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Hamburger Rettungshundestaffel fand in Sternberg ihr Übungsgelände : Hunde-Party nach erfolgreicher Suche

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Bis zu vier Helfer verstecken sich im Waldstück am Sternberger See. Nun schlägt die große Stunde der Hundeführer und ihrer Vierbeiner. Sie stürmen in die angegebene Richtung.

Sternberger Burg | Zwei bis vier Helfer verstecken sich in dem Waldstück am Sternberger See. Nun schlägt die große Stunde der Hundeführer und ihrer Vierbeiner. Diese stürmen auf Kommando in die angegebene Richtung. Das ist der Unterschied zu Filmszenen, bei denen das Gelände in breiter Reihe durchkämmt wird, um eine bestimmte Person, von der eine Geruchsprobe vorliegt, aufzuspüren, erklärt Hundeführerin Inga Pingel. So genannte Flächensuchhunde dagegen werden nicht an der Leine geführt, sondern laufen frei und sollen die allgemeine menschliche Witterung aufnehmen. Bei Erfolg verbellen sie, wie es in der Fachsprache heißt, den Fundort so lange, bis die Hundeführer zur Stelle sind. Ein Flächensuchhund ersetzt rund 50 Menschen bei einer Suchkette, sagt Inga Pingel. Wurde die gesuchte Person entdeckt, ist "große Party" angesagt, erzählt die junge Frau lachend. Die Hunde bekommen besonderes Futter oder ihr Lieblingsspielzeug. "Das ist ihre Motivation zu suchen."

Training in Wald, Kiesgrube und Abrissgebäude

Inga Pingel ist stellvertretende Leiterin der Rettungshundestaffel des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) Hamburg-Eimsbüttel. Bis gestern trainierten eine Woche lang 15 Frauen und Männer mit ihren 17 Vierbeinern, quer durch die Bank vom Belgischen Schäferhund über Labrador und Ridgeback bis zum Mischling, im Sternberger Seenland. "Von

uns hatte jemand im Fernsehen einen

Bericht über das Kanu-Camp gesehen. Das gefiel uns gleich, alles ist so liebevoll angelegt. Deshalb haben wir angefragt, ob wir mit so vielen Hunden kommen können. Das ist keineswegs selbstverständlich", so Inga Pingel. "Alle von uns sind begeistert, wie wir aufgenommen wurden, und das Übungsgelände in der Umgebung ist echt gut. Wir bekamen Tipps, konnten auch in einem Abriss gebäude und in einer Kiesgrube vom Tief- und Straßenbau Brüel üben", freut sich die stellvertretende Staffelleiterin.

Alle im Team arbeiten ehrenamtlich, kommen aus verschiedensten Berufen wie Krankenschwester, Tierarzthelferin, Büroangestellte oder Beamte. Inga Pingel, seit acht Jahren dabei, ist in der Reisebranche selbstständig tätig. "Einige haben Familie, da gehört viel Toleranz dazu." Zweimal pro Woche wird trainiert. Um die Grundausbildung der Hunde, die privat gehalten werden, kümmert sich jeder selbst, dann folgt das eigent liche Training. Führer von Rettungshunden müssen Karte und Kompass, BOS-Funk, Erste Hilfe "und ganz viel Theorie" beherrschen. Bis zur ersten Prüfung des Teams - Mensch und Hund gemeinsam - vergehen zwei Jahre. Zur Staffel gehören derzeit sieben geprüfte Flächensuchhunde und ein Trümmersuchhund, die anderen gelten als Nachwuchs.

"Unsere Truppe versteht sich super, jeder kann sich auf den anderen verlassen. So macht das richtig Spaß, bei allem ernsten Hintergrund. Dass es um Menschenleben geht, wird uns manchmal erst bewusst, wenn wir mit Blaulicht rausfahren", sagt die 36-Jährige. Die Staffel werde von Polizei oder Feuerwehr angefordert, um nach Vermissten zu

suchen. Ältere Leute, die demenzkrank sind, Kinder oder Pilzsammler, die sich verlaufen haben, Läufer, die sich im Wald verletzt haben. Vorige Woche konnte die Staffel helfen, einen Suizid zu verhindern. Ihr Einsatz erstreckt sich meist im Umkreis von Hamburg, einmal aber auch schon bis in die Nähe Wismars.

Häufig würden Vermisste nicht dort entdeckt, wo sie vermutet wurden. "Haben wir ein Waldstück ohne Erfolg abgesucht, melden wir das an die Polizei. Das ist eine große Verantwortung, weil dieses Gelände dann freigegeben wird und die Suche woanders weiter geht. Mitunter stellt sich heraus, dass das gesuchte Kind bei einem Freund war. Das zu erfahren, ist uns aber viel lieber als eine grausige Entdeckung im Wald zu machen", sagt Inga Pingel. Für die Betroffenen sei der Einsatz der Hundestaffel kostenfrei, manche bedankten sich jedoch mit einer Spende.

Wolfgang Klein, Betreiber des Kanu-Camps in Sternberger Burg, fand den ungewöhnlichen Besuch auch "sehr interessant". Am ersten Tag sei er angesichts der großen Schar von Hunden noch etwas skeptisch gewesen. "Aber die waren alle so lieb und artig, wie sich das für Rettungshunde gehört. Die Tagesgäste kamen mit ihnen überhaupt nicht ins Gehege", so Klein. Auch Hofhündin "Heike" habe sich bestens mit dem Besuch verstanden.

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erstellt am 17.Jun.2011 | 06:21 Uhr

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