In Insolvenz gehen, Personal abbauen, Preis erhöhen: Transportgewerbe vor schweren Entscheidungen

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07. Juli 2008, 07:27 Uhr

Schwerin - Das Transportgewerbe sieht keinen anderen Ausweg mehr: Einsparpotenziale seien längst aufgebraucht, meinte Reinhard Willke, Chef des Verbandes Taxi und Mietwagen in MV. Jeden weiteren Kostenanstieg müssten die Unternehmen aus der eigenen Tasche bezahlen.

Bis jetzt habe man gewartet, ob die Spekulationsblase an den Ölmärkten noch platze. Vergebens: Die Preise kletterten immer höher, sagte Christian Rader, Chef der Verkehrsgemeinschaft Westmecklenburg. „Das ist nicht mehr zu halten.“

Ob in Westmecklenburg, Rostock oder Schwerin: Das Transportgewerbe kündigt steigende Tarife an. In den Regionen bereite das Taxigewerbe inzwischen Tarifanträge vor, so Willke. Fast drei Viertel der Schweriner Taxiunternehmer hätten sich z. B. für höhere Fahrtarife ausgesprochen.

Bei dem Kostenanstieg „muss eine Erhöhung kommen“, sowohl bei den privaten Fahrtarifen als auch bei Krankenfahrten. Und auch in Rostock führt daran kaum ein Weg vorbei: Die Entlastungen nach der letzten Preiserhöhung 2007 seien aufgezerrt, meinte Frank Semler, Chef der Genossenschaft Hanse-Taxi.

Noch hätten die Firmen zwar nicht entschieden. Über Tarifsteigerungen müsse „aber nachgedacht werden.“ In Neubrandenburg führt der hohe Ölpreis bereits zu Konsequenzen auf dem Arbeitsmarkt. So sei eine frei gewordene Stelle nicht mehr besetzt worden, teilte Ingo Graser, Chef der Taxizentrale mit.

Busunternehmen können Dieselrechnung nicht bezahlen
Um 40 Prozent höhere Dieselpreise als noch vor eineinhalb Jahren, das bringt auch die Busunternehmen in Not. Schon jetzt wüssten einige Unternehmen in der Branche nicht mehr, wie sie ihre Kraftstoffrechnungen bezahlen sollen, hat Rader beobachtet. Den drei betroffenen Landkreisen innerhalb der Verkehrsgemeinschaft sei die Notlage bereits deutlich gemacht worden.

Ohne weitere Unterstützung oder auch Zuschüsse des Landes müsse über höhere Fahrpreise frühestens zum 1. November 2008 nachgedacht werden, sagte Rader. An mehr Finanzhilfe vom Land ist vorerst aber nicht zu denken: Der für den Schülerverkehr gewährte Kostenausgleich sei erst in diesem Jahr auf eine neue Berechnungsgrundlage umgestellt worden, teilte das Verkehrsministerium mit. Damit erhalte die Branche 2011 bereits etwa 5,6 Millionen Euro mehr als nach dem bisherigen Verfahren.

Drastischer trifft es indes die 1500 Spediteure mit ihren 10 000 Beschäftigten. Statt Entlastung drohe den Unternehmen nach Plänen der Bundesregierung eine deutliche Erhöhung der Mautgebühren, kritisierte Norbert Voigt, Chef des Landesverbandes des Transportgewerbes und verlangte, die Gebührenerhöhung auszusetzen. Ansonsten würden „etliche Unternehmen auf der Strecke bleiben.“

Die Mautpläne stoßen in MV zumindest auf Bedenken: Während Verkehrsstaatssekretär Sebastian Schröder dem Spediteursverband zufolge noch vor Wochen zugesichert habe, dass MV gegen die Mauterhöhung stimmen werde, blieb Schröders Chef, Verkehrsminister Otto Ebnet (SPD), gestern unverbindlicher: „Mecklenburg-Vorpommern liegt weit weg von den wirtschaftlichen Ballungsräumen. Jede zusätzliche Belastung für den Verkehr ist schlecht für unsere wirtschaftliche Entwicklung. Und deshalb ist auch eine Erhöhung der Maut nicht gut für Mecklenburg-Vorpommern.“

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