Mordprozess : Hinzdorfer Todesschütze gesteht

Der Angeklagte Peter L.   im Landgericht Neuruppin.dapd
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Der Angeklagte Peter L. im Landgericht Neuruppin.dapd

Der Fall sorgte für Aufsehen und stürzte eine Prignitzer Familie in Trauer. Peter L. ist angeklagt, während der Jugendweihe-Feier seiner Nichte am 15. Mai 2010 auf einem Zeltplatz auf seinen Bruder geschossen zu haben.

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12. November 2010, 11:43 Uhr

Hinzdorf | Der Fall sorgte bundesweit für Aufsehen, stürzte eine Prignitzer Familie in tiefe Trauer. Peter L. ist angeklagt, während der Jugendweihefeier seiner Nichte am 15. Mai dieses Jahres auf einem Zeltplatz in Hinzdorf auf seinen Bruder geschossen zu haben. Das Projektil verletzte diesen schwer. Danach traf es eine dahinter sitzende Frau. Sie starb an den Verletzungen. Seit gestern steht Peter L. vor dem Landgericht Neuruppin.

Wortgewandt und jovial: So präsentierte sich gestern der Angeklagte. Freimütig gab der 57-Jährige Auskunft über sein bisheriges Leben und schilderte die Tat - aus seiner Sicht. Demnach wollte er nicht seinen Bruder erschießen, so wie es ihm die Staatsanwaltschaft vorwirft. "Ich wollte nur Druck ausüben und über ihn hinweg schießen", sagte er.

Druck auf seinen Bruder und seine Mutter, um von ihnen den Aufenthaltsort seiner Schwester zu erfahren, die ihn nach 17 Jahren Zusammenlebens wegen eines anderen Mannes verlassen hatte. Für die Staatsanwaltschaft hat Peter L. auf den Kopf seines Bruders gezielt. Dieser wandte sich instinktiv zur Seite. Das Projektil durchschoss seinen Hals und traf anschließend die 67-jährige Karin T. Das Geschoss blieb in ihrer Wirbelsäule stecken. Sie verblutete noch am Tatort.

Hintergrund dieser Tragödie ist ein Beziehungsstreit. 1972 in Bremen heimisch geworden, entstand nach der Wende wieder Kontakt zu seinen Wittenberger Verwandten, auch seiner damals 20-jährigen Schwester. Aus ihnen wurde ein Paar. "Ich habe meine Schwester mehr geliebt als mein Leben", sagte Peter L. Das war bei seiner Schwester offensichtlich nicht so. Sie bekam nach eigenen Angaben bereits nach kurzer Zeit Gewissensbisse wegen der Geschwisterbeziehung. Bald bekam sie erste Handgreiflichkeiten zu spüren. Doch da konnte sie sich schon nicht mehr entziehen.

1991 zog das Paar nach Wittenberge. 1993 startete die junge Frau einen ersten Fluchtversuch. Als sie zurückkam, um ihre Sachen zu holen, drohte er ihr mit vorgehaltener Pistole, sie zum Krüppel zu schießen und sich anschließend selbst umzubringen. "Danach habe ich gemacht, was er wollte", sagte sie. Erst 2007 gelang es ihr, ihn in einer Nacht- und Nebelaktion zu verlassen. Bis heute verschweigt sie ihren Wohnort.

Peter L. sah in der Jugendweihe seine Chance. "Ich wollte mich vor allen erschießen und zeigen, wie schlecht es mir geht", so der 57-Jährige. Doch seine Schwester war nicht dort. Aus Frust schoss er in Richtung seines Bruders und sagt: "Ich wollte nicht treffen."

Aus Sicht des Gutachters liegen bei Peter L. Keine Anhaltspunkte für eine verminderte Schuldfähigkeit vor.

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