Höhenflug beendet

Den Passagierrekord aus dem vergangenen Jahr wird der Flughafen Rostock-Laage 2008 nicht erreichen. So viel steht fest. Denn Air Berlin und OLT reduzieren ihre Flüge. Der neu angeworbene Partner Germanwings kann das nicht annähernd wettmachen.

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03. März 2008, 06:15 Uhr

Rostock - Die Bilanzpressekonferenz im Januar konnte die neue Geschäftsführerin von Rostock-Laage, Maria Muller, noch als vollen Erfolg verbuchen: 192 744 Passagiere wurden abgefertigt, 14,1 Prozent mehr als im Vorjahr. 156 341 Urlauber bedeutete ebenfalls ein sattes Plus. „Wir sind 2007 deutlich stärker gewachsen als der Markt“, strahlte die Airport-Chefin.

Was Muller damals nur andeutete („Wir erwarten ein schwieriges Geschäft 2008“), hat sich längst bestätigt. Denn die bis dato wichtigste Fluggesellschaft Air Berlin, die im vergangenen Sommer noch mehrmals täglich in Rostock-Laage landete und abhob, zieht sich ab Mai mit einem riesigen Kontingent zurück. Sechs von zehn Urlaubsflugverbindungen sind gestrichen. Ging es im vergangenen Sommer noch täglich mit Air Berlin auf der Deutschen liebste Ferieninsel Mallorca, fliegt der Lowcost-Carrier jetzt nur noch dreimal auf die Kanaren. Die Verbindungen von Laage nach Heraklion und Zürich sind ebenfalls dem Rotstift der deutschen Fluggesellschaft zum Opfer gefallen.

Böse Zungen behaupten nun, dass sich Air Berlin beleidigt zurückgezogen hat, weil Rostock mit einem starken Konkurrenten kokettierte. Und schon im Dezember feierte der Flughafen mit Germanwings einen neuen Partner, der mit dem Sommerflugplan dreimal in der Woche aus Köln-Bonn mit einem Airbus A 319 die Ostsee ansteuert. „Wir richten unsere Geschäftspolitik nicht nach Mitbewerbern aus“, dementiert Konzernsprecherin Annette Weber. Für Air Berlin sei die Destination Rostock-Laage schlicht nicht mehr rentabel. In die gleiche Richtung argumentiert Laage-Chefin Muller und verbannt das Gerücht ins Reich der Legenden. Die großen Reiseveranstalter wie Tui oder Neckermann hätten ihre Angebote wegen des geringen Profits in Ostdeutschland zurückgefahren. Muller: „Der Osten ist leider nur Durchschnittsgeschäft für Reiseveranstalter.“ Und darauf reagieren notgedrungen Fluggesellschaften wie Air Berlin.

Die Ostfriesische Lufttransport GmbH ist keine dieser Gesellschaften, die von Reiseveranstaltern abhängen – allerdings sehr allergisch auf das Engagement von Germanwings in Rostock reagiert. „Nach dem für uns überraschenden Einstieg sehen wir keine Veranlassung mehr, weiter den Aufbau der Verbindung von Rostock nach Köln/Bonn zu intensivieren“, schimpft OLT-Regionalflugchef Claus Altenburg. Pikant: Germanwings und OLT bedienen die gleiche Linie – aus Köln an die Ostsee. Germanwings macht daraus ein Urlaubsgeschäft, OLT hatte „normale“ Passagiere an Bord. Die so brüskierten Ostfriesen erklären nun, alle Planungen für eine Erweiterung des Streckennetzes vom Standort Rostock auf Eis zu legen. Nur Rostock–München fliegt OLT wie gehabt an Werk- und Sonntagen im doppelten Rhythmus. Kein Wunder, wird diese Verbindung doch vom Land mit 1,74 Millionen Euro bezuschusst.

Die Hochrechnungen für 2008 muss Muller wegen dieser Entwicklungen nun korrigieren. Was auch Auswirkungen auf die Stadt Rostock hat, die über die Dachholding RVV 54,1 Prozent der Anteile hält. Schon jetzt ist der Flughafen ein Minusgeschäft. Rund 540 000 Euro Verlustausgleich schlagen voraussichtlich für 2007 zu Buche, sagt RVV-Geschäftsführer Jochen Bruhn. Ein Krisengespräch ist geplant.

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