Hund in Wallanlagen „entsorgt“

Peter Urban hofft, dass er für den aufgepäppelten Schäferhund (Mix) nun bald ein neues Zuhause findet. Foto:Wolfried Pätzold
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Peter Urban hofft, dass er für den aufgepäppelten Schäferhund (Mix) nun bald ein neues Zuhause findet. Foto:Wolfried Pätzold

Das gab es bislang in der Kreisstadt noch nicht: Alleine im Monat September mussten in der städtischen Tierauffangstation Kiekindemark zwölf Fundhunde aufgenommen werden. Für einige der Vierbeiner wird dringend ein neues Zuhause gesucht.

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25. September 2008, 11:37 Uhr

Parchim - Die Geschichte ist kaum zu glauben: Vor rund vier Wochen machten sich Manuela Schulte und Thomas Lenth auf zu einem Spaziergang in die Wallanlagen. Dabei hatten sie auch ihren eigenen Hund. Plötzlich hörten sie das Jaulen eines fremden Schäferhundes, der an einem Baum angebunden war. „Er hat uns zwar Leid getan, aber wir haben angenommen, dass der Besitzer gleich wiederkommt“, erinnert sich der junge Mann, der in der Nähe wohnt. Doch der Hund wollte ihnen nicht aus dem Sinn gehen. Am Abend haben sie noch einmal nachgeschaut und das arme Tier kauerte angeleint noch immer am Baum. „Wir haben ihn mitgenommen und ihm erst einmal etwas zu fressen gegeben. Das Tier sah wirklich schlimm aus“, so Thomas Lenth.

Asyl in Tierauffangstation gefunden
Am nächsten Tag hat er die städtische Tierauffangstation in Kiekindemark informiert. „Später habe ich gehört, dass der Hund mindestens drei Tage in den Wallanlagen angeleint verbracht haben muss. Er hat es den aufmerksamen Spaziergängern zu verdanken, dass er überlebt hat“, verschlägt es Peter Urban, der die Parchimer Tierauffangstation seit fünfzehn Jahren betreut, noch immer fast die Sprache. Einen Monat später ist der Vierbeiner, ein vierjähriger Schäferhund-Mix-Rüde, nicht wiederzuerkennen. „Es ist ein sehr ruhiger und sehr gehorsamer Vierbeiner, der aber auch als Wachhund gute Dienste leistet. Er würde sich als Hofhund in einer Familie oder auch bei älteren Leuten wohl fühlen“, ist sich der Experte sicher.

Nach vier Wochen Aufenthalt in einer Box der Tierauffangstation sucht Peter Urban dringend nach einem neuen Zuhause für den aufgepäppelten Schäferhund, der in den Wallanlagen womöglich auf grausame Art und Weise „entsorgt“ werden sollte.

Alleine im September musste die Tierauffangstation zwölf Fundhunde und damit so viele Tiere in einem Monat wie noch nie aufnehmen. „Die dramatische Entwicklung ist besorgniserregend. Es ist unglaublich wie manche Zeitgenossen mit Tieren umgehen“, empört sich Peter Urban. Umso dankbarer ist er Mitmenschen, die ihn unterstützen. So stellt Fleischer Pöcker beispielsweise Fleischreste, die mit einem Spezialdämpfer zu Futter verarbeitet werden, kostenlos zur Verfügung.

Mit Chip den Hund identifizieren

Am Gut Parchim wurde am Sonntagnachmittag ein herrenloser Dackel gefunden. Das Tier trägt ein Brustgeschirr, aber leider keine Steuermarke, und ist sehr gepflegt. „Er dürfte ausgebüchst sein und ich hoffe, dass sich die Besitzer schnell bei uns melden“, sagt Peter Urban. Schwieriger dürfte dies für einen Spitz-Mischling werden, der bei der Polizei abgegeben wurde und seit Wochen in Kiekindemark versorgt wird. Peter Urban ist darauf angewiesen, dass sich Tierfreunde melden, die einem der Hunde ein neues Zuhause geben, denn die zehn Plätze sind schnell vergeben.

Vieles wäre einfacher, wenn Hunde vom Tierarzt mit einem Chip ausgestattet würden. Dieser kann mit einem Spezialgerät gelesen und damit der Eigentümer identifiziert werden. Vor wenigen Tagen konnten so zwei an der Autobahn entlaufene Hunde in nur anderthalb Stunden zur großen Freude der Berliner Eigentümer zurückgegeben werden. Die Tierauffangstation ist erreichbar: Tel. 03871/459794

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