zur Navigation springen

Hort wehrt sich gegen Stundenkürzung

vom

svz.de von
erstellt am 24.Jun.2010 | 08:52 Uhr

Bützow | Der Bützower Schulhort wehrt sich gegen die geplante Kürzung von 30 Erzieher-Stunden, so wie es das Haushaltskonsolidierungskonzept der Stadt vorsieht. Dadurch sollen im Hort 30 000 Euro jährlich eingespart werden.

"Das geht zu Lasten der Kinder", so Hortleiterin Doris Suhrke vorgestern Abend im Kultur- und Bildungsausschuss der Stadt. Sie sei "zutiefst erschüttert gewesen", bekennt sie, "dass es in der Stadtvertretung den Antrag auf Abbau des Personalbestandes im Hort gab." Denn dies sei einfach untragbar, auch wenn das Geld in der Stadt knapp sei. Natürlich sei dies auch für die Kollegen ein Schlag, die schon jetzt statt 40 nur 30 Stunden wöchentlich arbeiten und bezahlt bekommen und die dann noch mehr Lohneinbußen hinnehmen müssten. Derzeit werden im Hort 160 Kinder von sieben Erzieherinnen und einem Erzieher in acht Gruppen betreu, und so müsse es auch bleiben, so Doris Suhrke. Denn für das nächste Schuljahr seien sogar 164 Kinder angemeldet.

Wie hoch schon jetzt die täglichen Anforderungen und Belastungen für das Team sind, machte Michael Kloß, der einzige Erzieher im Hort, anhand von zum Teil erschreckenden Argumenten deutlich: Als "alarmierend" wertete er, dass sich in den letzten acht Jahren im Hort die Anzahl der Kinder aus sozial schwachen Familien verdoppelt habe. Das betreffe zurzeit 65 Mädchen und Jungen, denen man sich verstärkt widmen müsse. "Das kostet viel Kraft und Zeit", so Kloß.

Zu bedenken sei auch, sagt er, dass im Hort neben den Kindern aus der "Regelschule" auch Förderschüler und Kinder mit dem ADHS-Syndrom (mit einem Aufmerksamkeitsdefizit) betreut werden. Und diese brauchen besondere Zuwendung und Förderung. Was nach Reduzierung der Stundenzahl für Erzieher kaum noch möglich wäre. "Vormittags in der Schule haben die Kinder ideale Rahmenbedingungen in kleinen Gruppen mit bis zu zehn Kindern, und nachmittags wäre es dann für sie das komplette Gegenteil." Man müsste sie in die "Regelgruppen" mit bis zu 20 Kindern eingliedern, was so manches Kind gar nicht verkraften würde.

Darüber hinaus werden im Hort zurzeit u. a. 24 lernschwache Kinder aus Diagnose-Förderklassen und vier Förderschüler betreut.

Schon in den "Regelklassen" gebe es viele "verhaltensauffällige Kinder", so Kloß. Alles das bedeute für die Erzieher "schon jetzt einen immensen Zeitaufwand, der in keinster Weise honoriert wird", sagt er. Da sei es enorm wichtig, wenigstens die jetzige Arbeitszeit von 30 Stunden pro Erzieher und Woche zu belassen. "Man hat sieben Million Euro für die neue Schule ausgegeben und will jetzt an 30 000 Euro sparen", das findet Schulleiterin Suhrke traurig.

Und im Übrigen würden im nächsten Schuljahr sowieso schon 10 000 Euro eingespart, weil eine ältere Kollegin ausscheidet und eine neue Kollegin kommt, die weniger verdient. Um wie viel Geld es überhaupt geht, wisse man auch erst nach den Leistungsverhandlungen mit dem Sozialamt des Landkreises, und diese stehen Mitte Juli an, so Doris Suhrke. Sie warb deshalb dafür, erstmal diese Gespräche abzuwarten, bevor man die Entscheidung über die vorgesehene Kürzung trifft. Dies will der Ausschuss nun auch der Stadtvertretung empfehlen, darin waren sich alle Mitglieder einig. Sein Vorschlag: die Entscheidungsfrist bis zum 30. September zu verlängern.

Auf jeden Fall machten die Ausschussmitglieder klar, dass sie "ganz auf der Seite des Hortes" stünden und dass sie die Probleme vollkommen verstehen. "Wir Ausschussmitglieder stehen dahinter und sagen, eigentlich möchten wir das so beibehalten wie bisher. Wir wollen aber erstmal die Verhandlungen und die genauen Zahlen abwarten", sagt Ausschussvorsitzende Gudrun Lidzba (CDU).

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen