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Hilflos auf der Straße: Sechs Autos fahren vorbei

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erstellt am 20.Mai.2010 | 01:18 Uhr

Perleberg | Martin Schmidt ist froh, dass nicht noch Schlimmeres passiert ist. Als er am Sonntag auf der B 189 unterwegs war, bemerkt er urplötzlich, dass Rauch in die Fahrerkabine drang. Rechts ran und raus, war sein Gedanke. Martin Schmidt ist gehbehindert und auf einen Rollstuhl angewiesen. "Den bekomme ich aber nicht alleine aus dem Auto". Auf allen Vieren befreite er sich aus der Zwangslage und versuchte, sich auf der Straße in Sicherheit zu bringen. Mit Handzeichen deutete er entgegenkommenden Autofahrern an, dass er Hilfe benötige. "Fünf oder sechs fuhren einfach vorbei", erzählt er.

Dann endlich hielt ein Wohnwagengespann aus dem Salzwedeler Raum. "Die Familie kümmerte sich sofort um mich." Auch zwei Motorradfahrer unterbrachen umgehend ihre Fahrt, versorgten den Perleberger mit Decken und riefen die Feuerwehr. "Deren Einsatz war top", betont der junge Mann und erzählt: "Mein Schlüsselbund war im Auto durch das Feuer faktisch eingeschmolzen. So nahmen mich die Feuerwehrleute mit auf die Wache nach Spiegelhagen und kümmerten sich um mich, bis ich abgeholt wurde."

Dafür möchte er sich herzlich bedanken. Durch ihre Hilfe und die der Familie bzw. der Motorradfahrer hat er den Glauben an die Menschlichkeit nicht verloren. Denn eigentlich müsste jedem klar sein, wenn ein Mensch auf allen Vieren die Straße entlang kriecht, im Hintergrund ein Auto in Flammen steht, ist er entweder verletzt oder behindert. Auf jeden Fall braucht er Hilfe. Jene erhielt Martin Schmidt umgehend auch von der Selbsthilfegruppe der Deutschen Gesellschaft für Osteogenesis imperfecta (Glasknochen) Betroffene e. V. Sie sorgte für einen neuen, passenden Rollstuhl.

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