Hoffnung auf Liebe missbraucht

Solche Rechnungen  flattern Kunden  mancher Partnervermittlungen ins Haus.
Solche Rechnungen flattern Kunden mancher Partnervermittlungen ins Haus.

Sie suchen Partner für den Lebensabend - und werden von windigen Vermittlungsagenturen über den Tisch gezogen. Vor allem Senioren rückten zunehmend ins Visier skrupelloser Geschäftemacher, warnt die Verbraucherzentrale. Nicht einmal vor Rentnern, deren Ehepartner gerade gestorben ist, machten die Abzocker Halt. SVZ schildert einen Fall aus Schwerin.

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11. Dezember 2008, 07:56 Uhr

Schwerin | Hermann Haase und Hannelore Lather* sitzen beim Kaffee. Auf dem Couchtisch brennt eine Adventskerze. Die Schweriner Senioren schweigen. Eine Partnerschaftsvermittlung hat sie zusammengeführt. Mit der Dienstleistung der Agentur sind sie allerdings überhaupt nicht zufrieden. Dies nicht etwa, weil es zwischen den beiden nicht so richtig funken will. "Wir fühlen uns als Opfer fast schon krimineller Methoden der Agentur", sagt Haase. Lather nickt.

Alles begann mit einem Telefonanruf. Am anderen Ende der Leitung meldete sich eine bundesweit aktive Partnerschaftsvermittlung. "Ich wunderte mich, woher die meine Nummer hatten, ich stehe nämlich gar nicht im Telefonbuch", sagt Hermann Haase. Schon bald kam ihm ein Verdacht: "Kurz zuvor war meine Frau an Krebs gestorben. Sollte die Agentur das auf irgendwelchen Wegen erfahren haben?" Hannelore Lather ging es ähnlich. "Bei mir meldete sich dieselbe Agentur auf meinem Handy. Diese Nummer kann sie eigentlich nur durch meine schriftliche Antwort auf eine Bekanntschaftsanzeige bekommen haben."

Trotz Stirnrunzelns überwog bei beiden Senioren der Wunsch, nicht allein durchs Leben gehen zu müssen. Und so ließen sie sich auf die Partnerschaftsvermittlung ein. Prompt erhielt Haase Post. "Auf der Vereinbarung stand ein Preis von 3451 Euro, der aber durchgestrichen war. Daneben war handschriftlich ein "Sonderpreis" in Höhe von 700 Euro eingetragen", berichtet er. Auf mehrmalige telefonische Nachfrage, ob ihm tatsächlich für diese Summe so lange Kontakte vermittelt würden, bis ihm eine Partnerin zusage, sei ihm dies von einer freundlichen Vermittlerin der Agentur zugesagt worden.

Offenbar eine glatte Lüge. Denn weniger freundlich habe sich kurz darauf ein männlicher Mitarbeiter der Partnerschaftsvermittlung erwiesen, sagt Haase. "Der hat mich am Telefon beschimpft, beleidigt und bedroht." Und plötzlich sei von ihm gefordert worden, zusätzlich zu den bereits überwiesenen 700 Euro weitere 3451 Euro zu zahlen. "Der Mann, der mir auch auf Nachfrage nie seinen Namen genannt hat, kündigte sogar ein gerichtliches Schreiben an, in dem ich zur Zahlung von 7000 Euro verpflichtet werde", berichtet Haase. Als Druckmittel habe die Agentur den Mitschnitt eines Telefonates eingesetzt, mit dem bewiesen werden könne, dass der Schweriner fernmündlich weitere Verträge abgeschlossen habe.

Entnervt übergaben Haase und Lather, die von ähnlichen Anrufen berichtet, die Angelegenheit an ihre Anwälte. "Die von mir gezahlten 700 Euro sind weg, obwohl keine der mir vermi ttelten Personen meinen Wunschangaben entsprach", sagt Hannelore Lather. Hermann Haase will noch um sein Geld kämpfen.

Die Neue Verbraucherzentrale MV kennt diese Maschen. "Da werden oft Unterschriften gefälscht, mündliche Zusagen nicht eingehalten, verwirrende Rechnungen aufgestellt und massive Drohungen ausgesprochen, um einzuschüchtern", sagt Verbraucherzentralen-Chef Dr. Jürgen Fischer. Sollten Vor auszahlungen verlangt werden, spreche dies gegen die Seriosität der Agentur.

Besonders perfide findet Fischer, "dass gezielt Senioren angesprochen werden, die in Trauer sind". Er schließe nicht aus, dass Agenturen ihre Kontaktdaten aus Todesanzeigen herausfiltern oder gar von manchen Bestattungsinstituten erhalten. Sein Tipp: "Wir klären über Partnerschaftsvermittlungen auf."

Die Agentur, die Hermann Haase und Hannelore Lather "beraten" hat, gab sich auf SVZ-Anfrage wortkarg. Der Chef: "Unsaubere Praktiken unserer Firma sind mir nicht bekannt."

*Namen geändert

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