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Zum Tod von Willi Sitte : "Immer ein fleißiger Maler"

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Der Maler Willi Sitte gilt als einer der wichtigsten deutschen Künstler des 20. Jahrhunderts. Am Sonnabend ist Sitte im Alter von 92 Jahren nach langer Krankheit gestorben, wie die nach ihm benannte Stiftung mitteilte.

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erstellt am 09.Jun.2013 | 06:40 Uhr

Halle | Der Maler Willi Sitte gilt als einer der wichtigsten deutschen Künstler des 20. Jahrhunderts. Aber wegen seiner Staatsnähe und seiner Haltung zum SED-System in der DDR war er zugleich heftig umstritten. Am Sonnabend ist Sitte im Alter von 92 Jahren nach langer Krankheit in Halle gestorben, wie die nach ihm benannte Stiftung mitteilte.

"Ich war immer ein fleißiger Maler", sagte Sitte über seinen riesigen Bestand an Werken - vom großflächigen Arbeiterbild über Selbstporträts bis hin zu feinen Skizzen. In der DDR gehörte der Maler mit dem kantigen Charakter zur Prominenz. Seine Bilder sind Hauptwerke des sozialistischen Realismus.

Ein Beispiel ist das Gemälde "Die rote Fahne - Kampf, Leid und Sieg" aus den 70er-Jahren. Bekannt wurde Sitte vor allem mit großformatigen Werken mit Arbeitermotiven der DDR wie Brigadiers, Berg- und Fabrikarbeitern sowie den Chemiewerkern aus Leuna. Die Funktionäre irritierte Sitte zuweilen mit seinen lebensprallen erotischen Aktmalereien.

In Westdeutschland machte er spätestens durch die Teilnahme an der documenta 6 (1977) in Kassel auf sich aufmerksam. Dort vertrat Sitte die DDR, zusammen mit den Malern der Leipziger Schule, Bernhard Heisig, Wolfgang Mattheuer und Werner Tübke. Ihre Werke waren schon damals bei Kunstsammlern und Galerien in Westeuropa begehrt.

Als sein Lebenswerk bezeichnete Sitte 15 Jahre nach der Wende die Galerie der Willi-Sitte-Stiftung für realistische Kunst, die in Merseburg zu seinem 85. Geburtstag am 28. Februar 2006 eröffnet wurde. Sitte und seine Familie überließen der Stiftung Gemälde, Zeichnungen, Radierungen, Druckgrafiken und Skizzen. Arbeiten aus mehr als 60 Jahren seiner Schaffenszeit sind in der Merseburger Domkurie in der Willi-Sitte-Galerie auf 550 Quadratmetern zu sehen. Gerade läuft in Merseburg und parallel dazu in der Kunststiftung der Saalesparkasse in Halle die Ausstellung "Leben mit Lust und Liebe". Sitte war nach der Wende von Kritikern seine exponierte Stellung in der DDR vorgeworfen worden. Er selbst wies dies stets zurück, ebenso die gegen ihn erhobenen Stasi-Vorwürfe. Sitte bekannte sich aber stets als Kommunist, obwohl er in der DDR zunächst keine sozialistische Bilderbuchkarriere begonnen hatte. Bilder der 1950er-Jahre zeigten Einflüsse des Expressionismus, die Suche nach neuen Stil- und Ausdrucksformen. Dafür wurde er als Formalist diffamiert.

Von 1974 bis 1988 war Sitte Präsident des Verbandes Bildender Künstler der DDR und saß zeitweilig im Zentralkomitee der SED. Eine 2001 im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg zu seinem 80. Geburtstag geplante Ausstellung führte zum Eklat. Nach etlichen Querelen sagte Sitte die Ausstellung ab und zog sich zurück. Zu einer Ausstellung im Landeskunstmuseum Galerie Moritzburg in Halle kam es nie. Das Museum wollte eine kritische Reflexion. Dazu konnte sich Sitte nicht durchringen.

Sitte wurde in 1921 in Kratzau (heute Tschechien) geboren, in Halle lebte er seit 1947. Nach fast zweijähriger Zwangspause wegen mehrfacher Hüftoperationen hatte Sitte im Sommer 2005 wieder seine Arbeit im Atelier aufgenommen. Eigens dafür ließ er sich ein Gestell anfertigen. Trotz zahlreicher gesundheitlicher Rückschläge hatte er eisern sein Ziel vor Augen, wieder arbeiten zu können. In seinen letzten Lebensjahren ging es Sitte allerdings immer schlechter. Er war immer mehr auf den Rollstuhl angewiesen.

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