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18. Dezember 2017 | 04:28 Uhr

Innung kämpft um Hagenower Schule

vom

svz.de von
erstellt am 06.Mai.2010 | 10:33 Uhr

Hagenow | Was kommt heraus, wenn sich Betriebe der Region mit aller Kraft für etwas einsetzen? Ein überzeugender Erfolg. Den hat nämlich die Kfz-Innung des Landkreises mit ihrem Kampf um die Hagenower Berufsschule vorläufig erreicht. Im Ergebnis werden die Kfz-Mechatroniker aus den Betrieben im Landkreis auch weiterhin in Hagenow unterrichtet. Es gab Planungen, diese Klassen ab kommenden Ausbildungsjahr nach Schwerin zu verlagern. "Das ist nach unseren Informationen aus dem zuständigen Ministerium vom Tisch", freute sich Innungsobermeister Gerhard Klinckmann. Seine Innung, immerhin die größte im Land, hatte sich vehement gegen Schweriner Begehrlichkeiten gewehrt. "Da sollte das Fahrrad noch einmal erfunden werden, indem viel Geld erneut für eine Schule in Schwerin gesteckt werden sollte. Diesen Plan der Schweriner hat auf dem flachen Land niemand verstanden."

Auch, weil Hagenow ja eine hochmoderne Berufsschule hat, die erst 1995 eröffnet worden war, und die insgesamt mehr als 15 Millionen Mark gekostet hatte.

Auflösung der Berufsschule scheint gestoppt

Nach den ersten Blütejahren hat Hagenow als Berufsschulstandort vor allem in den letzten Jahren einen ziemlich beispiellosen Niedergang erlebt, zugunsten des Ludwigsluster Standortes aber auch aufgrund der demografischen Entwicklungen. Weniger Kinder bedeuten eben auch irgendwann deutlich weniger Lehrlinge. Die Ausbildung der Kfz-Mechatroniker markierte über die Jahre dennoch immer so etwas wie die beständige Konstante der Region. Immerhin schaffte es die Innung in all den Jahren seit 1995 zwei Ausbildungsklassen an den Start zu bringen. Für 2009/2010 sind es 47 Lehrlinge, für dieses Jahr gibt es bisher 41 Anmeldungen. Klinckmann: "Kfz-Mechaniker oder jetzt neu Mechatroniker, das ist nach wie vor der Traumberuf vieler junger Männer. Insofern merken wir den Rückgang der Bewerber durch die demographische Entwicklung sicherlich nicht ganz so deutlich wie andere Branchen. Aber unsere Betriebe haben immer großen Wert darauf gelegt, dass die Ausbildung in der Region stattfindet und eben nicht alles nach Schwerin gezogen wird". Die Wut über die neuen Schweriner Pläne sei in der Ludwigsluster Innung phasenweise so groß gewesen, dass es Pläne gab, die Lehrlinge lieber nach Hamburg oder Niedersachsen zu schicken. Die Innung hat das Recht, die Schule für die theoretische Ausbildung selbst zu wählen.

Wie erfolgreich die Widerstandsaktion der Kfz-Betriebe im Kreis war, zeigte sich jüngst auch bei der Frühjahresversammlung der Innung. Dort gab es für das Ansinnen der Betriebe einigen politischen Rückenwind, vor allem vom Landrat aber auch von der Hagenower Bürgermeisterin Gisela Schwarz.

Doch es sind nicht nur die Mechatroniker, die die Fahne der dualen Berufsausbildung in Hagenow hochhalten. Es gibt auch noch zwei Klassen der Metallbauer im Fachbereich Konstruktionstechnik, eine Klasse im Berufsvorbereitungsjahr. Dazu kommen noch einmal vier Klassen, des so genannten BVB-Programms, das aber vom Bildungsträger "Start" organisiert wird. Der Großteil der Berufsschule wird jedoch von anderen Einrichtungen genutzt.

"Handwerk muss Flagge zeigen, und wir können nicht alles zentralisieren. Gerade in den ländlichen Gebieten ist das Handwerk insgesamt eine Macht, nur wird sie zu selten sichtbar. Beim Thema Berufsschule war das anders, da habe ich von vielen unserer Mitgliedsbetriebe klare Signale bekommen, hier sind wir nahezu vollständig angetreten. Und es hat gewirkt, Schwerin muss sich für die Sanierung seiner Schule nun andere Argumente suchen", stellte Innungsobermeister Klinckmann fest. Und noch eines freute ihn.

Im letzten Jahrgang hatten 97 Prozent mit Abschluss der Lehre bereits einen festen Job. Mechatroniker bleibt doch so etwas wie ein Traumberuf.

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