleichzeitig stellt es einen Schlag ins Gesicht der Leistungsträger an den Theatern dieses Landes dar.
Ich werde mich hüten, einzelne Punkte dieses Vorschlages zu kommentieren. Jedes Theater und damit auch jeder Standort in M-V leistet unter schwierigsten Bedingungen Außerordentliches, um die kulturelle Vielfalt in einem Flächenland aufrechtzuerhalten.

Die meisten kommunalen Träger haben dies erkannt und stellen sich hinter ihre Produktionsstandorte. Allein der Gedanke daran, den Wert und damit auch die politische Notwendigkeit unserer Arbeit in Frage zu stellen, gleicht einem Akt moderner Barbarei.

Lieber Herr Tesch, „ein Bus und ein paar bunte Luftballons“ werden nicht ausreichen, um diejenigen abzuhalten, die das freiwerdende Terrain für sich zu nutzen wissen. Bitte reden Sie mit uns Theatermachern, damit so ein Unsinn nicht weiter öffentlich diskutiert wird und damit sowohl uns als auch den politischen Entscheidungsträgern zum Nachteil gereichen kann.

Das kann nicht ernst gemeint sein!
Professor Anton Nekovar, Intendant Theater Vorpommern

Ich möchte wissen, ob das nur ein Arbeitspapier ist oder schon Bühnenreife hat. Das Landestheater Parchim macht wertvolle Arbeit, es wäre fatal, wenn daraus ein Bespieltheater wird. Jede Theaterschließung ist ein Vergehen an der Kultur, an der Jugend, an der Zukunft des Landes, an der Humanität und Zivilisation.

Und was das Theater Vorpommern angeht: Wir und Neubrandenburg/Neustrelitz sind doch die Musterschüler mit rechtzeitigen Fusionen. Mit 169000 Besuchern hatten wir im vergangenen Jahr genau so viele Gäste wie die Opera Bastille in Paris. Statistisch gesehen war im Jahr 2007 jeder Einwohner unserer Region einmal in unseren Vorstellungen – welche Weltstadt kann das von sich behaupten?

Wir, die Theaterleiter, sehen bei einer Fusion mit dem Neubrandenburg/Neustrelitz viele Probleme, die künstlerisch und wirtschaftlich Einbußen bringen, aber keinen Gewinn. Wie soll man denn mit einer Inszenierung fünf Bühnen bespielen? Wie Hohn klingt, dass die Beibehaltung der Landeszusschüsse zugesagt wird – auf Stand 1994. Durch Inflation und Preissteigerungen sind diese 35,8 Millionen aber nur noch etwas mehr als die Hälfte wert. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das so umgesetzt werden soll.

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