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22. November 2017 | 23:16 Uhr

Hochbetrieb auf den Apfelplantagen

vom

svz.de von
erstellt am 22.Okt.2010 | 09:35 Uhr

Schwechow | Tief nach unten beugen sich die Äste der Bäume im nasskalten Morgendunst. Der Grund sind die an ihnen hängenden Äpfel, die pro Baum schon mal ein Gewicht bis zu 120 Kilogramm erreichen können und ihnen im wahrsten Sinne des Wortes schwer zu schaffen machen. Erleichterung versprechen die Motorengeräusche, die in diesen Tagen durch die Reihen der Plantagen zu hören sind. Die Erntemaschinen, von denen es im "Fruchtquell"-Mostobstanbau Schwechow drei an der Zahl gibt, bewegen sich langsam vorwärts, schütteln dabei die Äpfel von den Bäumen und befreien sie anschließend vom gröbsten Blattgrün. Aufgefangen werden sie im Anhänger, den ein Traktor langsam durch die Reihen zieht. Bei einer Länge bis zu 1000 Metern braucht das schon mal zwei bis zweieinhalb Stunden pro Reihe.

Noch bis November wird die Apfelernte in den Plantagen von Schwechow, ebenso wie Dodow zur Hartinger-Gruppe gehörend, vorangehen und dann nach insgesamt zehn bis zwölf Wochen beendet sein. In dieser Zeit wird das geerntete Kernobst zur Waage im Haupthof transportiert, dort noch einmal vom restlichen Grün befreit, bevor es auf Lkw verladen in das Verarbeitungswerk nach Dodow gebracht wird.

"Im Schnitt rollen hier jeden Tag zwölf beladene Lkw vom Hof, die etwa 350 Tonnen Äpfel transportieren", erzählt Michael Paul, Leiter des Mostobstanbaus bei Fruchtquell in Schwechow. Bei etwa 600 Hektar Apfelbäumen in Schwechow, Dodow und Hagenow kommt auch schon einiges zusammen. In diesem Jahr rechnet der Leiter mit etwa 24 000 Tonnen, was einer guten Ernte entspricht.

Um diese riesigen Mengen an Äpfeln bewältigen zu können, stellt das Unternehmen etwa 100 zusätzliche Saisonkräfte ein, die die 24 fest angestellten Mitarbeiter während der Ernte unterstützen. Zwar erledigen die eingesetzten Erntemaschinen 70 bis 80 Prozent der Arbeit, so ganz ersetzbar ist der Mensch jedoch nicht. Die Erntehelfer werden vor allem für das Aufsammeln der am Boden liegenden Äpfel eingesetzt und das von 7 bis 18 Uhr an sechs Tagen in der Woche. Ein Knochenjob und ohne die Maschinen nicht zu schaffen, jedenfalls nicht was die Erntemenge betrifft.

Auch bei den anfallenden Tätigkeiten nach der Ernte wird in Schwechow auf Handarbeit gesetzt. Beim Baumschnitt zum Beispiel, für den es zwar schon entsprechende Maschinen gibt, das Schneiden jedoch wird größtenteils von Hand gemacht. "Der Mensch ist eben doch besser, da er im Gegensatz zu Maschinen genau hinsieht. Schließlich wollen wir am Ende Bäume und keine Hecken haben", sagt Michael Paul.

Und ertragreiche Bäume braucht das Unternehmen, damit die Produktion läuft. "Aufgrund der fehlenden Sonne und tiefen Temperaturen sind vor allem im Spätsommer die Äpfel kleiner und weisen einen niedrigeren Zuckergehalt auf", so Paul. "Doch durch die hohe Anzahl an Äpfeln, die wir dieses Jahr haben, entspricht die zugekaufte Menge an Obst etwa der aus dem vergangenen Jahr." Für die Saftproduktion reichen die eigenen Rohstoffe nämlich nicht aus, weshalb das Unternehmen von anderen Mostobstbetrieben in Deutschland Ware zukaufen muss. Und das wird in diesem Jahr aus mehreren Gründen teuer. Zum einen entsprechen die Mengen der individuellen Ablieferer zu diesem Zeitpunkt erst etwa 30 Prozent der Menge vom Vorjahr.

Zum anderen fiel in manchen Gebieten, wie beispielsweise Polen, die Ernte gering aus, was wiederum den Preis der Äpfel nach oben treibt. Der derzeitige Mangel an Verarbeitungsware ist für Paul dennoch kein Grund Trübsal zu blasen, denn die eigene Ernte befinde sich seit den letzten fünf Jahren auf einem recht hohen Stand und entwickle sich damit positiv. Außerdem will das Unternehmen seine Flächen in den nächsten vier Jahren auf etwa 850 Hektar erweitern, um somit die eigene Ertragsmenge zu steigern. Ein weiterer Grund zur Freude ist der Abschluss der Umstellungsphase von 50 Hektar Anbaufläche auf Bio-Produktion im nächsten Jahr, womit nach drei Jahren Arbeit erstmals Bio-Ware zur Verfügung stehen wird.

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