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12. Dezember 2017 | 22:49 Uhr

Hochprozentige Kultur vor Gericht

vom

svz.de von
erstellt am 05.Aug.2010 | 06:29 Uhr

Parchim/Drenkow | Sogar Marianne Rosenberg sang schon im Café 7 auf dem Drenkower SiebenGiebelHof, der mit außergewöhnlichen Konzerten die Kulturszene bereichert. Jetzt gerieten das Amt Eldenburg Lübz und die Betreiber aneinander und fanden sich vor Gericht wieder. Grund ist der Streit um eine Ausschankerlaubnis, weil die Gäste zur Musik gern ein Gläschen Rotwein trinken. Dafür allerdings braucht der Veranstalter eine so genannte gaststättenrechtliche Genehmigung. Weil die für den Auftritt der Berliner Kultband Tafelsüße nicht vorlag, flatterte den Café-Betreibern ein Bußgeldbescheid ins Haus.

Jörg Grigat vom SiebenGiebelHof findet das kleinlich, weist darauf hin, dass seit 2006 ein vielseitiges kulturelles Programm geboten wird, dass Erlebnistage für Schulklassen gestaltet werden und aktuell ein Umweltlehrpfad entsteht. Grigat: "Alle Arbeiten werden von den Biobauern und dem gemeinnützigen Verein Landbau Gemeinschaft Parchim/Putlitz e.V in ehrenamtlicher Arbeit organisiert. Das Amt Eldenburg Lübz, in dessen Zuständigkeitsbereich das Café 7 gehört, hat daran bislang keinen Anteil genommen."

Kultur lasse sich bei einem Gläschen Wein erst recht genießen, und so hätten viele Gäste im Café 7 zu schätzen gelernt, dass hier nur ökologische Speisen und Getränke angeboten werden. Grigat hat mitlerweile die gaststättenrechtliche Genehmigung, kritisiert aber: "Leider hat das Amt nicht darauf verzichten mögen, uns daneben auch ein Bußgeldverfahren anzuhängen, das nun vor dem Amtsgericht verhandelt wird."

Der Bauer des SiebenGiebelHofes zeigt sich enttäuscht darüber, "dass das Amt seinem eigenen Kulturverständnis mit einem sinnlosen Verfahren ein schlechtes Zeugnis ausstellt".

Grigat weiter: "Wir erwarten nicht, dass das Amt uns für die kulturelle Arbeit, die von den Vereinsmitgliedern in ihrer Freizeit organisiert wird, und an der niemand etwas verdient, einen Orden verleiht. Wir haben die KollegInnen des Amtes sogar eingeladen, z. B. im Rahmen unser Lesungen selbst etwas vorzulesen und das Programm zu bereichern. Leider erfolglos."

Grigat weiter: "Und so steht einmal mehr die Frage im Raum, ob das Amt Eldenburg Lübz die Kultur fördern möchte, oder ob kulturelle Aktivitäten gebremst werden. Das Café 7 würde an Stelle dieser gerichtlichen Auseinandersetzung mit dem Amt viel lieber zu einer gemeinsamen Kulturarbeit einladen, damit unsere Region nicht kulturlos wird, sondern im Glanz vieler bunter, lebenslustiger und farbenfroher kultureller Aktivitäten leuchten kann."

Beim Amt Eldenburg Lübz sieht man die Sache allerdings anders. Die Leitende Verwaltungsbeamtin Gudrun Stein begrüßt ausdrücklich die kulturellen Aktivitäten der Drenkower Biobauern. Es werde viel toleriert. Nur gebe es eben auch klare Vorschriften.

Marita Schlups, beim Amt zuständig für Gewerbeangelegenheiten, habe die Café-Betreiber schon im Jahr 2007 auf die nötige gaststättenrechtliche Genehmigung hingewiesen. Von dieser gibt es zwei Varianten, eine generelle und eine vereinfachte, die aus besonderem Anlass wie z.B. einem Dorffest erteilt wird. Bisher habe es die vereinfachte Genehmigung für das Hoffest gegeben. Als dann das Konzert der Band Tafelsüße im Herbst überall angekündigt wurde, habe das Amt reagieren müssen. Weil sich die Veranstalter nicht gemeldet hatten, hinterließ Marita Schlups eine Nachricht auf dem Anrufbeantworter und schickte am nächsten Tag noch ein Fax mit dem Angebot, am Tag vor der Veranstaltung bis 12 Uhr die einfache Ausschankgenehmigung zu erteilen. Weil wieder niemand reagierte, habe es keine andere Wahl gegeben, als ein Bußgeld zu verhängen.

Im Prinzip bestätigte das Gericht das Vorgehen des Amtes, reduzierte aber das Bußgeld auf 75 Euro. Mittlerweile hat das Café auch den amtlichen Segen, Rotwein und Bier auszuschenken. Wie schwer allerdings Gesetze - die das Lübzer Amt nicht erschafft - und Gema-Gebühren die ehrenamtliche Kulturarbeit in ländlichen Regionen machen, das ist allerdings eher etwas für ein Blues-Konzert.

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