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20. September 2017 | 16:28 Uhr

Hochstimmung schlagartig im Keller

vom

svz.de von
erstellt am 07.Jun.2010 | 07:07 Uhr

lübz | Wer weiß, wie hell zuhause eine 100-Watt-Glühbirne beziehungsweise ihre leistungsgleiche "Spar"-Variante scheint, vermag sich in etwa vorzustellen, was es bedeutet, wenn ein Spot mit 2000 Watt Leistung von einer Sekunde auf die andere gedämpftes Feierlicht gegen die "Gemütlichkeit" eines nächtlich erhellten Gefängnishofes austauscht. Wer wollte, konnte dies in der Nacht zu Sonnabend und Sonntag im Festzelt auf dem Markt erleben - Musik auf null, brüllender Spot an, hundertfaches ungläubiges Blinzeln. "Wir hatten keine Wahl", sagt André Ott von der Plauer Live-Band "Recover", die zum Stadtfest nach Lübz gekommen war. "Hinter der Aktion stand der Gerichtsbeschluss, ab Mitternacht nur noch eine Lautstärke von 55 Dezibel verursachen zu dürfen. Wenn man das nicht einhält, gibts erst recht Ärger. Wir haben das so von mir noch nicht erlebte frühzeitige Ende zwischendurch immer wieder angekündigt, aber so gut wie keiner hat es verständlicherweise geglaubt. Als die Stimmung unter den mindestens 300 Gästen gerade auf dem Höhepunkt war, haben wir sie zerschlagen." Die Folge: Buh-Rufe und Pfiffe.

Laut Thomas Rosenfeldt, Leiter des Bürgeramtes in Lübz, habe sich das Gericht bei seiner Entscheidung auf die "Freizeitlärmrichtlinie" für Mecklenburg-Vorpommern berufen. "Das Wort sagt es: Eine Richtlinie, etwas mit empfehlenden Charakter, keine unumstößliche Bestimmung", sagt er. "Es wäre kein Muss gewesen."

Das heutige Stadt-, Schützen- und Kinderfest ist aus Einzelveranstaltungen entstanden, Ursprung war das "Brücken- und Pumpenfest". Vor 12 Jahren habe man sich vernünftigerweise zusammengeschlossen, weil sich so auch mehr bewegen lasse, meint Rosenfeldt. Als einer von zwei ähnlich gelagerten Höhepunkten im Jahr sei das Fest für sehr viele Menschen zu einer Selbstverständlichkeit geworden: "Sie freuen sich darauf, kommen auch von außerhalb zu ihm. Es ist wichtig für das Zusammenleben in dieser Stadt. Nicht jeder mag ein Fan der Veranstaltung sein, aber Beschwerden hat es nie gegeben, weil die Belastung durch Lärm objektiv betrachtet nicht überzogen ist."

In diesem Jahr hatte eine Hotelbetreiberin Beschwerde gegen die "Lärmemissionen" eingereicht. Die Stadt habe dem Amtsleiter zufolge stets großes Interesse daran gezeigt, die Einrichtung der Frau zu erhalten, was unter anderem dadurch geschah, dass die Stadtvertreter für eine dauerhaft kostengünstige Parklösung stimmten. "Für das Hotel überlebenswichtig", sagt Rosenfeldt. "So etwas funktioniert jedoch nicht mit einseitigem Engagement. Wer eine bei so vielen Menschen lieb gewordene Tradition auf diese Art und Weise in Frage stellt, enttäuscht uns als Stadt sehr."

Die Kosten für das im Auftrag der Stadt aufgestellte Zelt finanzieren sich durch Ausschank und den Bandauftritt, beides per Vertrag von einem Gastronomen organisiert. "Ganz sicher hat er in diesem Jahr nicht verdient, sondern Verlust eingefahren", so der Amtsleiter. "Über seine Kosten müssen wir uns mit ihm verständigen. Auf jeden Fall lassen wir ihn nicht im Regen stehen."

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