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20. September 2017 | 00:17 Uhr

Hochwasserlage weiter kritisch

vom

svz.de von
erstellt am 01.Okt.2010 | 08:00 Uhr

Potsdam/Herzberg | Ungeachtet fallender Pegelstände an Neiße und Spree in Brandenburg bleibt die Hochwasserlage an der Schwarzen Elster kritisch. Auf den Deichen der Schwarzen Elster im Landessüden laste wegen der hohen Pegelstände ein enormer Wasserdruck, teilte der Katastrophenschutzstab des Landes am Freitag in Potsdam mit. Für die Flussabschnitte in Bad Liebenwerda und Herzberg galt weiter die höchste Alarmstufe 4. Die Scheitelwelle erreichte am Morgen ihr Maximum bei 3,69 Meter, das ist mehr als doppelt so hoch wie sonst.

Derweil sanken die Wasserstände der Spree in Spremberg und der Neiße in Guben. Sie bewegten sich im Bereich der zweithöchsten Stufe 3. Das ist noch dreimal höher als sonst um diese Jahreszeit. In der polnischen Schwesternstadt Gubin überschwemmte die Neiße mehrere Straßen der Innenstadt. Für Cottbus gilt die Alarmstufe 1. Zurzeit wird aus der Talsperre Spremberg noch mehr Wasser als am Donnerstag abgelassen, so dass der Pegelstand im 15 Kilometer entfernten Cottbus weiter steigt.

Deutsche, Polen und Tschechen wollen zusammenarbeiten

Angesichts des aktuellen Hochwassers will Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) zügig mehr Überflutungs- und Polderflächen schaffen. Nötig sei dabei eine noch engere Zusammenarbeit mit den angrenzenden Ländern Polen und Tschechien sowie mit der EU, sagte er gestern in Potsdam. Rückzugsräume nutzten aber auch in den Fluss-Oberläufen, wo die Hochwasser entstehen. "Die Oberläufe liegen aber selten in Brandenburg, wir haben die Unterläufe." Darum seien gemeinsame Anstrengungen - auch mit Hilfe der Europäischen Union - nötig.

Brandenburg ist nach Auffassung Platzecks bei der Schaffung dieser Schutzflächen schon recht weit: Nach der Zurücklegung eines Deiches an der Elbe bei Lenzen soll nun zügig an der Oder in der Neuzeller Niederung eine Retentionsfläche entstehen. Dicht besiedelte Gebiete will Platzeck aber nach Möglichkeit vermeiden: "Wir müssen uns zunächst den Bereichen widmen, wo Menschen nicht wohnen und wir den Flüssen deshalb etwas mehr Raum anbieten können."

Das aktuelle Projekt an der Oder sorge für zahlreiche Vorbehalte, beispielsweise bei Besitzern von Datschen und Wochenendgrundstücken.

Noch viel größer seien die Bedenken bei Landwirten. "Wir müssen zusehen, dass das eine Interesse mit dem anderen harmoniert", betonte der Regierungschef. Im dicht besiedelten Europa gebe es letztlich kaum eine Fläche, für die es keine Nutzungsinteressen gebe.

Überlaufender Deich mit 70 000 Säcken gesichert

Mehr als 1200 Angehörige von Feuerwehren, Technischem Hilfswerk und Hilfsorganisationen sowie Anwohner kämpften auch in der Nacht mit großem Einsatz gegen die Wassermassen der Schwarzen Elster. In der Nacht kam es bei Uebigau-Wahrenbrück (Elbe-Elster) zu einer Überschwemmung. Das Wasser strömte auf einer Länge von 40 Metern über die Deichkrone, wie der örtliche Katastrophenstab berichtete.

Menschen seien jedoch nicht gefährdet. Zwei Hubschrauber der Bundeswehr transportieren seit dem Morgen Sandsäcke zu dem gefährdeten Deichabschnitt, der schwer zugänglich ist. Feuerwehrleute und weitere Helfer waren im Einsatz, um Sickerstellen zu befestigen. Dazu gehörten zwei Deichabschnitte in Herzberg und der Deich bei Saathain westlich von Elsterwerda. In Saathain ersetzten Einsatzkräfte eine Grasnarbe, die bis auf 80 Meter Länge weggespült worden war. Insgesamt wurden rund 70 000 Sandsäcke verbaut. Dies geschah teils mit Hilfe von Booten auf dem Wasserweg.

Durch den Rückstau der Elbe fließt das Wasser nur langsam ab. In Sachsen-Anhalt ist die kleine Ortschaft Waltersdorf abgeschnitten, nachdem in der Nacht zu Freitag Wasser der Schwarzen Elster nach einem Deichbruch weitere Straßen überflutete. 20 Bewohner sitzen in ihren Häusern fest.

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