Hohen Sprenz Nazi-Lager

So war das Grundstück auch während des Zeltlagers der HDJ abgeschottet. Foto: Hans-Jürgen Kowalzik
So war das Grundstück auch während des Zeltlagers der HDJ abgeschottet. Foto: Hans-Jürgen Kowalzik

In Hohen Sprenz wirkte am Wochenende die Auflösung eines Zeltlagers der rechtsextremistischen Heimattreuen Jugend Deutschlands (HDJ) nahe Neu Mistorf am Freitagabend nach. Die meisten Hohen-Sprenzer zeigen für solche Lager kein Verständnis. Bürgermeister Helmut Otte will ein Zeichen gegen Rechts im Dorf setzen.

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10. August 2008, 07:05 Uhr

Hohen Sprenz/Neu Mistorf - So wie Bürgermeister Helmut Otte zeigten sich die meisten Hohen-Sprenzer überrascht, dass in ihrer Gemeinde auf einem weitläufigen Grundstück nahe Neu Mistorf – das gehört zur Gemeinde Mistorf – eine Woche lang ein Zeltlager der rechtsextremistischen Heimattreuen Deutschen Jugend unbemerkt stattfinden konnte.

Helmut Otte: „Die meisten sind entrüstet, dass schon Kinder und Jugendliche so geschickt mit einer rechten Gesinnung und Lebensweise vertraut gemacht werden. Aber es gibt auch einige, denen so etwas egal ist und einige, die nichts dagegen haben.“ Otte nennt Gründe: Auch Hohen Sprenz sei mit einer zu hohen Arbeitslosigkeit, nur wenigen Zukunftschancen für junge Leute und einer immer knapperen Gemeindekasse ein sozialer Brennpunkt und ein guter Nährboden für rechte Gesinnung.

Umso mehr treibt es Otte, mehr zu unternehmen, dass in der Region etwas passiert. Einige Investoren seien in den vergangenen Jahren jedoch enttäuscht von dannen gezogen, weil es weder für einen Golfplatz noch für eine Wasserski-Bahn aus Naturschutzgründen Chancen gegeben habe. Otte hofft daher auf einen neuen Ministerpräsidenten Sellering, der die unter entwickelten Gebiete stärken will. Aber Otte räumt auch ein, dass man selbst zu wenig getan habe. Lichtblicke sind das bald sanierte Feuerwehrgerätehaus und das Sportlerheim (wir berichteten Sonnabend). Auch einen Gemeindesaal soll es bald wieder geben.

Das Negativ-Ereignis für die Region, das deutschlandweit von den Medien verbreitet wurde, will der Bürgermeister aber auch zum Anlass nehmen, die Gemeindevertretung zusammen zu trommeln. „Wir müssen darüber reden, was da passiert ist und was wir dagegen unternehmen können“, sagt er. Auch mit dem Grundstückseigentümer, der das zugelassen hat, will Otte sprechen. „Wir können ihm so etwas zwar nicht verbieten, aber an seine Vernunft appellieren.“

Zur Erinnerung: Der Landkreis hatte am Freitagabend mit der Polizei das Zeltlager aufgelöst. Einen Tag zuvor war es durchsucht worden. Die Beamten trafen 42 Jungen und Mädchen im Alter zwischen acht und 14 Jahren mit oder ohne Eltern an. Die Jugendlichen trugen einheitliche Uniformen und kamen aus Berlin, Brandenburg, Bayern, Baden-Württemberg, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern. Die Polizei beschlagnahmte Fähnchen mit Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen. Auf einem war das Hakenkreuz. Zudem fand die Polizei zwar nicht verbotene, aber bedenkliche Schriften, die zeigten, dass nationalsozialistisches Gedankengut verbreitet wurde.

Es handelte sich offensichtlich um ein Schulungslager der HDJ, wobei Verhaltensweisen und Lebensformen aus der Zeit des Nationalsozialismus praktiziert wurden, so die Polizei. Die HDJ ist nicht verboten, vertritt jedoch laut Verfassungsschutz ein rechtsextremistisches, am Ideal der „Volksgemeinschaft“ orientiertes Weltbild.

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