Im Kampf gegen Wind und Wellen: Segel-Cup lockt norddeutsche Wassersportler an den Goldberger See

Wettfahrtleiter Günter Daubenmerkl gibt das Signal zum Start der Regatta. Wolfhard Röhr hat sich in seinem „Rotkäppchen“ eine gute Startposition verschafft und wartet auf den Ton aus der Tröte. Foto: Christoph Hellwig
Wettfahrtleiter Günter Daubenmerkl gibt das Signal zum Start der Regatta. Wolfhard Röhr hat sich in seinem „Rotkäppchen“ eine gute Startposition verschafft und wartet auf den Ton aus der Tröte. Foto: Christoph Hellwig

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08. September 2008, 07:05 Uhr

Goldberg - Mitten auf dem Goldberger See versammeln sich zwei Dutzend Segelboote. Ein eindringliches Hupen lässt die kleinen Jollen und Kutter näher zusammenrücken. Sie kreisen um den Kahn von Günter Daubenmerkl, wie Raubtiere um ihre Beute. Den 67-jährigen Hamburger, seine lautstarke Tröte und eine im Wind wehende weiße Flagge mit rotem Punkt lassen sie jetzt nicht mehr aus den Augen.

Wenig später ächzt die Tröte ein zweites Mal. Die Hobby-Kapitäne bereiten sich auf den Start zum Gold-Cup vor, der in diesem Jahr zum fünften Mal ausgesegelt wird. Das Gerangel um die besten Startplätze beginnt. Nach zwei weiteren Tönen aus der Blechdose ersetzt Robert Havemann das weiß-rote Fähnchen durch eine weitere Signalflagge – ein weißer Punkt auf blauem Grund gibt das erste von fünf Rennen frei.

Perfekte Bedingungen bei Windstärke drei bis vier

„Wir haben heute nahezu perfekte Bedingungen“, sagt Daubenmerkl. Der Hanseat muss es wissen, leitet er doch seit gut 30 Jahren Segelregatten. Der Wind pfeift in Stärken drei bis vier aus Süden über den See, legt dem Rentner einen Scheitel ins dunkelblonde Haar. Mehr zu kämpfen haben jetzt die Segler – zwischen Tonne eins und zwei bekommen sie den Wind frontal zu spüren.

Das scheinbar heillose Durcheinander auf den Wellen hat einen Grund: „Sie kreuzen jetzt gegen den Wind, damit sie überhaupt voran kommen“, erklärt Daubenmerkl. Nicht jeder kommt mit den „idealen Bedingungen“ klar: Für Klaus Dahnke endet die erste Wettfahrt nach gut zehn Minuten zunächst mit einem unfreiwilligen Bad. Nicht nur, dass der Wind seinen „Seggerling“ zum Kentern bringt, treibt er das schnittige Boot auch noch immer weiter ab. Einsatz für die Wettkampfleitung: Robert Havemann steuert das Motorboot zu Dahnke, der sich von den Wellen treiben lässt.

Günter Daubenmerkl greift beherzt über Bord und hievt den Plauer Segler in den Kahn. „Ich habe Vorwind bekommen und das Boot fing an zu geigen. So schnell wie es abtrieb, konnte ich gar nicht schwimmen“, erklärt Dahnke das kleine Missgeschick. Doch aufgeben kommt für ihn nicht in Frage. Der 60 Jahre alte Hobby-Kapitän lässt sich an seinem Boot absetzen und macht es mit einem Balanceakt auf dem Schwert wieder Wettfahrt-tauglich.

Besser läuft es für Klaus Eisenblätter. Der Hamburger ist sechsmaliger Europameister bei den „Sharpis“ – eine der ältestes Einheitsbootsklassen – und segelt auch an diesem Tag allen Konkurrenten davon. Seine Freude über den Sieg teilt er gerne: „Wir bedanken uns bei der Wettkampfleitung für die schöne Wettfahrt“, grüßt er in Richtung Daubenmerkl, Havemann und Renate Widderich. Die einzige Frau an Bord hält die Platzierungen und Zeiten im Protokoll fest, die ihr der Regattenleiter und Lebensgefährte in Personalunion beim Zieleinlauf ansagt.

Bootskonstrukteur segelt munter mit
Nach gut drei Stunden auf dem Wasser und ebenso vielen Wettfahrten kommt auch Dr. Jüs Segger sicher ans Ufer zurück. Der Hamburger nimmt zum ersten Mal am Gold-Cup teil und ist, wie sein Name verrät, der Konstrukteur des Seggerlings. Vor 20 Jahren entwarf er das Boot, mit dem heute zahlreiche Segler unterwegs sind. Mit inzwischen 72 Jahren hat er das Projekt „Seggerix“ gestartet. Seine neueste Konstruktion aus zwei Sperrholzplatten soll Kindern künftig den Einstieg in den Segelsport erleichtern.

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