Insolvenz-Kandidat Nr. 2

Quo vadis, BundesligaHandball: Tusem Essen hat bereits Insolvenz angemeldet, nun droht Aufsteiger Stralsunder HV das gleiche Schicksal.

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11. November 2008, 09:57 Uhr

Stralsund - So was gab es noch nie in der Handball-Bundesliga: Nach nur elf Spieltagen, knapp einem Drittel der Saison, stehen bei den Herren aus finanziellen Gründen beide Direktabsteiger fest! Tusem Essen hat bereits Insolvenz angemeldet, der Stralsunder HV steht dicht davor. Laut Manager Jörg Dombdera habe der Verein die Stadt Stralsund um eine Bürgschaft gebeten. Mit dieser wolle der Tabellenletzte (2:20 Pkt.) einen Kredit aufnehmen, um das Überleben des Vereins zu sichern. „Wenn das nicht funktioniert, müssen wir Insolvenz beantragen“, sagte Dombdera, der seit Sommer im Amt ist.
Der 1,2-Millionen-Euro-Etat der Stralsunder ist nicht gedeckt, bestätige Dombdera. Zudem drücken Altschulden im „sechsstelligen Bereich“, so der Manager. Allein in der Vorsaison musste der Club ein Haushaltslücke von 300 000 Euro verkraften.
Um mehr Geld einzunehmen, ging Dombdera neue Wege. So verkauften die Stralsunder ihr Heimrecht für das Pokalspiel gegen den THW Kiel und zogen für das Liga-Heimspiel gegen den deutschen Meister extra nach Neubrandenburg um, um somit mehr Zuschauereinnahmen zu generieren. Die Finanz-Probleme konnten damit jedoch nicht gelöst werden.
„Wir haben der Stralsunder Bürgerschaft ein Sanierungskonzept vorgelegt, das ab der kommenden Saison greifen und den Verein in den nächsten drei Jahren konsolidieren soll“, kündigte der Manager an und gab die Zielrichtung vor: „Wir wollen die Insolvenz vermeiden.“ Angesichts der finanziellen Probleme und einem Rückstand von drei Punkten auf einen Nicht-Abstiegsplatz hat Dombdera den Klassenerhalt bereits abgehakt.
Bundesliga-Standort soll nicht im Strelasund versinken
„Wir müssen sehen, dass wir uns so aus der Liga verabschieden, dass der Bundesliga-Standort Stralsund nicht für immer im Strelasund versinkt.“
Die prekäre Situation beim Stralsunder HV liefert unterdessen neue Nahrung für die Kritiker des Lizenzierungsverfahrens in der Handball-Bundesliga (HBL). Angesichts wachsender Schuldenberge forderte Dombdera wirksamere Prüfungsverfahren. „Das Lizenzierungsverfahren ist nichts wert“, kritisierte er. Nach Ansicht des 42-Jährigen, dessen Verein die Lizenz nur unter Auflagen bekommen hatte, seien Reformen dringend notwendig. Dombdera: „Spieler der mittleren und unteren Kategorie sind viel zu teuer.“
Die HBL hat unterdessen die Kritik am Lizenzierungsverfahren zurückgewiesen und dem SHV Misswirtschaft vorgeworfen. „Ich habe den Stralsundern erstmal den Marsch geblasen. Wenn man sagt, dass das Lizenzierungsverfahren nichts taugt, heißt das im Umkehrschluss, dass bei den eingereichten Unterlagen schon was nicht gestimmt hat“, sagte HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann.

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