Hilfe für die Schwalben

Mehlschwalbe Foto: NABU
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Mehlschwalbe Foto: NABU

Schwalben sind seltener geworden im Sternberger Seenland. Das ergaben auch Zählungen in Wendorf und an der Gustäveler Warnowbrücke. Es gibt aber durchaus Möglichkeiten, den Vögeln zu helfen.

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18. Juli 2008, 07:20 Uhr

Wendorf/Sternberg - Vogelschützer Ernst Schmidt versucht alles, damit an seinem Eigenheim in Wendorf die Schwalben Nester bauen. Ein Jahr haben die Vögel es versucht, dann aber wieder aufgegeben. Schmidt kaufte darauf eigens künstliche Schwalbennester und brachte sie am Haus an. Doch hier nisteten sich seitdem lediglich Blaumeisen und Hornissen ein. Doch der Vogelschützer lässt weiter nichts unversucht. Auf dem Dach seines Carports steht eine Schale mit Lehm, die Schmidt ständig feucht hält. Hier versorgen sich zumindest Schwalben aus der Nachbarschaft mit Baumaterial für ihre Nester.

Die Zahl der Schwalben ist zurück gegangen. Das betrifft sowohl die Rauchschwalben, die in Häusern brüten, als auch die Mehlschwalben, die außen an Gebäuden ihre Nester bauen. Das ergaben Zählungen von Ernst Schmidt und Siegfried Naujack über die vergangenen Jahre in Wendorf. Sie sind deshalb den Dorfbewohnern dankbar, die sich um die Schwalben kümmern und zudem auch erlauben, dass die Naturliebhaber ihre Grundstücke betreten können, um die Bestände zu kontrollieren.

Auf einigen Höfen ist die Schwalbenwelt noch in Ordnung. So nisten allein an einer Holzscheune der Familie Ebel in Wendorf elf Mehlschwalbenpaare. Vor fünf Jahren war hier noch nicht ein einziges Nest. Außerdem hat sich im Carport die Rauchschwalbe eingenistet. Damit der Dreck nicht auf das Auto fällt, baute Thomas Ebel ein Brett unter das Nest.
Ein Herz für Schwalben beweist beispielsweise auch Kurt Wolter. In seiner Scheune nisten zwei Rauchschwalbenpärchen.

Da Kurt Wolter heute nicht mehr so viel Zeit in seiner Scheune verbringt und das Tor nicht mehr ständig offen steht, hat er eine spezielle Konstruktion gebaut. Auch bei verschlossener Tür können die Schwalben so ständig ein- und ausfliegen.

Die Menschen können etwas tun, um die Schwalben zu unterstützen, ist sich Ernst Schmidt sicher. Das zeigen verschiedene Beispiele in der Region. Im Stall der Familie Lillge in Kaarz stieg beispielsweise die Zahl der Brutpaare in den vergangenen Jahren an und liegt jetzt bei 43. In einem nur 80 Quadratmeter kleinen Stall bei Lindemanns in Alt Necheln leben zusammen mit Pferden und Kühen allein 26 Rauchschwalbenpärchen. Und bei Frohbergs in Holzendorf sind dieses Jahr auf drei Etagen 29 Nester besetzt. Das sind sogar noch zwei Nester mehr als im großen Rinderstall der Agrargenossenschaft in Wendorf.

Weniger gut sieht es dagegen beispielsweise an der Gustäveler Warnowbrücke aus. Hier haben die Mehlschwalben in diesem Sommer gerade sieben Nester besetzt. Vor fünf Jahren waren es noch 38.
Eine Ursache der zurück gehenden Bestände ist nach Schmidts Auffassung, dass auf den Feldern sehr viel Chemie zum Einsatz kommt. Das tötet die Insekten und entzieht damit den Vögeln die Nahrungsgrundlage.
Für die Mehlschwalben sei es wichtig, dass dort, wo alte Kolonien verloren gehen, in der Nähe Ersatz geschaffen wird, bevor die Vögel Ende April/Anfang Mai aus Afrika zurückkommen, so Schmidt. In der abgerissenen Sternberger Strandgaststätte gab es beispielsweise eine große Schwalben-Kolonie. Nach dem Abriss des Gebäudes ist nach Schmidts Auffassung ein Schwalbenhaus viel zu spät aufgestellt worden.

Ausschuss und Bürger engagierten sich
In Sternberg wurden in den vergangenen Jahren viel gebaut und etliche alte Häuser saniert. Diesen Bauarbeiten fielen auch Schwalbennester zum Opfer. Jüngstes Beispiel: die abgerissene jahrelang leer stehende Strandgaststätte. Hier war sich der Sternberger Umweltausschuss einig, dass ein an anderer Stelle in der Stadt stehendes Schwalbenhaus an das Seeufer als Ersatz umgesetzt werden sollte. Doch dies war komplizierter als gedacht. Der Sockel des Schwalbenhauses ließ sich nicht so einfach umsetzen, so dass die Stadt erst einmal eine neue, sichere Befestigung besorgen musste (SVZ berichtete am 21. Mai). Dies dauerte seine Zeit, wodurch der optimale Zeitpunkt zum Aufstellen etwas überschritten wurde, wie der Sternberger Bürgermeister Jochen Quandt eingestand.

Viele Bürger nahmen an dieser Aktion Anteil und gaben dem Umweltausschuss Tipps für diese und weitere Aktionen. So befürchteten einige Bürger, dass die Attrappen nicht angenommen und selbst gebaute Nester an der sich ausdehnenden Holzkonstruktion nicht halten würden. Doch weit gefehlt. Wie Ausschussvorsitzender Jochen Engmann jetzt berichtete, haben die ersten Schwalben die vorbereiteten Quartiere bezogen und auch selbst neue Nester gebaut. Auf jeden Fall freue er sich, dass viele Sternberger Bürger Interesse an der Natur bekundeten, sich Gedanken machen und mit dem Ausschuss zusammenarbeiten.

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