„Ich liebe Angela Merkel“ - Sarkozys Geständnis

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01. Mai 2008, 04:08 Uhr

Nach einer heißen Liebesbekundung an Kanzlerin Angela Merkel (CDU) kam für den französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy die kalte Dusche: Auf dem Rückweg von der Verleihung des Karlspreises wurde er am Donnerstag in der Nähe des Aachener Rathauses von einem kräftigen Hagelschauer erwischt und eilte mit wenig freundlicher Miene unter dem Regenschirm zu seinem Auto.

Durchaus mit Spannung hatte man in Frankreich und Deutschland auf die Begegnung zwischen Sarkozy und Merkel im Krönungssaal des Aachener Rathauses gewartet: Sollte doch Sarkozy in seiner Laudatio Merkel für etwas loben, das er sich selbst - zumindest kurzzeitig - auf seine Fahnen geheftet hatte. Das Karlspreis-Direktorium würdigte Merkel vor allem für ihren „herausragenden Beitrag“ zur Überwindung der EU-Verfassungskrise und damit für den Durchbruch zum europäischen Grundlagenvertrag.

Für Sarkozy wurde die Karlspreis-Verleihung zur Stunde des öffentlichen Bekenntnisses. Aber was Merkel und Sarkozy bei der Rede des Oberbürgermeisters Jürgen Linden (SPD) zu tuscheln hatten, wird wohl ihr kleines Geheimnis bleiben.

Der französische Präsident hatte eine Rede vorbereitet, die kurz vor seinem Auftritt auch schon im Internet veröffentlicht war. Offensichtlich aus einer Bauchentscheidung heraus ließ er sie jedoch kurzerhand in der Tasche und hob zu einer emotionalen Freundschafts- und Sympathie-Bekundung an, wie sie wohl kaum eine Karlspreis- Gesellschaft jemals gehört hat. Sie gipfelte in dem Bekenntnis: „Ich liebe Angela Merkel.“ Der Bundeskanzlerin war nicht anzusehen, was sie davon hielt.
Sarkozys Alleingang zur Gründung einer Mittelmeerunion war in Berlin auf wenig Begeisterung gestoßen. Doch in Aachen versicherte Sarkozy wortreich, es sei ein Glück für ihn, mit Merkel „Hand in Hand“ zusammenzuarbeiten. „Angela Merkel und ich, wir sind ein harmonisches Paar.“ Und mit Blick auf Merkels Ehemann Joachim Sauer frotzelte er: In zwölf Monaten habe er die deutsche Regierungschefin zwölfmal gesehen. Sauer konnte herzlich darüber lachen.

Nach den Irritationen in den letzten Monaten war das ein sehr eigenwilliges Bekenntnis zur deutsch-französischen Freundschaft. Dass in der jüngeren Vergangenheit nicht alles im Lot war, ließ der französische Staatspräsident auch durchblicken. „Zwischen Deutschland und Frankreich ist es so: Wenn man sich streitet ist es anders als bei anderen.“ Er erinnerte an die bisweilen leidvolle Geschichte beider Länder, an die Kriege, die sie gegeneinander geführt haben. „Einen Graben zwischen Deutschland und Frankreich darf es nicht geben.“ Er sei im Namen Frankreichs gekommen, „um zu sagen, dass Deutschland unser Freund ist“.

Merkels Antwort geriet daran gemessen fast ein wenig diplomatisch trocken: Frankreich habe Deutschland bei seiner EU- Ratspräsidentschaft unterstützt. Deutschland werde auch Frankreich bei seiner am 1. Juli beginnenden Ratspräsidentschaft unterstützen.

Europa machte Merkel mit einem ungewöhnlich großen Aufgebot an Polit-Prominenz seine Aufwartung. Die Staats- und Regierungschefs aus den Niederlanden, Belgien, Spanien und Luxemburg waren gekommen, dazu 17 Botschafter. Unter den zehn Karlspreis-Trägern waren der EU- Chefdiplomat Javier Solana und der spanische König Juan Carlos.

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