Insolvenzverfahren: "Elde Konserven" hat Produktion eingestellt : In Zachow geht es ans Eingemachte

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In dieser Woche wurde für die Firma Elde Konserven in Zachow das Insolvenzverfahren eröffnet. Fast alle der zuletzt noch 42 Mitarbeiter haben die Kündigung erhalten und sich als Kunden der Arbeitsagentur angemeldet.

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06. Mai 2011, 04:56 Uhr

Zachow | Das Firmengelände der Elde- Konserven gleicht einer Geisterstadt, auf dem Parkplatz gähnende Leere, und nur das Plätschern im idyllischen Zierteich vor dem Verwaltungsgebäude durchbricht die gespenstische Ruhe. Die schmucken Büros sind weitgehend verwaist. In der Chefetage teilt sich Kay Strelow, der hier seit 13 Jahren den Hut auf hat, mit einer Hand voll Mitarbeiter die Schreibtische. "Wir haben gekämpft und verloren", räumt der Geschäftsführer ein und verweist auf das Insolvenzverfahren, das am 1. Mai eröffnet worden ist. Drei Tage zuvor hatten es die Beschäftigten auf einer Personalversammlung erfahren und sich daraufhin bei der Arbeitsagentur in Parchim gemeldet. Am 21. Februar zog Strelow die Notbremse und stellte den Antrag auf ein vorläufiges Insolvenzverfahren.

Standortwahl ein fataler Fehler

Dem Vorzeigeunternehmen ging das Geld aus. "Wir hatten immer noch Hoffnung. Schließlich haben die Inhaber von Anleihen im Herbst sogar auf die fälligen Zinsauszahlungen verzichtet", sagt der Geschäftsführer. Mit so genannten Inhaberschuldverschreibungen, die erst 2016 fällig werden sollten, hat sich die Konservenfabrik neues Investitionskapital verschafft. Doch alle Bemühungen waren umsonst, der Vertrauensvorschuss blieb wirkungslos.

Dabei ging es im Vorzeigeunternehmen der Region zunächst nur bergauf. Nach der Privatisierung der Konservenfabrik Elde, die auf eine über 100 Jahre alte Tradition zurückblickt, wurde 1994 eine moderne Fabrik ins Gewerbegebiet Zachow gesetzt. "Ein fataler Fehler", so Strelow, der 1998 die Geschäftsleitung übernahm und es fünf Jahre später sogar zum "Unternehmer des Jahres 2003" brachte. 7000 Quadratmeter Produktionsfläche, vier Produktionslinien mit einer jährlichen Verarbeitungskapazität von 30 000 Tonnen Rohware und Investitionen von 20 Millionen Euro in Lagerhallen, Verwaltung und Maschinenpark standen für eine Erfolgsgeschichte. Dabei wurde offensichtlich ausgeblendet, dass die Firmengründer das Geld für eine angemessene Kläranlage sparen wollten. Stattdessen bauten sie ein Sammelbecken für 30 000 Kubikmeter Waschwasser, das mit einer befristeten Sondergenehmigung regelmäßig auf umliegenden Feldern verregnet wurde. "Eine überfällige Lösung des Abwasserproblems würde sieben Millionen Euro kosten, und einen Einleiter gibt es in der Nähe auch nicht. Das ist betriebswirtschaftlich und kaufmännisch nicht zu stemmen", meint der Chef. Und es zogen nicht nur stinkende, sondern immer dunklere Wolken über Zachow auf. "Die Ernte fiel 2010 bekanntlich schlecht aus. Damit stiegen die Preise für landwirtschaftliche Produkte und insbesondere Gemüse dramatisch an. Das traf auch für Energie und andere Produktionskosten zu. Zur gleichen Zeit hat einer unserer Großkunden, für den wir 40 Prozent unserer Ware produziert haben, seine Bestellungen halbiert. Das war der Dolchstoß", sagt Strelow. "Wir sind für Aldi & Co. zu klein und zu langsam. Der Trend auf dem Lebensmittelmarkt lässt uns keine Chance", ist sich der Geschäftsführer heute sicher und meint verbittert: "Die Kunden, die immer billigere Lebensmittel kaufen wollen, werden nicht einmal merken, dass es die Elde-Konserven nicht mehr gibt".

Kein neuer Investor in Sicht

Strelow hat kaum noch Hoffnung, dass der Insolvenzverwalter einen neuen Investor findet. "Alle Lieferverträge sind längst gekündigt und das Lager wird bis zum Jahresende leer sein. Weitermachen kann hier spontan niemand. Es ist nur noch eine Frage Zeit, dass das Licht endgültig ausgeht. Wir haben alles verloren und müssen auch persönlich sehen, wo wir nun bleiben", so der 45-Jährige frustriert.

Schockiert reagiert auch Bürgermeister Reinhard Müller: "Das ist auch für die Gemeinde eine sehr schlechte Nachricht. Das Gewerbegebiet Zachow ist eine Katastrophe. Am besten wir melden auch gleich Insolvenz an." Schmerzlich sei der Verlust der Arbeitsplätze, aber auch die ausbleibenden Steuereinnahmen. Nachdem bereits ein Medizindienstleister die Segel gestrichen hat, der Ausbau eines Solarparkes an politischen Entscheidungen scheiterte und nun die Konservenfabrik aufgibt, steigen die Risiken, dass das Gewerbegebiet Zachow der Gemeinde den Todesstoß verleiht. "Uns steht das Wasser bis zum Hals. Wir können nur hoffen, dass sich ein Interessent für die Immobilie findet."

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