Hühner ohne Futter und Wasser

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Was als Chance gedacht war, endete jetzt in einem Fiasko. Einem Geflügelhalter mussten die Tiere weggenommen werden. Nachbarn hatten das Veterinäramt eingeschaltet. Aus dem Verein wird er auch ausgeschlossen.

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06. Mai 2008, 07:07 Uhr

Wittenberge - Willfried Lattorff ist maßlos enttäuscht. Der Vorsitzende des Rassegeflügelzuchtvereins Wittenberge und Umgebung von 1889 hatte sich vor drei Jahren selbst mit dafür eingesetzt, dass ein Mann in der Anlage im Waldfrieden eine Parzelle mit Stallmöglichkeiten erhielt, der eigentlich „als nicht gerade zuverlässig galt. Aber wir wollten ihm eine Chance geben“, erzählt Lattorff.

Zuerst sah auch alles recht gut aus, der Mann hielt Hühner und Enten. Doch dann schien er zunehmend finanzielle Probleme zu bekommen, „zuletzt hat ihm wohl kein Futtermittelhändler mehr etwas gegeben“, mutmaßt Lattorff. Der Verein wollte dem deshalb auch ein Ende setzen. „Vor drei Wochen schon hat er von unserem Anlage-Obmann die Aufforderung erhalten, seine Parzelle bis zum 7. Mai ordnungsgemäß zu räumen und die Tiere abzuschaffen“, erklärt der Vorsitzende.

Doch passiert ist nichts, unmittelbare Parzellennachbarn wurden stutzig, als sie plötzlich keine Tiere mehr im Freigehege sahen, und erstatteten Anzeige beim Kreisveterinäramt. Birgit Klückmann kam vor Ort, und was sie zu sehen bekam, war mehr als traurig. Knapp 30 Hühner seien im Stall eingesperrt und seit etwa einer Woche unversorgt gewesen, hatten also weder Wasser noch Futter erhalten.

Ein ähnliches Schicksal war den Enten beschieden, beschreibt sie die Situation. Es herrschten schlimme Klimazustände, die ersten Tiere waren verendet. „Wir haben die Tiere erst einmal ’raus gelassen und versorgt“, erzählt Birgit Klückmann. Da der Halter sich dann auch über dass Wochenende nicht blicken ließ, seien die Tiere anderweitig untergebracht worden. „Wer seine Tiere so krass vernachlässigt, sollte künftig keine mehr halten dürfen“, kommentiert die Mitarbeiterin des kreislichen Veterinäramtes die Entscheidung das ein Haltungsverbot für Geflügel angeordnet wurde.

Der Vorstand des Wittenberger Rassegeflügelzuchtvereins hat gestern beschlossen, den Mann wegen Tierquälerei auszuschließen. „Wir werden nun einen Einsatz starten und die Ställe sauber machen und in einen ordentlichen Zustand versetzen“, betont Lattorff, der selbst an besagtem Wochenende die Hühner und Enten fütterte und tränkte.

Der passionierte Geflügelzüchter, der jährlich rund 200 Jungtiere – vor allem Rassehühner der Sorte New Hampshiere – aufzieht, kann einfach nicht verstehen, wie jemand Tiere so leiden lässt. Für den Vorstand sei es eine sehr traurige Erfahrung. Die Schlussfolgerung: Eine solche Chance werde nicht mehr eingeräumt.

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