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Wirtschaftskrise zwang auch Lübzer Werk zu Kurzarbeit : Hoffnung, dass mehr Glas schmilzt

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Auch am Lager des Lübzer Werkes der Saint-Gobain Isover G+H AG - einer der weltweit größten Hersteller von Dämmstoffen - lässt sich seit Monaten ablesen, dass die Wirtschaft krankt...

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erstellt am 16.Mär.2011 | 11:11 Uhr

Auch am Lager des Lübzer Werkes der Saint-Gobain Isover G+H AG - einer der weltweit größten Hersteller von Dämmstoffen - lässt sich seit Monaten ablesen, dass die Wirtschaft krankt: Es ist und bleibt voll, obwohl dieser Bereich eigentlich nur als für kurze Zeit dienender Puffer gedacht ist. Wenn auf dem Markt alles funktioniert, sind die Räume stets kurz davor, leer zu sein, so dass die Produktion sie kontinuierlich wieder auffüllen muss. "Auch wir haben uns 2010 schwer getan, was sich vor allem darin zeigte, dass immer wieder Kurzarbeit gefahren wurde", sagt Michael Becker, Geschäftsführer eines der umsatzstärksten Unternehmen im Landkreis. Ganz still stand die Produktion im vergangenen Jahr zwischendurch mehrere Male für rund eine Woche, ohne zurückgefahrene Leistung durchproduziert hat das Werk nur in zehn von 12 Monaten.

Völlig ausgeschaltet wurde und wird das Herzstück des Unternehmens - die Glasschmelzwanne - in keiner Phase. "Wenn wir vorübergehend nicht produzieren, senken wir die Temperatur nur so weit, dass das Glas noch schmilzt und wieder zurückfließt, ohne vorher zu einem Produkt verarbeitet zu werden", erklärt Axel Krajewski, Leiter der Qualitätssicherung. "Komplett abgeschaltet wird nicht, weil das Wiederhochfahren der Anlage dann viel zuviel Energie verschlingt und weil solch ein Schritt Gefahren birgt, die sich zum Beispiel im Reißen der Ofensteine wegen des enormen Temperaturwechsels zeigen können."

Durch viel Export nicht allein vom deutschen Markt abhängig

In Lübz steht eines von vier Isover-Werken in Deutschland. Es ist weltweit der einzige Standort, an dem ausschließlich das patentierte Dämmprodukt "Ultimate" - es vereinigt die Vorteile von Glas- und Steinwolle - produziert wird. "Wir sind Gott sei Dank nicht allein vom deutschen Markt abhängig, sondern liefern viel ins Ausland, wo die wirtschaftliche Situation nicht überall gleich schlecht war", so der Geschäftsführer. Großabnehmer von "Ultimate" sind unter anderem Schiffbauunternehmen sowie Hersteller von Solar-, Fernwärme- und Klimaanlagen. Mit der Herstellung von Standardprodukten beschäftigte Schwesterunternehmen des Konzerns in Deutschland könnten ihre Produktion Becker zufolge besser planen: "Extra-Anfragen gibt es dort seltener als bei uns. Die Schwierigkeit besteht zum Beispiel in der Abwägung, die Anlage für einen einzigen Kunden hochzufahren, weil es im Grunde nötig wäre, oder nicht. Die damit verbundenen Kosten ließen solch einen Schritt wirtschaftlich betrachtet kaum zu."

Ruht die Produktion, wird zunächst der Außendienst informiert, der die Nachricht dann an die Großkunden weitergibt. Für etwas Ruhe habe gesorgt, dass die für 2011 abgegebene Prognose eine deutlich bessere Situation erwarten lasse. "Eines meiner Hauptziele ist, alle unsere Beschäftigten - 86 plus Auszubildende - zu behalten", sagt Becker. "Wenn sich die Lage nicht verschlimmert, sehe ich darin kein Problem, zumal sich insgesamt eine Verbesserung ankündigt."

Wegen Gesundheitsgefährdung sind viele Baustoffe in die Kritik geraten. Weder Glas- noch Steinwolle - die in seinem Werk hergestellten Produkte, denen die Beschäftigten naturgemäß täglich noch viel stärker und direkter ausgesetzt sind als die Kunden - stünden auch langfristig gesehen im Verdacht, Krebs auszulösen, so der Geschäftsführer. Unabhängig von dieser wissenschaftlich untermauerten Erkenntnis überwache zusätzlich die Berufsgenossenschaft seit jeher die Situation. Auch sie habe binnen mehrerer Jahrzehnte keinen Zusammenhang zwischen Produkten und Krankheiten feststellen können. Die Verträglichkeit gründe sich vor allem auf die eindeutige Erkenntnis, dass sich eingeatmete Glas- wie auch Steinwollefasern in der Lungenflüssigkeit auflösen. Seit Mitte der neunziger Jahre sei die "Biolöslichkeit" EU-weit Vorschrift. "Asbestfasern etwa - oft genannt - haben eine andere Struktur, haken sich in der Lunge fest und lösen sich nicht auf", erklärt Krajewski. "Der Körper versucht, den von ihm erkannten Fremdkörper zu umschließen, was zu Krebs führen kann. Unabhängig davon empfehlen wir auch beim Verbauen unserer Produkte, eine Schutzmaske zu tragen, denn Staub jeglicher Art hat in der Lunge nichts zu suchen."

Isover stellt Produkte her, mit denen sich Energie sparen lässt - sinnvoll nur dann, wenn schon die Herstellung selbst nicht zuviel verschlingt. Diese Bilanz falle zwar letztlich positiv aus, aber es sei kein Geheimnis, dass das Unternehmen vor allem für das Schmelzen des Glases und die Trocknung viel Gas und Strom benötige. Becker: "Besonders große Anstrengung verwenden wir deshalb immer wieder darauf, weiter Energie zu sparen."

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