Hohe Spritpreise: Diebe schlagen zu

Deutschlands Autofahrern und Spediteuren geht es ans Portmonee: Rekord-Spritpreise, weiter steigende Lkw-Maut, höhere Bußgelder – Staat und Ölkonzerne machen Kasse. Die Spediteure in MV rechnen inzwischen mit einer Pleitewelle in ihrer Branche. Angesichts der Preisexplosion an den Zapfsäulen schlagen auch Kraftstoffdiebe jetzt immer häufiger zu.

von
22. Mai 2008, 06:29 Uhr

Schwerin/Berlin - Sie gehen professionell vor und nehmen vor allem abgelegene Baustellen ins Visier: Nach den rasant gestiegenen Spritpreisen gehen in Mecklenburg-Vorpommern die Kraftstoffdiebe um. Seit Monaten würden sie immer häufiger zuschlagen, erklärte gestern Klaus Wichmann, Sprecher der Schweriner Polizeidirektion. „Der Trend der letzten Jahre hält an.“ Gestohlen werde vor allem Diesel.

Erst vor kurzem seien an der Baustelle zum Lückenschluss der A 14 zwischen Cambs und Jesendorf aus Baumaschinen mehrere hundert Liter geklaut worden. Die Täter oder -gruppen kämen vor allem nachts gut ausgerüstet mit großen Fahrzeugen, Tonnen und Pumpen, um den teuren Sprit abzuzapfen und für sich selbst zu nutzen oder im persönlichen Umfeld zu verkaufen.

Häufig einziger Schutz: Entweder gingen die Firmen dazu über, die Fahrzeuge erst morgens zu betanken, oder sie bauten Alarmanlagen an den Dieseltanks ein, rät die Polizei. Mittlerweile kommen die Beamten den Dieben aber häufiger auf die Spur. Fast jede zweite Straftat werde aufgeklärt, sagte Wichmann.

Spediteure lassen die ersten Lastwagen stehen
Der rasante Preisanstieg an den Tankstellen setzt indes den Spediteuren kräftig zu. Erst gestern waren in MV die Preise für Diesel erneut höher gewesen als für Benzin. Der Ölpreis erreichte eine neue Rekordmarke. Erstmals kostete ein Barrel (159 Liter) in London mehr als 130 Dollar. Die ersten Unternehmen ließen deshalb bereits einzelne Fahrzeuge stehen.

Der Bundesverband Güterkraftverkehr rät Mitgliedern inzwischen: „Lieber stehen als in die Pleite gehen.“ „Das Limit ist überschritten“, sagte Manfred Ruprecht, Präsident des Landesverbandes des Verkehrsgewerbes. Die zusätzlichen Kosten könnten nur noch von den wenigsten Unternehmen weitergereicht werden. „Da gibt es keine Pufferzone mehr“, sagte Verbandsgeschäftsführer Norbert Voigt. Verbraucher müssten mit steigenden Preisen rechnen. Innerhalb eines Jahres seien die Dieselkosten für die rund 1500 Spediteure im Land mit ihren mehreren tausend Fahrzeugen um mehr als 20 Prozent gestiegen, allein in den ersten vier Monaten um elf Prozent.

Zusammen mit dem allgemeinen Kostenanstieg müssten die Unternehmen Mehrbelastungen von 30 Prozent verkraften. Das werde eine Reihe von Unternehmen nicht überleben, sagte Vogt. In der Branche macht sich Frust breit: Proteste seien nicht mehr ausgeschlossen, hieß es.

Höhere Maut, Förderung schadstoffarmer Laster

Pläne der Bundesregierung setzen die Spediteure jetzt noch weiter unter Druck. So soll die Lkw-Maut noch weiter erhöht werden. Zum Ausgleich beschloss das Kabinett gestern, u. a. die Anschaffung von schadstoffarmen Lastwagen mit künftig 185 statt bisher vorgesehenen 100 Millionen Euro zu fördern.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen