Insolventer Eigentümer, drohende Dienstleister: Existenzangst in Wolgaster Straße

Mieter aus der Wolgaster Straße 2 und 3 fühlen sich als unschuldige Opfer: Wolfgang Andriske, Rainer Wilfert, Brigitte Schönfeld, Monika Rabiger, Elli Rochnia, Wolfgang Rochnia, Doris Andriske und Horst Sohst (v. l.). Foto: Ove Arscholl
Mieter aus der Wolgaster Straße 2 und 3 fühlen sich als unschuldige Opfer: Wolfgang Andriske, Rainer Wilfert, Brigitte Schönfeld, Monika Rabiger, Elli Rochnia, Wolfgang Rochnia, Doris Andriske und Horst Sohst (v. l.). Foto: Ove Arscholl

Mieter aus der Wolgaster Straße 2 und 3 haben die Nase voll. Erst soll ihnen die Fernwärme abgeklemmt werden, dann warmes Wasser und jetzt der Kabelanschluss. Sie vermuten, ihre Betriebskosten gehen verschütt. Irgendwo zwischen zwei Verwaltern, insolventem Eigentümer und dessen Zwangsverwalter.

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31. Oktober 2008, 08:47 Uhr

Rostock - Brigitte Schönfeld (71) lebt seit Jahrzehnten in der Wolgaster Straße 3. „Noch nie herrschten hier solche Zustände wie jetzt.“ Noch nie zum Beispiel habe sie in ihrem Briefkasten Schreiben vorgefunden, in denen angedroht wird, dass Wasser, Fernwärme und Kabel abgeklemmt werden. Und dass, obwohl sie ihre Miete immer zahlen würde. „Das Geld kommt bei den Dienstleistern nicht an“, sagt die Rentnerin. Andere Mieter pflichten ihr bei, es gehe drunter und drüber, seitdem das Bundesvermögensamt 2006 die Wohnungen verkauft hat.


Das Problem
Der Eigentümer der Wolgaster Straße 2 und 3 ist in Insolvenz gegangen. Eigentlich sollte dies für die Mieter keine Auswirkungen haben. Anscheinend werden aber die Betriebskosten der Mieter nicht ordnungsgemäß an die Dienstleister abgeführt, die deshalb mit der Kündigung drohen. Die Mieter fühlen sich verloren im Dschungel der Zuständigkeiten.


Der letzte Eigentümer, ein Berliner, wird seit August von einem Rechtsanwalt zwangsverwaltet, ebenfalls aus Berlin. Trotzdem aber hörten die Probleme nicht auf. „Das Abklemmen des Kabelanschlusses hat uns die Urbana Teleunion erst jetzt angedroht“, sagt Mieterin Doris Andriske.
Die Rostocker Gebäudemanagement- und Verwaltungsgesellschaft (RGV), vor Ort Ansprechpartner für die Mieter, weist jedwede Zuständigkeiten von sich.

In einem Schreiben heißt es: „Von dem insolventen Eigentümer wurde nicht die RGV als Verwalter eingesetzt, sondern die Treureal GmbH.“ An sie würden sämtliche Mieten und Betriebskostenvorauszahlungen gehen. Ihr obliege die ordnungsgemäße Weiterleitung. Die Treureal GmbH habe die RGV lediglich „als Unterverwalter mit der technischen Betreuung vor Ort“ beauftragt.

Aber auch hier fühlen sich die Mieter verlassen. Sie verweisen etwa auf die Eingangstür der Wolgaster Straße 2. „Sie schließt seit zwei Jahren nicht, steht Tag und Nacht offen“, sagt Doris Andriske. Oder der Hausflur in der Nummer 2, „hier klebt seit Ewigkeiten Graffitti an den Wänden, die Tür hinten schließt nicht, man muss sich ja schämen“, so Elli Rochnia. Schön sei lediglich die Fassade.

Dr. Jürgen Fischer, Chef der Verbraucherzentrale Mecklenburg-Vorpommern, macht den Mietern wenig Hoffnung. „Der Insolvenzverwalter muss für die ordnungsgemäße Weiterbewirtschaftung sorgen, braucht sich aber zum Beispiel um vorher gemachte Schulden bei den Dienstleistern nicht zu kümmern, sie gehen in die Konkursmasse.“ So oder so, die Mieter hätten das Nachsehen. Sie spürten die Auswirkungen.

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