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Meeresmuseum in Stralsund wird heute 60 : Im Schatten des Ozeaneums

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"Wi hemm wat för den Doktor inn Netzbüdel." So sollen die Fischer den damaligen Chef des Meeresmuseums, Streicher, 1965 am Hafenkai des Stralsunder Dänholm empfangen haben.

"Wi hemm wat för den Doktor inn Netzbüdel." So sollen die Fischer den damaligen Chef des Meeresmuseums, Sonnfried Streicher, im Oktober 1965 am Hafenkai des Stralsunder Dänholm empfangen haben. Den Fischern war zwischen Stralsund und Rügen ein ungewöhnlicher Fang ins Netz gegangen: ein 450 Kilogramm schweres Exemplar einer Lederschildkröte. Nur wenige Tage überlebte der Irrgänger im Rostocker Zoo. Doch das Besucherinteresse an dem später angefertigten Präparat der Schildkröte "Marlene" bestärkte die Stralsunder Museumsleute, sich stärker auf die Meereswelten zu konzentrieren.

Das Museum im alten Kloster am Katharinenberg begeht heute sein 60-jähriges Gründungsjubiläum. Am 24. Juni 1951 wurde es als städtisches Naturkundemuseum gegründet, erlebte seine Erfolgsgeschichte aber erst, als es sich zwei Jahrzehnte später auf die Flora und Fauna der Meere spezialisierte und lebende Tiere zeigte. "Sonnfried Streicher wollte ein Museum schaffen, das lebt", sagt der heutige Museumschef Harald Benke. Mit der Kombination von wissenschaftlich fundierter Ausstellung und lebendigen Exponaten habe das Museum bis heute ein Alleinstellungsmerkmal in Deutschland.

Das Museum war in den 1970er und 1980er Jahren ein Fenster in die Welt, die den DDR-Bürgern in der Realität verschlossen blieb. Besucher standen stundenlang Schlange, um die Aquarien mit den bunten Fischen, die Wal-Skelette oder Korallenriffe zu bewundern. Im Spitzenjahr 1984 gab es 870 000 Besucher. Zugleich legten die Wissenschaftler des Hauses den Grundstein für die Sammlungen mit heute mehr als 12 Millionen Objekten.

Mit der Fertigstellung des Ozeaneums im Jahr 2008 erlitt das Meeresmuseum allerdings einen Einbruch der Besucherzahlen. Touristen und Einheimische zog es in den hellen und hypermodernen Bau des Ozeaneums am Hafen. Im vergangenen Jahr zählte das Stammhaus nur noch 272 000 Gäste, das Ozeaneum dagegen rund 700 000 Gäste. "Wir haben mit deutlich stärkeren Kannibalisierungseffekten gerechnet", beschwichtigt Benke. Die Spezialisierung des Meeresmuseums auf die Warmwasserwelten mit seinem bunten Fischreichtum solle dazu beitragen, dass die Besucherzahlen wieder ansteigen.

Nach dem Bau des Ozeaneums, das seit 2008 das Leben in den Kaltwassermeeren der Erde dokumentiert, will die Stiftung Deutsches Meeresmuseum ihre Investitionen verstärkt auf das Haupthaus richten. Die Bauvorhaben im Ozeaneum sind abgeschlossen. "Das Meeresmuseum ist unser Stammhaus. Mit ihm begann unsere Erfolgsgeschichte", begründet Benke die Konzentration der Investitionen auf das Haupthaus. So soll das Foyer des Museums in den Vorbau, dem jetzigen Forum Meeresmuseum, ausgelagert und die Ausstellungshalle in der Klosterkirche optisch geöffnet werden.

Auch die Ausstellung selbst erlebt Veränderungen. Für die Neugestaltung des mehr als 30 Jahre alten Korallenriffpfeilers sind Forschungstaucher aus Stralsund und ein Geoinformatiker aus Rostock im Frühjahr im Roten Meer abgetaucht. An Riffs dokumentierten sie mit einer neuen Messmethode, der Photogrammetrie, detailliert die Organismen. Zudem setzt die Museumsleitung auf Kombitickets für Ozeaneum und Meeresmuseum (Preis 18 Euro für Erwachsene). Sie haben eine Gültigkeitsdauer von drei Monaten.

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erstellt am 24.Jun.2011 | 12:46 Uhr

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