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Neu Lübstorf : Holz als Brennstoff stark nachgefragt

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Reinhard Bildat, sein Bruder Werner und dessen Sohn Robert haben sich an diesem Sonnabend warm angezogen. Sie wollen Holz werben. Das Holz ist unter anderem für die Möbelindustrie bestimmt.

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erstellt am 31.Jan.2011 | 10:36 Uhr

Reinhard Bildat, sein Bruder Werner und dessen Sohn Robert haben sich an diesem Sonnabend warm angezogen. Sie wollen Holz werben. Seit 9 Uhr sind sie in einem Waldstück an der Bundesstraße 106 zwischen Lübstorf und Zickhusen am Werke. "Zum Holzmachen ist das Wetter herrlich, die Sonne scheint, der Boden ist gefroren", meint Reinhard Bildat. Der 54-Jährige wohnt in Neu Lübstorf. In fünf Minuten ist er mit seinem Trecker der Marke Deutz D 25 auf der anderen Straßenseite im Waldstück. Es gehört einem privaten Landwirt, der ein Unternehmen mit dem Fällen von kräftigen Buchen beauftragt hat. Das Holz ist unter anderem für die Möbelindustrie bestimmt. Selbstwerber wie Bildats können in Absprache mit dem Waldbesitzer die Baumkronen für Brennholz aufarbeiten.

"Holz haben wir schon zu DDR-Zeiten geworben. Unser Vater hat uns immer mitgenommen", erzählt Reinhard Bildat. "Nach der Wende haben viele Hausbesitzer ihre Heizung auf Öl oder Gas umgestellt. Wir nicht. Wir nutzen unsere Schwerkraftheizung weiter und heizen jetzt größtenteils mit Holz, mitunter auch mit Kohlen. Das ist für uns immer noch preiswerter als Öl oder Gas."

Während einer Heizperiode verbrauche er im Durchschnitt zwölf Raummeter Brennholz. "Deshalb müssen wir jeden Winter raus und für Nachschub sorgen", sagt der Neu Lübstorfer und betont sogleich: "Es macht ja noch Spaß." Die Holzmenge, die verbraucht wird, muss wieder herangeschafft werden.

Bildats haben alle einen Lehrgang zum Umgang mit der Motorkettensäge besucht. "Die Arbeit im Wald sollte man nicht unterschätzen. Eine gewisse Vorsicht ist schon geboten. Deshalb ist es besser, wenn man über ein paar wichtige Dinge Bescheid weiß", sagt Reinhard Bildat, der als Maschinenfahrer in einem Hamburger Unternehmen beschäftigt ist. Außerdem arbeitet er immer mit seinem Bruder zusammen - zumeist am Wochenende. Und in der Regel helfen die erwachsenen Söhne. Reinhard Bildats Sohn Christian hatte am Sonnabend ein Fußballspiel in Stralendorf. Aber, so meint sein Vater, es sei ja nicht der letzte Einsatz. Solange der Boden gefroren ist, wollen die Neu Lübstorfer die Chance nutzen. Wenn es erst anfängt zu tauen, könne man mit dem Trecker samt Anhänger nicht mehr aufs Feld, sagt Werner Bildat, der ebenfalls mit einem Deutz und Anhänger vorgefahren kam. Die alten Trecker, Mitte der 1960-er Jahre gebaut, haben die beiden nach der Wende gekauft und aufgearbeitet. "Sie haben uns noch nie im Stich gelassen", freut sich Reinhard Bildat. Gleichwohl müsse die alte Technik gewartet und gepflegt werden.

Weil das Wetter für die Holzgewinnung an diesem Sonnabend so günstig ist und sie nicht so viel Zeit verlieren wollen, haben sich Bildats das Mittagessen in den Wald bringen lassen. Das Holz, in Stücken zu 70 Zentimeter gesägt und gespalten, wird zu Hause auf dem Grundstück gelagert, zwei bis drei Jahre, dann erst ofenfertig gesägt. Früher habe er es noch gehackt. Das sei immer eine Heidenarbeit gewesen. Jetzt hilft die Motorsäge, so der 54-Jährige.

Wie die Neu Lübstorfer sind an diesem Sonnabend zahlreiche Selbstwerber in dem Buchenwald an der B 106 zugange. "Die Zahl ist in den letzten Jahren enorm gestiegen", so die Erfahrung von Reinhard Bildat. Denn Brennholz ist sehr begehrt. Solange es auch in Zukunft möglich ist, Holz zu werben und er es körperlich schafft, will er die kalten Wintertage dafür nutzen.

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