Öko-Weihnachtsbraten aus Raden : Im Gänsemarsch ins Schlachthaus

Was an Gänsen oder Enten bestellt ist, wird erst einen Tag vorher geschlachtet - und wartet dann im Kühlhaus auf den Kunden.   karina hoppe (3)
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Was an Gänsen oder Enten bestellt ist, wird erst einen Tag vorher geschlachtet - und wartet dann im Kühlhaus auf den Kunden. karina hoppe (3)

Zweifellos nimmt die Gans eine Sonderstellung ein unter den Geflügelarten – und doch landen die am Ende in der Backröhre. „Dafür sind sie ja auch da“, sagt Flaig vom öko-zertifizierten Geflügelhof Raden.

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21. Dezember 2010, 10:51 Uhr

Wie schön können doch die Gänse schnattern, mit ihren Schnäbeln die Luft zerschneiden und dabei mit dem Hintern wackeln. Weiß ist ihre Federpracht und namhaft die Märchen, die sich um sie ranken. In die "Weihnachtsgans Auguste", in der "Goldenen Gans" oder "Der Fuchs und die Gänse". Zweifellos nimmt die Gans eine Sonderstellung ein unter den Geflügelarten - und doch landen die großen Kompakten am Ende in der Backröhre. "Dafür sind sie ja auch da", sagt Manfred Flaig (43) vom öko-zertifizierten Geflügelhof Raden, wo derzeit einer Gans nach der anderen der Garaus gemacht wird, denn die Leute stehen an, wollen ihren Braten. Flaig: "Das geht schon Anfang November los."

Sieben Monate sieht das Leben der 300 hofeigenen Schlachtgänse - dazu kommen 500 Zuchtgänse - einerlei aus. Jeden Morgen raus auf die grüne Wiese und abends wieder in den sicheren Stall aufs Stroh. Der Fuchs soll schließlich keine Beute machen. Mit der einziehenden Kälte sind die Tage der Schnatternden aber dennoch gezählt. Dann werden sie in Kisten gepackt und treten ihre letzte Fahrt in das Schlachthaus auf dem Hof an.

Hier hat sich in diesem Jahr einiges geändert. Die Gesetze aus Brüssel wollten es so, fordern von den Geflügelhöfen eine möglichst schonende Schlachtung und vielerlei Hygienevorkehrungen. Edelstahl, besondere Böden, vor allem aber einen elektrischen Betäuber. Manfred Flaig und seine Frau Karola Pieper (51) haben für alles gesorgt, sind nunmehr EU-zertifiziert.

Die letzten Minuten der Gänse beginnen jetzt damit, dass sie kopfüber an ihren Beinen aufgehängt werden. Das gefällt ihnen nicht, sie schlagen ihre Flügel und meckern. "Ist ja klar, sie kennen es nicht, beruhigen sich aber gleich", sagt Karola Pieper, und sie hat recht. Sind die Tiere still, fahren sie mit dem Kopf durch ein elektrisch aufgeladenes Wasserbad. Die Gänse sind betäubt und verlieren durch einen Messerschnitt ihren Kopf, bluten aus, werden kurz gebrüht, kommen in die Rupfmaschine und werden per Hand nachgerupft. Dann gehts ins Wachsbad, es folgt eine kurze Abkühlung im Wasser - und mit der per Hand abgezogenen Wachspelle verschwinden die letzten Federkiele. Dann wiederum mit den Beinen am Schlachtband hängend, fahren sie in den nächsten Raum und werden ausgenommen und gewaschen. "Keine Gans berührt die andere, das soll so sein", sagt Manfred Flaig. Zum Schluss die Fahrt in den Kühlraum und schließlich die Fleischbeschau. Dann schon kommt der Kunde. Die Tiere werden eingetütet und landen spätestens zum Weihnachtsfest braun gebraten und wohl angerichtet neben Rotkohl, Grünkohl und Kartoffeln auf heimischen Tellern.

Selbst Manfred Flaig und Karola Pieper ist das Geflügel nicht über. Der Hausherr freue sich schon wieder auf den Gänsebraten, "keine Ahnung, wie der gebraten wird, aber er schmeckt toll". Die Ente im Übrigen stehle der Weihnachtsgans ein wenig die Show. "Die Familien sind klein, da reicht eine Ente, außerdem sind die ja auch günstiger", sagt Manfred Flaig, auf dessen Hof in diesem Jahr deswegen auch 1500 Enten groß gewachsen sind. Auch die müssen geschlachtet werden. Dazu kommt die Lohnschlachterei - im Schlachthaus ist voller Betrieb. Aushilfen stellen sicher, dass auch alle Arbeit geschafft wird. Dass die Muladenenten, Hausenten, Flugenten, Pommerngänse und Dänengänse ihre letzte Reise recht schnell hinter sich haben.

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