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Hintergrund: Kulturhistorisches Museum

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erstellt am 08.Jan.2010 | 02:15 Uhr

Große Meister in den Depots

Überrascht waren viele Rostocker, als das Kulturhistorische Museum vor zwei Jahren eine Ausstellung von Rembrandt- Grafiken aus seinen eigenen Beständen präsentierte. „Viele wissen gar nicht, welche Kunstschätze in Rostock existieren“, sagt Heidrun Lorenzen. Allein die Grafiksammlung umfasst 11 000 Stücke, darunter auch Werke von Dürer, Piranesi und Brücke-Künstlern. Einen großen Teil der Sammlung machen Gemälde und Plastiken des 18. und 19. Jahrhunderts, sowie die Niederländersammlung aus. Davon soll ein Teil ab Mai im Nordflügel des Klosters zum Heiligen Kreuz zu sehen sein. „Allerdings nur die kleinen Formate. Für große Gemälde ist einfach kein Platz. Viele von ihnen werden deshalb auch nicht restauriert“, so die Museumsdirektorin.


Stadtgeschichte lebendig machen

„Die Stadtgeschichte ist unser größtes Sorgenkind“ sagt Museumsdirektorin Heidrun Lorenzen. Außer in Sonderausstellungen seien die Exponate nicht zu sehen. „Dabei hätten wir die Möglichkeit, lokale Geschichte lebendig zu erzählen“, so der Historiker Dr. Steffen Stuht. Ein Beispiel: Fünf bunt bemalte Becher aus Lindenholz. Sie stammen aus dem 18. Jahrhundert und dokumentieren ein wichtiges Ritual der hanseatischen Regierungsbildung: Nachdem die neuen Räte bei der Amtseinführung ihren Eid geleistet hatten, traten sie an die geöffneten Rathausfenster. Unten auf dem Platz wartete das Volk. Zur Verkündung der neuen Ratsherren wurden die Becher in die jubelnde Menge geworfen, im Ratskeller wurde Wein ausgeschenkt. „Erst, wenn das Volk auf dem Platz auf die neuen Ratsherren getrunken hat, war der Rat bestätigt“, erklärt Steffen Stuht. Die Relikte aus der ehemaligen Heiligen-Geist-Kirche belegen den einstigen Reichtum der Hansestadt. „Die Bürger Rostocks hatten dort für Arme und Alte gespendet. Allein die vergoldete Dreifaltigkeitsdarstellung deutet darauf hin, wie wichtig damals Mildtätigkeit für die Bürger war“, erklärt Steffen Stuht. Bedauerlich sei es deshalb für die Rostocker Schüler, dass dieser Teil der Geschichte nie zusammenhängend öffentlich gezeigt würde.


Möbel erzählen vom Alltag

Truhen aus dem 18. und 19. Jahrhundert, Biedermeiermöbel, Modelle der Stadt und einzelner Gebäude sowie die Handwerkerläden von mehr als 20 Zünften sind die Schwerpunkte der Möbelsammlung. Von den 600 Stücken sind derzeit gerade einmal zehn zu sehen. „Besonders beeindruckend wirken die Exponate, wenn sie als Ensemble zusammen stehen, zum Beispiel als komplett eingerichtetes Zimmer aus einer anderen Zeit“, sagt die Museologin Dörte Mulsow, die die Möbelsammlung betreut. Aber hier kommt das Platzproblem des Museums besonders stark zum Tragen. „Zwei Meter hohe Schränke bekommen wir einfach nicht in die Klosterräume“, sagt sie. Der Vorteil dieser Sammlung ist, das die größtenteils hölzernen Alltagsgegenstände bedenkenlos über einen längeren Zeitraum ausgestellt werden könnten. Anders als Fotos, Papier oder Textilien nehmen sie durch Lichteinwirkung keinen Schaden.

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