Plakette bescheinigt Sozialverträglichkeit : Hundehalter machen Führerschein

Tierarzt Dr. Hans Arenhoevel  vom Schweriner Hundesportverein  wird mit seinem Zwergschnauzer 'Bosse'  vorführen, wie Erste Hilfe bei verletzten Vierbeinern geleistet wird. Bert Schüttpelz
Tierarzt Dr. Hans Arenhoevel vom Schweriner Hundesportverein wird mit seinem Zwergschnauzer "Bosse" vorführen, wie Erste Hilfe bei verletzten Vierbeinern geleistet wird. Bert Schüttpelz

Der richtige Umgang mit dem Vierbeiner will gelernt sein. In Schwerin können nun Herrchen und Frauchen einen Hundeführerschein absolvieren. Nach etwa zwölf Wochen Training folgt die große Prüfung.

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07. Mai 2013, 10:41 Uhr

"Mein Hund tut nix, der ist ganz friedlich." Doch plötzlich macht er knurr und schnapp - und schon ist das Drama groß. Davon kann nicht nur TV-Hundeflüsterer Martin Rütter erzählen, das haben auch die meisten Hundebesitzer schon erlebt. Selbst wenn das Tier nicht richtig gebissen hat, so ist die Situation für alle Beteiligten doch unangenehm.

Kann so etwas vermieden werden? Hundetrainer Dr. Hans Arenhoevel vom Schweriner Hundesportverein, Leistungsrichter im Deutschen Verband der Gebrauchshundesportvereine, ist der Meinung, dass jeder Hundehalter etwas dafür tun kann, dass solche unangenehmen oder gefährlichen Vorfälle nicht passieren. "Soziale Kompetenz" nennt er das und bezieht das ausdrücklich auf Mensch und Tier. Um die zu erreichen, soll nun ein spezieller Kurs angeboten werden, der zur Erlangung eines Hundeführerscheins führt. Eine entsprechende Plakette am Halsband soll ausweisen: Dieser Hund ist sozial verträglich.

"Die Idee dafür ist vom Autoführerschein abgeleitet", erklärt Dr. Arenhoevel. Beim Schweriner Hundesportverein wird ein Lehrgang durchgeführt, der Tier und Herrchen oder Frauchen auf alle möglichen Alltagssituationen vorbereitet. Er ist für zehn bis zwölf Wochen konzipiert, enthält einen Theorieteil und einen praktischen. Am Ende wird eine Prüfung abgelegt, bei der dem Hund seine soziale Kompetenz bescheinigt wird. Zudem ist noch ein Kurs für Erste Hilfe bei Tieren geplant.

Den Unterricht übernehmen die Schweriner Agility-Trainerin Christina Nagel, Hundetrainer Ralph Ballhorn und der lizensierte Ausbilder Dr. Hans Arenhoevel. Vermittelt werden Grundwissen über die Hundehaltung, Informationen über die Landeshundeverordnung und das Tierschutzgesetz sowie spezielles Fachwissen, das dann auch trainiert wird. Dazu gehören die Grundkommandos wie "Sitz", "Platz", "Komm her" oder "Aus", dann die Leinenführung, das Ablegen aus der Bewegung und Ablegen unter Ablenkung. Geübt wird die Begegnung mit fremden Leuten, speziell mit alten Menschen und Kindern, mit anderen Hunden, mit Radfahrern, Joggern, Skatern und Nordic Walkern. Zudem sollen die Tiere an das Verhalten im Straßenverkehr herangeführt werden. Unterrichtet wird einmal wöchentlich für zwei Stunden im Gebäude des Hundesportvereins in Neumühle hinter der Tierklinik, geübt wird auf dem dortigen Trainingsgelände sowie in der Stadt. "Es gibt Hausaufgaben auf, die auch überprüft werden", sagt Arenhoevel schmunzelnd. Die bestandene Abschlussprüfung wird zertifiziert, der Hund bekommt eine Plakette für sein Halsband, das ihn sichtbar als sozialverträgliches Tier ausweist.

Der Lehrgang zum Hundeführerschein ist für prinzipiell für alle Hunde geeignet, kleine und große, Jagd- und Gebrauchshunde, es sei denn, sie sind verhaltensauffällig, was gegebenenfalls die Experten nach einer Vorstellung beurteilen. Die Tiere sollten mindestens zwölf Monate alt und gesund sein. Der Impfausweis ist vorzulegen, eine Hundehaftpflichtversicherung ist sinnvoll. Interessierte Halter, die mindestens 16 Jahre als sind, können sich per E-Mail beim Hundesportverein anmelden oder direkt bei Dr. Arenhoevel unter Telefon 03861-303631.

Der Schweriner Hundesportverein hat auf seiner Jahreshauptversammlung außerdem noch die Durchführung eines weiteren Kurses beschlossen: eines Erste-Hilfe-Lehrgangs für Hundehalter. Vermittelt wird dabei ebenfalls sowohl Theorie als auch Praxis. Der promovierte Tierarzt Dr. Arenhoevel als Kursleiter wird dafür seinen Zwergschnauzer "Bosse" und seine Riesenschnauzer-Dame "Kim" mitbringen, an denen einfache Sachen wie das Puls-, Temperatur- und Atemfrequenzmessen, aber auch schwierigere wie Herzdruckmassage, das Anlegen von Verbänden, das Schienen von Brüchen, der richtige Transport bei Wirbelsäulenverletzungen und vieles mehr gelernt werden kann. Der Tierarzt gibt Tipps, wie man sich in Extremsituationen verhalten sollte und wie man sich als Halter selbst schützt. Für Besitzer größerer Tiere ist außerdem Wissen über Magenpunktion wichtig. Der Erste-Hilfe-Kurs ist für den 1. Juni geplant. Er soll von 10 bis 15 Uhr im Vereinshaus in Neumühle stattfinden.

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