Im Schutzanzug gegen das Leck

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Im Armaturenwagen erklärt Ausbilder Ingo Piersig (r.) den Feuerwehrleuten verschiedenste Ventile, die an Kesselwagen verbaut sind. Lars reinhold (2)

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29. Juli 2010, 06:58 Uhr

Wittenberge | Pro Jahr registriert die Deutsche Bahn rund 150 "Unregelmäßigkeiten" bei Kesselwagen im Güterzugverkehr. Das heißt konkret: Alle zwei Tage tritt irgendwo auf deutschen Schienen ein Leck an einem Kesselwagen auf.

Um Feuerwehren, die oft als erste Hilfskräfte bei diesen Ereignissen eintreffen, im Umgang mit solchen Szenarien zu schulen, betreibt die Bahn einen Ausbildungszug Gefahrgut. Seit Dienstag steht der Zug in Wittenberge, so dass die Prignitzer Wehren, die eine Bahnstrecke vor der Haustür haben, unter realistischen Bedingungen trainieren können.

Für die Kameraden beginnt die Übung mit Theorie. Anhand ausgewählter Bahnun glücke erklärt Ausbilder Horst Fechner Ursachen, Hergang und Auswirkungen, um die Kameraden für die Besonderheiten "im Gleis" zu sensibilisieren. "Durch den Zugverkehr, Oberleitungen und natürlich gefährliche Güter in den Waggons, sind bei Bahnunfällen unter Umständen ganz andere Vorgehensweisen notwendig, als sie die Feuerwehr sonst anwendet", sagt der Fachmann.

"Vor allem müssen die Kameraden wissen, wie sie den Kesselinhalt anhand von Gefahrentafeln oder Frachtpapieren erkennen." Auch die Abläufe im Bahnbetrieb sowie Kontakte zur Netzleitstelle würden erklärt, so Fechner.

Die praktische Ausbildung ist zweigeteilt. Zuerst lernen die Blauröcke am sogenannten Armaturenwagen den Aufbau der verschiedensten Kesselwagen kennen. "An diesem Waggon sind mehr als 50 unterschiedliche Ventile, Regler und Schieber angebracht, wie sie an Kesselwagen vorkommen", erklärt Ingo Piersig, der die praktische Ausbildung betreut. "Die Kameraden sollen hier die Technik verstehen lernen, deswegen ist der Wagen auch von innen und auf dem Dach begehbar. So kann ich alle Details genau erklären."

Praktische Ausbildung am Leckagewagen

Im Anschluss geht es weiter zum Leckagewagen. Acht verschiedene Lecks können hier simuliert werden, vom recht einfach zu beherrschenden Riss in der seitlichen Kesselwand über das undichte Ventil bis hin zum schwer abzudichtenden Loch unter dem Drehgestell. Gut eine Stunde üben die Kameraden Risse und Löcher zu schließen, bevor Wittenberges Wehrchef Chris Brandt zur Abschlussübung antreten lässt.

Die Fahrzeuge rücken mit Blaulicht an, Einsatzleiter Kai Bleß erkundet die Lage, fordert über die fiktive Leitstelle Informationen zum Gefahrstoff an und veranlasst die Sperrung der Strecke. Kaum ist dies bestätigt, gehen zwei Kameraden in Chemikalienschutzanzügen vor, um die auslaufende Flüssigkeit aufzufangen und das Leck mit Spezialknete abzudichten. Nach gut 40 Minuten ist alles vorbei.

Die Meinungen nach der Übung sind allesamt positiv. "Der Zug gibt uns die seltene Möglichkeit, ein solches Szenario einmal realitätsnah zu proben", sagt Wehrführer Chris Brandt. Auch Thomas Gäde von der Perleberger Wehr, ist begeistert. "Sowas kann jeden Tag passieren, und dieses Training hier ist klasse."

Neben den Wehren der beiden Städte trainierten auch Kameraden aus den Ämtern Bad Wilsnack/Weisen, aus Karstädt und das THW.

Der Ausbildungszug kam auf Anforderung des Landkreises nach Wittenberge. Mit Auflösung der Bahnfeuerwehren Mitte der 90er Jahre ging die Gefahrenabwehr auf die kommunalen Feuerwehren über. Die Bahn ist jedoch verpflichtet, die Wehren entsprechend auszubilden.

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