In Rostock gehen die Lichter aus

In der dunklen Jahreszeit wird es in Rostock noch viel dunkler: Das Tief- und Hafenbauamt wird bis Jahresfrist 432 Straßenlaternen abreißen. Ersatz gibt es nicht. Denn dafür fehlt das Geld. Stattdessen lässt sich die Stadt die Demontage 205 000 Euro kosten.

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23. September 2008, 07:09 Uhr

Rostock - Düstere Hausdurchgänge, kaputte Laternen, unbeleuchtete Wege: Bei einem Rundgang durch Schmarl im Januar bemängelten viele Anwohner die Dunkelheit im Stadtteil. „Hier ist es an einigen Stellen stockfinster“, beschwert sich damals Monika Meyer aus dem Ortsbeirat. Der stellvertretende Revierleiter für den Nordwesten Frank Schlösser kann den Einwohnern nur raten: „Vermeiden Sie dunkle Wege, nehmen Sie längere in Kauf.“

Eine Empfehlung, die – so gut sie gemeint ist – für die Menschen im Stadtteil wie Hohn klingen muss. Zumal noch bis Jahresende hier 41 Straßenlaternen abgebaut werden. Allein zehn im Stephan-Jantzen-Ring, elf im Kolumbusring. Straßenzüge, die abends schon heute keine große Sicherheit ausstrahlen. Nach den Übergriffen von Triebtätern im Nordwesten nimmt die Angst zu. „Das passt nicht zusammen. Wir reden von mehr Sicherheit und Schutz und dann das“, ärgert sich der Ortsbeiratsvorsitzende Dietmar Droese, der zumindest an viel begangenen Stellen Ersatz einfordert.


Akute Gefahr für Menschen und Fahrzeuge

Doch die Lichtmasten in Schmarl sind bei weiten nicht die einzigen, die in den kommenden Monaten verschwinden. Insgesamt werden Mitarbeiter des städtischen Bauhofes 432 Laternen aus DDR-Zeit abmontieren, weil sie „eine akute Gefahr für Menschen und Fahrzeuge darstellen“, schildert Tief- und Hafenbauamtsleiter Heiko Tiburtius. Der Beton ist porös, die Kabel veraltet, die Stahlstelen durchgerostet. Experten eines Prüfunternehmens haben im Juni knapp 1400 Pfähle kontrolliert und sind zu dem erschreckenden Ergebnis gekommen. Überrascht ist der zuständige Amtsleiter allerdings nicht. „In den vergangenen Jahren hat sich ein Sanierungsstau in zweistelliger Millionen Höhe aufgestaut.“

Wegen der Finanzsituation der Stadt würden dringend notwendige Arbeiten aufgeschoben, beschwert sich Tiburtius. Insgesamt 5300 der 21 000 Laternen im Stadtgebiet müssten lieber heute als morgen ausgewechselt werden. Vor allem in den „alten“ Stadtteilen wie Warnemünde, Hansaviertel, Reutershagen, der KTV oder dem Bahnhofsviertel. Stattdessen rechnet das Tiefbauamt auch im kommenden Jahr mit einem ersatzlosen Abriss von bis zu 600 weiteren Betonlaternen.

Auch der Abriss kostet viel Geld
Makaber: Weil sich Rostock derzeit neue Laternen nicht leisten kann, muss die Stadt viel Geld für die Demontage ausgeben. Für die 432 Masten, die bis Jahresende abgerissen werden müssen, sind zusätzlich 205 000 Euro irgendwo aus dem Budget der Stadtverwaltung zusammenzukratzen. Ersatz würde das zwei- bis dreifache kosten.

Auch deshalb wird Klaus Zoske noch lange im Dunkeln sitzen. Der Rostocker wohnt am Bahnhof Bramow. Hier hat das Tiefbauamt bereits gehandelt und fünf der neun Laternen in der Stichstraße abgerissen. „Abends ist es einfach zu dunkel“, sagt der Rentner, der sich Sorgen macht – um sich seine Ehefrau, aber auch die vielen jungen Frauen, die auf ihrem Weg zur Arbeit im Eros-Center


Wenn es aufs Auto bröckelt


Wenn Betonstücke von maroden Lichtmasten auf parkende Pkw fallen, übernimmt in der Regel die Stadt den Schaden. Die Polizei ist zu verständigen, später das Tief- und Hafenbauamt, das die Verkehrssicherung übernimmt. Dann muss ein Anruf im Hauptamt der Stadt folgen, Sachgebiet Versicherungen. Fotos vom Schaden machen, gegebenenfalls Zeugen nennen.
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