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Nach Spaziergang wurde Stafford-Terrier-Mix nicht mehr zurückgebracht : Holthusen: Kampfhund aus Tierpension entführt?

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Zugegeben: Auf den ersten Blick mag Apollo nicht unbedingt Vertrauen erweckend aussehen. In der Tierpension "Kleine Oase" in Holthusen aber mochte ihn jeder. Und jetzt ist der Stafford-Terrier-Mix weg.

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erstellt am 28.Jul.2011 | 04:58 Uhr

Holthusen | Zugegeben: Auf den ersten Blick mag Apollo nicht unbedingt Vertrauen erweckend aussehen. In der Tierpension "Kleine Oase" in Holthusen aber mochte ihn jeder. "Er lebte seit drei Jahren bei uns. Zwischenfälle oder gar Probleme mit ihm gab es nicht", erzählt Doris Schiemann, Leiterin der Tierpension. "Im Prinzip", so sagt sie, "war er eine echte Schmusebacke. Vor allem aber war er unser Maskottchen."

Und jetzt ist der Stafford-Terrier-Mix weg. Die 47-Jährige ist noch immer ganz aufgewühlt, wenn sie davon erzählt: Anfang dieser Woche sei gegen Mittag eine blonde Frau, um die 45 Jahre alt, in die Holthusener Tierpension gekommen. Sie gab vor, im Auftrag des Tierschutzverbandes Schwerin und Umgebung hier zu sein und Apollo ausführen zu wollen. Der anwesende Tierpfleger Michael Weinberg freute sich. Er wusste, dass ein Spaziergang dem Hund gut tun würde. Der Pfleger holte den Hund, machte ihm ein rotes Halsband um und legte eine rote Leine an. So ausstaffiert übergab Weinberg den Hund an die Frau. Zuvor ließ er sich aber noch Namen, Adresse und Telefonnummer geben, wie es hier generell üblich ist.

Nach zwei Stunden, so schilderte der Tierpfleger seiner Chefin später, machte er sich erstmals Gedanken darüber, dass der Spaziergang außergewöhnlich lange dauert. Denn: Apollo ist nicht mehr der Jüngste und zudem krank. Nach mehr als vier Stunden wurde der Tierpfleger unruhig. Aber er wartete noch. Als eine weitere Stunde verging, rief die Chefin der Holthusener Tierpension schließlich beim Tierschutzverein in Schwerin an. Dabei stellte sich heraus, dass die Frau nicht im Auftrag des Vereins unterwegs gewesen war. Man kannte sie nicht. Die Daten, die sie in Holthusen angegeben hatte, stimmten allesamt nicht, erfuhr Doris Schiemann im Nachhinein.

Noch am gleichen Abend erstattete der Tierschutzverein Schwerin in Absprache mit der Tierpension Holthusen Anzeige bei der Polizei. "Wir sind völlig entsetzt", sagt Doris Schiemann, die von einer Entführung des Hundes spricht. "Wer nimmt einen krankenKampfhund mit nach Hause? Das macht doch keiner!"

Für die Mitarbeiter der Tierpension ist das Ganze unverständlich. Schiemann: "Wir haben uns in den vergangenen drei Jahren an Apollo gewöhnt, und er hätte bei uns weiterhin sein Gnadenbrot gekriegt. Wir hätten ihn auch gern vermittelt -wenn ihn jemand hätte haben wollen." Gerade das aber sei in den zurückliegenden Jahren das Problem gewesen. Für den alten und kranken Hund interessierte sich niemand - zumindest bislang. Doris Schiemann weiß warum. "Apollo hat eine schwere Arthrose, muss Medikamente nehmen und braucht unbedingt ein warmes Plätzchen."

Das Schicksal hatte es in der Vergangenheit nicht gut mit dem Tier gemeint. Als neue gesetzliche Regelungen herauskamen, dass Kampfhunde nur unter bestimmten Voraussetzungen gehalten werden dürfen, wurde der Rüde vom Veterinäramt Schwerin beschlagnahmt. Der Grund: Der Halter konnte die gesetzlichen Anforderungen nicht erfüllen. Wer einen Kampfhund halten möchte, muss unter anderem einen Sachkundenachweis vorlegen, der ihm bescheinigt, fähig zu sein, einen solchen Hund überhaupt verantwortungsbewusst zu halten. So kam Apollo zunächst ins Schweriner Tierheim. Zweimal oder gar dreimal wurde er vermittelt. Aber nie dauerhaft. Immer wieder wieder wurde Apollo zurück ins Tierheim gebracht, etwa sieben Jahre lebte er dort.

Vor drei Jahren dann hatte der Tierschutzverein Schwerin und Umgebung vier Hunde in der Tierpension Holthusen untergebracht. Drei waren schnell vermittelt - der vierte, Apollo, war nicht darunter. Doch inzwischen gehört der Vierbeiner mit dem kurzen hellbraunem Fell in der Tierpension zum Inventar. "Er hatte es gut bei uns, er fühlte sich wohl", sagt Doris Schiemann. Sein Hundekorb im Aufenthaltsraum der Mitarbeiter ist jetzt verwaist. Die Tierpensions-Betreiberin möchte ihn wiederhaben. Unbedingt. "Er gehört hierher. Hier ist sein Zuhause." Die Pension setzt eine kleine Belohnung dafür aus, wenn jemand sagen kann, wo sie Apollo findet (Tierpension 03865 -84 43 30).

Vermutungen, was beim Spaziergang passiert sein könnte, hat Doris Schiemann gleich mehrere. Eine sei, dass der Hund die Leine abgeschüttelt hat und weggelaufen ist, der Frau der Vorfall peinlich sein könnte und sie sich deshalb nicht mehr gemeldet hat. "Wenn sie Apollo mit nach Hause nehmen wollte, wäre es gar kein Problem gewesen. Sie hätte ihn haben können - auch ohne Bezahlung. Denn uns allen liegt viel daran, dass Apollo eine gutes Zuhause hat."

Eine Schlussfolgerung hat die Chefin der "Kleinen Oase" Holthusen gezogen: Unbekannte, die sich hier melden und einen Hund ausführen möchten, sollen künftig ein persönliches Dokument hinterlegen.

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