„Ich lasse mich nicht rauswerfen“

Seit dem 21. Juli verhandeln Juristen der Stadt mit der Anwältin von Steffen Piontek über eine vorzeitige Auflösung seines Vertrages. In der gleichen Woche verlängert der Generalintendant mindestens vier Verträge von Mitarbeitern, unter anderem mit seiner Ehefrau, durch seine  Unterschrift.  Darüber hinaus wird ein Dirigent verpflichtet. Die Verträge werden allerdings nicht wirksam, weil der Verwaltungsdirektor nicht gegenzeichnet. Einen Tag später unterschreibt Piontek seinen Auflösungsvertrag.
Seit dem 21. Juli verhandeln Juristen der Stadt mit der Anwältin von Steffen Piontek über eine vorzeitige Auflösung seines Vertrages. In der gleichen Woche verlängert der Generalintendant mindestens vier Verträge von Mitarbeitern, unter anderem mit seiner Ehefrau, durch seine Unterschrift. Darüber hinaus wird ein Dirigent verpflichtet. Die Verträge werden allerdings nicht wirksam, weil der Verwaltungsdirektor nicht gegenzeichnet. Einen Tag später unterschreibt Piontek seinen Auflösungsvertrag.

Generalintendant Steffen Piontek wurde fristlos gekündigt. Rathauschef Roland Methling hat dabei die Rückendeckung der meisten Fraktionen. Derweil verteidigt Piontek die Vertragsverlängerungen, die den Stein ins Rollen brachten.

von
11. August 2008, 07:35 Uhr

Rostock - Das Sommertheater um Generalintendant Steffen Piontek endet in einem Schlussakt mit Pauken und Trompeten. Während noch vor wenigen Tagen eine „gütliche Einigung“ im Raum stand, die dem Theaterchef den Abschied mit einer Abfindung in Höhe von 300 000 Euro versüßt hätte ist inzwischen die fristlose Kündigung ausgesprochen worden.

„Ich lasse mich nicht fristlos rauswerfen“, kontert nun Piontek. Hintergrund: Der Generalintendant hat Verträge von vier hochrangigen Mitarbeitern teilweise um bis zu fünf Jahre Jahre verlängert – auch den von seiner Ehefrau und Dramaturgin Juliane Piontek.

Die Unterschrift unter die neuen Anstellungsverträge kamen in der Woche aufs Papier, als der Intendant bereits über Anwälte einen Auflösungsvertrag mit der Stadt verhandelte.
Den Vorwurf von Vetternwirtschaft, Abschiedsgeschenken und der juristisch relevanten Vorteilsgewährung will Piontek allerdings nicht gelten lassen. „Die Gespräche zu den Vertragsverhandlungen führte ich bereits im Mai und im Juni“, rechtfertigt sich der Generalintendant. Damals habe er noch keinen Gedanken an einen Abtritt verschwendet. Das Angebot zur vorzeitigen Auflösung seines Vertrages sei sehr kurzfristig und für ihn sehr überraschend gekommen, verteidigt sich Piontek.

OB unterzeichnet Kündigung
Einen Kündigungsgrund will der streitbare Theaterchef in dem Vorgang nicht sehen. „Immerhin sind die Verträge nicht in Kraft getreten.“ Denn dazu hätte es neben der Unterschrift von Piontek und des jeweiligen Mitarbeiters auch des Autogramms von Verwaltungsdirektor Klaus-Dieter Hagen bedurft. Dieser verweigerte.

Für Oberbürgermeister Roland Methling reichte allein der Versuch, um die fristlose Kündigung in den Weg zu leiten. Die Kündigung steht allerdings unter dem Vorbehalt des Hauptausschusses, der am 26. August tagt. Die Unterstützung ist Methling allerdings sicher.

Von einem skandalösen Vorgang spricht CDU-Chef Dieter Schörken. Durch dieses Agieren habe Piontek selbst eine Steilvorlage für seine Kündigung geliefert. SPD-Fraktionschef Rainer Albrecht fordert Methling sogar öffentlich zum Handeln auf: „Der Oberbürgermeister ist geheißen, alle rechtlichen Mittel auszuschöpfen.“ Neben der Dreier-Kooperation gesellt sich auch die FDP in die Reihe der scharfen Piontek-Kritiker. „Wir werden die Kündigung im vollen Umfang unterstützen“, sagt Fraktionsführer Norbert Ulfig.

Nachspiel vor Arbeitsgericht
Rückendeckung bekommt Piontek nach wie vor von der Linken und dem Rostocker Bund. Die Kündigungsgründe seien haltlos, betont Sybille Bachmann. Piontek habe nach wie vor die Personalhoheit für sein Haus. Mit diesem Argument will Piontek für den Fall der Fälle auch vor ein Arbeitsgericht ziehen. „Das behalte ich mir vor.“

Der Fall Piontek wird noch lange für ein Nachspiel sorgen, aber auch die Stadtverwaltung kommt aus dem Theaterstreit nicht unbeschadet heraus. Die SPD fordert eine Revision, will klären lassen, warum der Intendant seiner Ehefrau mit einem hoch dotierten Vertrag ausstatten kann. Fraktionschef Albrecht: „Wo bleibt da die Aufsicht?“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen