Parchimer Tafelverein Lebensmittelausgabe für Bedürftige : Hochbetrieb an der Parchimer Tafel

Lange bevor die 'Tafelkunden'  kommen, bereiten Manuela Guse  und Christian Pupp   die gesponserten Lebensmittel für die Ausgabe  vor. Der Umschlag  erfolgt   in aller Regel am selben Tag, an dem sie abgeholt wurden,  denn es fehlt an kühlen Lagerräumen.Herbst
Lange bevor die "Tafelkunden" kommen, bereiten Manuela Guse und Christian Pupp die gesponserten Lebensmittel für die Ausgabe vor. Der Umschlag erfolgt in aller Regel am selben Tag, an dem sie abgeholt wurden, denn es fehlt an kühlen Lagerräumen.Herbst

Alle 14 Tage herrscht Hochbetrieb bei der Unternehmensentwicklungsgesellschaft mbH im Dammer Weg 2a. Menschen - junge wie alte - kommen, um sich hier bei der Tafel Lebensmittel abzuholen.

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20. Dezember 2010, 12:02 Uhr

Sie sind Hartz-IV- oder Sozialgeldempfänger, Menschen mit Grundsicherungsbescheiden und Menschen in Notsituationen, die vom Sozial- oder Gesundheitsamt geschickt wurden. Wie viel sie bekommen hängt von der Anzahl der Personen in ihrer Bedarfsgemeinschaft ab und davon, wie viele Lebensmittel über die Sponsoren des Parchimer Tafel e. V. gerade zur Verfügung gestellt wurden. Alle haben sie im Monat so wenig Geld zur Verfügung, dass sie im Besitz eines Ausweises sind, der nur sie berechtigt, zur Tafel zu kommen. Ein zweifelhaftes Privileg. Und die "Privilegierten" werden immer mehr.

Nur die Ärmsten der Armen gehören zur Zielgruppe

Beim Start der Tafel in Parchim 1998, die sich aus dem damals ganz jungen Tafelprojekt der Arbeitsloseninitiative und den Rotariern gegründet hat, hatte es gerade mal 15 Bedarfsgemeinschaften gegeben, heute sind es ca. 1000", sagt Sabine Arnold, Mitarbeiterin bei der UEG. Allein 300 seien es momentan in Parchim. Die anderen ca. 700 erhalten ihre Rationen an Ausgabestellen in Goldberg, Plau, Lübz und Karow, wo der Tafelverein seit Jahren mit anderen Trägern oder den jeweiligen Stadtverwaltungen zusammenarbeitet. Ausschließlich die Ärmsten der Armen zählen hier zur Zielgruppe, wie auch bei der ambulanten Ausgabe, die die Tafelmitarbeiter der UEG im 14-tägigen Rhythmus für Groß Niendorf, Mestlin, Damm, Groß Godems, Stolpe, Raduhn, Schlieven und Domsühl organisiert.

"Sozialhilfeschmarotzer" - Sabine Arnold kennt das Vorurteil nur zu gut. Und sie wehrt sich dagegen. Zu oft hat sie erlebt, wie Menschen bei ihr saßen, seit Tagen nichts gegessen, völlig am Ende, Angst oder Scham davor, sich der Familie oder Freunden mitzuteilen und ohne Plan, wie es weitergehen soll. "Tafel suggeriert Armut. Das ist natürlich ein Stigma", sagt Sabine Arnold. "Viele der Menschen, die zu uns kommen, sind in der Tat Alkoholiker, viele sind drogenabhängig ja, und es kommen Menschen, die gemeinhin als asozial deklariert werden. Sie haben sich in ihr Schicksal ergeben, haben sich eingerichtet. Aber so sind nicht alle. Heute kommen Leute zu uns, die es noch vor drei Jahren nicht über sich gebracht und alles versucht hätten, nur um nicht als Tafelkunde abgestempelt zu werden." Einfacher Arbeiter ebenso wie einst gut betuchter Angestellter oder Geschäftsmann. "Sozialhilfeschmarotzer? Nein. Die Masse der Menschen ist nicht so", ist sich Sabine Arnold sicher. "In den vielen Beratungsgesprächen zeigt sich immer wieder, wie groß die Frustration der Leute ist, die Arbeit suchen, aber keine finden."

Die Arbeit beim Tafelverein ist auf breite Schultern verteilt. Sowohl für die Öffentlichkeitsarbeit als auch für die Bereitstellung des Tafelautos sind die Rotarier unter ihrem Vorsitzenden Martin Doller verantwortlich. Die eigentliche Tafelarbeit, also Abholen der Lebensmittelspenden, Sortierung und Ausgabe erledigt die UEG. Neben Sabine Arnold und Geschäftsführerin Ingeborg Dieterich sind das bei der UEG jeweils ein 1-Euro-Jobber, eine ABM-Kraft und ein Festangestellter. "Die Tafelarbeit funktioniert, weil sie eine sehr gute Symbiose ist", sagt Sabine Arnold und streicht heraus, dass der Verein enorm vom Image der Rotarier profitiert.

Ohne Sponsoren wäre Parchimer Tafel undenkbar

Ohne die Unterstützung von Sponsoren wäre die Tafel in Parchim wie auch an anderen Orten undenkbar. "35 Sponsoren sind es derzeit", sagt Sabine Arnold. "Darunter sind Geschäftsleute, Tankstellen, produzierendes Gewerbe aber auch viele Privatleute. Wir sind ihnen für ihr Hilfe und die jahrelange gute Zusammenarbeit sehr dankbar. Und ich denke, die Menschen , die uns kommen, und denen wir so zumindest ein klein wenig in ihrer Situation helfen können, sind es auch."

Auch 2011 wird der Parchimer Tafel e.V. seine Arbeit, die rein freiwillig ist, weil sie abseits jeden Versorgungsauftrages organisiert wird, wieder tun. Allerdings tur sich derzeit kleines Problem auf. Sabine Arnolderklärt: "Wir brauchen dringend ein neues Tafelauto für die Abholung und den Transport des Lebensmittel. Deshalb bitten wir alle, die unsere Arbeit unterstützen und spenden möchten, sich bei unter 03871-420456 direkt an mich zu wenden oder Kontakt mit Martin Doller, dem Vorsitzenden des Tafelvereins, aufzunehmen."

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