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Berufsverkehr in Schwerins autofreier Innenstadt : Hupkonzert in der Fußgängerzone

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Ein ganz normaler Morgen in Schwerins Fußgängerzone: Ein penetranter Hupton ertönt, als ein Lieferwagen in der Schlossstraße rückwärts fährt. Motorhaube an Motorhaube mit einem weiteren Lkw.

svz.de von
erstellt am 02.Aug.2013 | 07:39 Uhr

Altstadt | Morgens sieben Uhr in Schwerin: "Tut, tut, tut" - ein penetranter Hupton ertönt, als ein Lieferwagen in der Schlossstraße vor dem Café Prag rückwärts fährt. Motorhaube an Motorhaube mit einem weiteren Lkw, der ihn unsichtbar zu schieben scheint. Es ist ein ganz normaler Morgen in der Fußgängerzone. Es ist eng und die autofreie Innenstadt voll gestopft mit Fahrzeugen. So viele, dass sie zeitweise nicht vor noch zurück können. Ausnahmezustand? Sechs Tage in der Woche herrscht in der Fußgängerzone Berufsverkehr. So früh sind noch kaum Fußgänger auf den Beinen. Dafür schieben sich die Besenfahrzeuge der Straßenreinigung montags bis sonnabends brummend über das Kopfsteinpflaster. Durch die Puschkin- in die Schlossstraße, hin und zurück, und weiter hoch in die Mecklenburgstraße. Dort löst gegen halb acht Stille die Motorengeräusche ab: Kaffeepause. Die Straßenreiniger der SDS-Stadtwirtschaftlichen Dienstleistungen stärken sich mit Brötchen und Kaffee beim Bäcker.

Unterdessen biegen immer mehr Fahrzeuge in die Mecklenburgstraße ein. Sie suchen Parkplätze. Es sind nicht nur Lieferwagen. Auch Privatautos halten vor der Commerzbank, weil ihre Insassen zum Geldautomaten oder "schnell noch etwas erledigen" müssen. Familienautos kreuzen den Marienplatz im Wechsel mit Taxis, parken zum Teil in Reih’ und Glied mit Lieferwagen und Baumaschinen. Zwischen 8 und 10 Uhr werden die Schweriner Fußgängerzone und der frisch sanierte Marienplatz zur Hauptverkehrsstraße. Dabei handelt es sich auch bei Schwerins zentralsten Platz "um eine Fußgängerzone", wie Baudezernent Dr. Wolfram Friedersdorff in der Vergangenheit bis heute immer wieder betont. Wer künftig unberechtigt über den Marienplatz fährt, soll bald zur Kasse gebeten werden. Die Stadtverwaltung möchte an den Zufahrten zum Platz von der Wismarschen Straße und der Goethestraße jeweils einen stationären Bitzer aufstellen. Die Frage, wie der Durchgangsverkehr auf dem Marienplatz gestoppt werden kann, treibt die Stadtplaner schon seit einer ganzen Weile um.

Schon viel länger drängen die Anwohner der Altstadt darauf, die Poller, die den Durchgangsverkehr nach 10 Uhr aus der Fußgängerzone heraushalten sollen, auch zu schließen. Immer wieder machen sie ihrem Ärger vor den Stadtpolitikern im Rathaus Luft. Passiert ist bislang wenig. Der Poller auf dem Schlachtermarkt ist seit Wochen geschlossen, um den dortigen Durchgangsverkehr lahm zulegen. Dagegen schlängeln sich Autofahrer auch tagsüber um Passanten auf dem Markt herum, über den oberen Teil der Puschkinstraße und vereinzelt auch über den Marienplatz - vorbei an der Polizeiwache an der Helenenstraße neben der Sparkassenfiliale. Viele Fahrzeuge sind dabei nicht nur mit Schrittgeschwindigkeit unterwegs. Vor allem morgens geben die Autofahrer in der Fußgängerzone Gas, lassen ihre Motoren oder ihr Autoradio laufen und hupen sich den Weg frei. Montags bis sonnabends bis 10 Uhr, dann muss der Lieferverkehr die Innenstadt der Landeshauptstadt verlassen und den Fußgängern die Altstadt überlassen. Auch die brummenden Straßenfeger der SDS haben ihre Arbeit bis dahin geschafft und die Innenstadt herausgeputzt.

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