Leser Volkbert Keßler mit Spendengeldern auf nach Südafrika : Hilfe für Kapstadts vergessene Kinder

Hoffnungsschimmer im Elend: Den Kindern aus dem Container-Ghetto Blikkiesdorp soll konkrete Hilfe zuteil werden.dpa
Hoffnungsschimmer im Elend: Den Kindern aus dem Container-Ghetto Blikkiesdorp soll konkrete Hilfe zuteil werden.dpa

Helft Kapstadts vergessenen Kindern! Mit diesem Aufruf hatte sich im Juli 2010, während der Fußball-WM in Südafrika, unser Leser Keßler zu Wort gemeldet. In dieser Woche bringt er Hilfsgelder an den Bestimmungsort.

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15. Februar 2011, 11:01 Uhr

Helft Kapstadts vergessenen Kindern! Mit diesem Aufruf hatte sich im Juli 2010, während der tollen Tage der Fußball-WM in Südafrika, unser Leser Volkbert Keßler zu Wort gemeldet. In dieser Woche bringt er Hilfsgelder persönlich an den Bestimmungsort.

Zur Erinnerung: Für die Errichtung des 350 Millionen Euro teuren WM-Stadions von Kapstadt wurden Tausende bettelarme Farbige zwangsumgesiedelt in ein Containerdorf. Dort, am Rande des Flughafens von Kapstadt, leben in rund 1500 Blechhütten mehr als 12 000 Menschen. Dieses Flüchtlingslager, das neben Gestrandeten des eigenen Landes jede Menge Immigranten aus nahezu allen Ländern Afrikas beherbergt, wurde des in der Sonne blinkenden Bleches wegen "Blikkiesdorp" benannt.

Doch in punkto Lebensqualität blinkt und blitzt an dem Ort mit einer der höchsten Kriminalitätsraten Südafrikas nichts. Schnurgerade in langen, staubigen Fluchten sind die Container aufgereiht. Kein Baum, kein Grün dazwischen. Die 18 Quadratmeter großen Blechwürfel mit ihren durchschnittlich acht Bewohnern sind im Sommer vor Hitze kaum zu betreten und im Winter unerträglich kalt. Für je vier Container gibt es eine Toilette, so diese denn überhaupt funktioniert. Um die 80 Prozent der Bewohner sind arbeitslos, haben oft nicht einmal das Nötigste zum Leben.

Um diesen Menschen - und vor allem den Kindern - zu helfen, hatte sich Volkbert Keßler in einem offenen Brief an Philipp Lahm gewandt. Darin bat er den deutschen WM-Kapitän, seinen Einfluss geltend zu machen, dass ein Teil der WM-Prämien der DFB-Spieler ebenso wie ein Teil der WM-Milliardeneinnahmen der Fifa den vergessenen Kinder von Kapstadt zugute kämen.

Lahm, mit einer eigenen Stiftung in mehreren Hilfsprojekten aktiv, lehnte über diese Stiftung eine Kooperation leider ab. "Ich darf Sie versichern, dass uns Ihr Engagement und Ihre Initiative sehr beeindruckt haben. Dennoch kann ich Ihnen bezüglich der Einbringung der WM-Prämien keine positive Rückmeldung geben." Auf finanzielle Entscheidungen des Weltfußball-Verbandes Fifa könne Lahm ebensowenig Einfluss nehmen wie auf das Privatvermögen seiner Mannschaftskollegen oder Entscheidungen des DFB.

"Das war sehr schade", sagt Volkbert Keßler, "zumal sich so einige Zeitungsleser bei mir gemeldet hatten, die helfen wollen. Mit Philipp Lahm als Schirmherr - oder sogar unter dem Dach seiner Stiftung - hätten wir ein Spendenkonto einrichten können. Ansonsten ist so etwas seit dem Unesco-Spendenskandal vor einigen Jahren nämlich höllisch schwierig." So blieb dem 70-Jährigen nur, den Blick der Spendenwilligen auf Pakistans verheerende Flutkatastrophe zu lenken. "Dort war - und ist - Hilfe mindestens genauso vonnöten."

Doch Volkbert Keßler wäre nicht Volkbert Keßler, wenn er sich von seinem Vorhaben so einfach hätte abbringen lassen. "Es kann nicht sein, dass Südafrika einmal die Fußballwelt empfängt und hinterher geht es allen schlechter als zuvor", meint er.

Und so fliegt er morgen gemeinsam mit Hans-Joachim Ditz, einem Freund aus gemeinsamer Schulzeit in Demern bei Carlow, selbst hinunter, um Kapstadts vergessenen Kindern Hilfe zukommen zu lassen. 5000 Euro hat das Duo im Gepäck. "Das sind Spenden von uns, vom früheren DDR-Nationalspieler Peter Ducke, der sofort von der Aktion begeistert war, sowie von den Schweriner Familien Stahnke und Petters, die extra zu mir nach Hause gekommen waren. Und auch der Nienhagener Fußballfan Steffen Prescher, heute Jungunternehmer in Dresden, hat Geld beigesteuert", zählt Keßler auf.

Mit Ditz, der selbst 20 Jahre als Siemens-Monteur in Südafrika lebte, will er das Geld direkt vor Ort überreichen. Natürlich werden sie nicht einfach blauäugig ins Containerdorf hineinspazieren. "Das wäre angesichts der dortigen Kriminalitätsrate äußerst gefährlich", weiß Ex-Staatsanwalt Keßler.

Darum hat er sich mit Hilfe von Henning Feindt, jenem Reporter, der als erster über Blikkiesdorp berichtet hatte, Kontakt zu der Frau in Kapstadt verschafft, die schon Feindt als Scout gedient hatte. "Uns schwebt vor, zehn Familien konkret zu helfen. 500 Euro, umgerechnet knapp 5000 Rand - das ist viel Geld für Farbige in Südafrika", sagt Keßler. "Aber das sind wie gesagt unsere Gedanken. Unsere Kontaktperson kennt sich vor Ort aus und weiß damit natürlich am besten, wo konkrete Hilfe am nötigsten ist. Und das Geld soll schließlich so eingesetzt werden, dass es den größtmöglichen Nutzen für die Menschen vor Ort bringt."

Doch damit nicht genug - einen besonderen Traum wird der Schweriner weiter verfolgen. "Ich möchte irgendwie den Fußball mit ins Boot holen. Die Fifa kann doch nicht immer nur auf Milliarden-Gewinne schielen und die Augen vor dem Elend in der Welt verschließen - besonders, wenn sie es mit zu verantworten hat. Und was den DFB betrifft: Vielleicht wäre ja ein Benefizspiel der deutschen und der südafrikanischen Auswahl machbar, dessen Erlös den Armen Südafrikas zugute kommt. Bundestrainer Löw sucht doch wohl sowieso noch für ein Länderspiel dieses Jahres einen Gegner."

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