Holzscheit-Architekt soll zurückbauen

Schwer enttäuscht ist Ernst Schönherr. Er soll das Dach seines Mecklenburger Bauernhauses kappen.Malte Behnk
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Schwer enttäuscht ist Ernst Schönherr. Er soll das Dach seines Mecklenburger Bauernhauses kappen.Malte Behnk

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23. Februar 2010, 09:39 Uhr

Bestenrade | Es ist soweit. Ernst Schönherr hat die Auflagen des Bauordnungsamtes des Landkreises für seine Kunstwerke aus Holzscheiten erhalten. Darin steht, seine "künstlerischen baulichen Anlagen" dürfen aufgrund der "baurechtlichen Zulässigkeit" nicht höher als vier Meter sein. Denn ab vier Metern benötigt Ernst Schönherr eine Baugenehmigung, der ein Bauantrag vorausgehen müsste. "Das würde mich rund 1000 Euro kosten", sagt Schönherr und winkt ab.

Kurz gesagt: Der Hochstapler von Bestenrade muss jetzt sein im September fertig gestelltes mecklenburgisches Bauernhaus und wohl auch den Eiffelturm, mit Eintrag im Guinnessbuch, kappen. Etwa die Hälfte des nachgebauten Reetdaches am Bauernhaus, das einem Gebäude aus dem 17. Jahrhundert nachempfunden ist, dass Schönherr auf einer Briefmarke entdeckte, soll weichen. "Und sieben Meter vom Eiffelturm. Dann bin ich bei vier Metern Höhe", sagt Ernst Schönherr, der sich und seinem Umfeld eigentlich nur eine Freude machen will, wenn er Jahr für Jahr an einem neuen Projekt arbeitet und Holzscheite aufeinander stapelt. Einzig bei den Pferden der Quadriga auf dem nachgebauten Brandenburger Tor würden die Behördenmitarbeiter ein halbes Auge zu drücken. Das hätten sie zumindest bei einem Ortstermin so gesagt, meint Schönherr. "Dabei würde ich lieber das Brandenburger Tor abreißen, als an das Mecklenburger Bauernhaus dran zu gehen. Das eine ist nur Berlin, aber das hier ist unsere regionale Geschichte", sagt Schönherr und greift fest nach einem der rot bemalten Holzscheite, die so ineinander verkeilt sind, dass sich nichts rührt. Passieren kann hier nichts, ist sich der Bestenrader sicher. Denn auch darum scheint es bei den Einwänden der Baubehörde zu gehen - um die Standfestigkeit. "Das Haus hat ein festes Fundament, die Holzscheite sind alle um die 30 Zentimeter lang und können so gar nicht aus dem Fachwerk rutschen", sagt Schönherr, der darauf hinweist, dass Bauernhäuser schon seit Jahrhunderten auf diese Weise gebaut würden. "Da ist in den Fächern sogar nur Lehm und Stroh, und es gab keine Gutachter und Fachleute, die die Statik geprüft haben. Aber sie stehen heute noch", was man von vielen modernen Bauten nicht behaupten könne, so Ernst Schönherr.

Von Seiten des Landkreises heißt es, dass die Kreativität von Ernst Schönherr auch dort geschätzt werde. Andererseits habe sich auch jeder noch so einfallsreiche Baumeister an gewisse gesetzliche Vorgaben und Regularien zu halten. Darauf sei auch Schönherr von der Bauordnungsbehörde des Landkreises in der Vergangenheit immer wieder aufmerksam gemacht worden. "Leider vergeblich, obwohl er als Bauherr und Eigentümer für die Sicherheit in der Verantwortung steht. Fakt ist, wenn er seine baulichen Anlagen als Kunstwerke betrachtet wissen will, bedürfen diese bis zu vier Meter Höhe keiner Genehmigung", teilt Pressesprecherin Petra Rappen mit.

Also wird Ernst Schönherr seine Kunst- oder Bauwerke bis zum Sommer verändern. Das hat er dem Landkreis inzwischen zugesagt. Und auch neue Holzscheitkunstwerke werden künftig nicht allzu hoch in den Bestenrader Himmel wachsen. Dann drohen nämlich 150 Euro Strafe. Doch etwas Zeit hat Schönherr noch, denn "die Landrätin duldet ... das vorrübergehende Fortbestehen bis zum 30. Juni 2010".

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