Holter spricht Tacheles mit Fraktion

Helmut Holter
Helmut Holter

Helmut Holter spricht Tacheles: Der neue Links-Fraktionschef im Landtag fordert eine Basiskonferenz seiner Partei. Nach der Schlammschlacht um seine Wahl sagte er unserer Redaktion: "Wir müssen Klärungen herbeiführen." Holter wurde gestern mit nur 8 von 13 Stimmen gewählt.

von
22. April 2009, 07:55 Uhr

Schwerin | "Ich erwarte, dass alle Fraktionsmitglieder sich hinter den gewählten Vorsitzenden stellen", sagte der Linkspolitiker gestern ultimativ gegenüber unserer Zeitung. Er reagierte damit auf das knappe Abstimmungsergebnis in der Linksfraktion und auch auf Vorwürfe seiner ehemaligen Ministerkollegin Marianne Linke in den Vortagen. Diese hatte in einem sehr persönlichen Brief, ihre Genossen eindringlich vor der Wahl Holters gewarnt.

Während der Landesvorstand am Wochenende Holter ausdrücklich den Rücken stärkte, spricht Marianne Linke in neuerlichen Vorwürfen von "Menschen verachtenden Angriffen auf ihre Person" und legte mit ihrer Kritik an Holter nach. "Wir brauchen für Mecklenburg-Vorpommern im Interesse der sozial benachteiligten Menschen eine andere Politik als sie Helmut Holter vertritt", spitzte sie zu.

Dieser reagiert gestern: "Ich halte es für besser, miteinander zu sprechen als Briefe zu schreiben." Holter fordert eine Grundsatzdebatte mit der Parteibasis. Nach der Kommunal- und Europawahl soll eine Basiskonferenz die Partei "fit machen" für die Bundestagswahl. Der neue Fraktionschef gegenüber unserer Zeitung: "Eine Partei ist nur wählbar, wenn sie als Ganzes wahrgenommen wird."

Die hitzige Debatte um die Wahl des ehemaligen Arbeitsministers zum neuen Fraktionsvorsitzenden hielt gestern bis zur eigentlichen Entscheidung an. Marianne Linke sah sich "völlig isoliert", so hart sei die Kritik gewesen, so ein Fraktionsmitglied. Dennoch haben auch Mitglieder der Antikapitalistischen Linken erklärt, dass sie Holter nicht wählen würden. Ein prominentes Mitglied dieser kommunistischen Parteiströmung, Barbara Borchardt, fiel daraufhin bei der Wahl des Fraktionsvizes zweimal durch.

Holter mahnte die Fraktion, sich auf die Auseinandersetzung mit der Regierungskoalition aus SPD und CDU und vor allem mit der rechtsextremistischen NPD zu konzentrieren, statt sich in internen Diskussionen zu zerfleischen. "Die Auseinandersetzung mit der Koalition, die Erlebbarkeit der Linkspolitik und das Thema Arbeit", bezeichnete der neue Fraktionsvorsitzende als Kernpunkte seine Arbeit.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen