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Landkreis Ludwigslust : Immer mehr dicke Kinder im Landkreis

vom

Die Zahl der übergewichtigen Kinder steigt mit zunehmendem Lebensalter auch in unserem Landkreis. "Das ist ein deutliches Alarmsignal", sagt Kinderarzt Jürgen Siegler.

svz.de von
erstellt am 29.Mär.2011 | 12:32 Uhr

Die Zahl der übergewichtigen Kinder steigt mit zunehmendem Lebensalter auch in unserem Landkreis.
"Das ist ein deutliches Alarmsignal", sagt Jürgen Siegler. Die bisher vorliegenden Daten ließen den Schluss zu, dass das Gewicht der Kinder insgesamt zunimmt. "Während im Vorschulalter die umfangreichen Aufklärungsaktionen in den Kindergärten Wirkung zu zeigen scheinen, ist der deutliche Anstieg übergewichtiger Kinder im Schulalter besorgnis erregend", betont der Kinderarzt, der beim Kinder- und Jugendärztlichen Dienst des Landkreises Ludwigslust beschäftigt ist.

Grund für die Gewichtszunahme seien "ungünstige Ernährungs- und Bewegungsmuster. Die Kinder essen zu wenig Obst und Gemüse und zuviel Süßes und Fettiges", begründet Siegler die Entwicklung. Auch habe sich ergeben, dass die Kinder mittlerweile rund zwei Stunden täglich vor dem Fernseher sitzen, die Nutzung des Computers nicht eingerechnet. Zusammen mit den Sitzzeiten in der Schule komme Bewegung eindeutig zu kurz. Das zeige sich auch darin, dass selbst bei konstantem Body-Mass-Index (BMI) eine Verschiebung von Muskel- zu Fettgewebe hin stattfinde.

"Unsere eigenen Untersuchungen belegen, dass die Quantität und die Qualität des Übergewichts mit zunehmendem Alter steigt. Bei den Einstellungsuntersuchungen haben wir im Vergleich zu anderen Altersklassen noch wenige übergewichtige Kinder", erklärt Siegler. Rund 1100 Einschuluntersuchungen führt der Mediziner pro Jahr im Landkreis Ludwigslust mit durch. 2009/10 galten 14,7 Prozent der Mädchen und 14,3 Prozent der Jungen bereits als übergewichtig. "Doch in der Regel haben Jungs mehr auf den Hüften, als Mädchen", berichtet der Schularzt weiter.

Von allen Einschülern im Land MV waren im gleichen Zeitraum 12,4 Prozent der Kinder übergewichtig, etwa 5,5 Prozent sogar fettleibig, also schon adipös.

Siegler: "Kinder orientieren sich ganz stark an dem, was sie vorgelebt bekommen. Sie brauchen deshalb Ernährungsvorbilder. Man muss ihnen Rüstzeug an die Hand geben, vernünftige Essenentscheidungen selbst treffen zu können."

In Kitas und Kindergärten setze man sich noch für gesundes Essen ein. Jedoch mit Eintritt ins Schulleben würden die Heranwachsenden dann weitestgehend sich selbst überlassen. Die Ernährung der Kinder in den Schulen zu unterstützen, sei deshalb nicht verkehrt und zu begrüßen. Pilotprojekte einiger Schulen sollten im Landkreis Nachahmer und Finanzierer finden. Bei der Bekämpfung der Adipositas seien regionale und nationale Anstrengungen nötig. Ein besonderes Problem seien dicke Kinder dicker Eltern. In dieser Konstellation gebe es eine hohe Barriere zur Bekämpfung des Übergewichts in der Familie, ist sich Siegler sicher.

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