Hier entsteht das goldene Öl

Im Labor überprüft Katja Wulf das Rapsöl. Hier bestimmt sie die Dichte: 0,9164 Tonnen pro Kubikmeter. Fotos: Ove Arscholl
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Im Labor überprüft Katja Wulf das Rapsöl. Hier bestimmt sie die Dichte: 0,9164 Tonnen pro Kubikmeter. Fotos: Ove Arscholl

Ostdeutschlands größte Rapsmühle wird Raffinerie: Die in Rostock ansässige Power Oil GmbH will ihre Produktion auf eine Millionen Tonnen im Jahr verdoppeln – und das, obwohl der Markt für Rapsöle undurchsichtig und unkalkulierbar geworden ist.

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25. Juli 2008, 09:31 Uhr

Rostock - Auf 230 000 Hektar ist in diesem Jahr der Winterraps in Mecklenburg-Vorpommern herangewachsen. Damit gehört der Nordosten gemeinsam mit Brandenburg zu den Hauptanbaugebieten für den Öko-Energiebringer. Zur Blüte im Mai sind die knallgelben Felder eine touristische Attraktion, aber für Landwirte und Produzenten hat das Geschäft nichts Romantisches. Es ist ein knallhartes geworden. Ein Nutznießer ist nach wie vor die Power Oil GmbH in Rostock, eine Tochtergesellschaft der Getreide AG, die jetzt kräftig investiert.

Zwei Standbeine: Diesel und Lebensmittelöl

Erst im August 2006 nahm die Power Oil mit der größten Ölmühle Ostdeutschlands den Betrieb im Überseehafen auf. Der damalige Wirtschaftsminister Otto Ebnet freute sich beim feierlichen Produktionsstart, dass „vor der Haustür der Raps aus der Region gleich verarbeitet wird“. Und das in einer der größten und modernsten Anlagen Deutschlands. Investitionskosten: 25 Millionen Euro, großzügig vom Land gefördert.

Seitdem hat das Unternehmen seine betriebswirtschaftlichen Kennzahlen nach oben getrieben. Wurde die Ölmühle Mitte 2007 noch zu 80 bis 90 Prozent betrieben, war zum Jahreswechsel die Vollauslastung erreicht. Mehr geht nicht.

Nun greift die Konzernmutter Getreide AG mit Sitz in Rendsburg tief in die Tasche, um eine weitere Anlage in Rostock aufzubauen. Die Rede ist von einem zweistelligen Millionenbetrag. Eine Raffinerie soll direkt neben der derzeitigen Ölmühle entstehen. „Dadurch bauen wir uns ein zweites Standbein auf“, schildert Power-Oil-Geschäftsführer Arne Phillipssen. Denn bisher konzentriert sich das Unternehmen ausschließlich auf Kraftstoffe: tankbares Rapsöl und einen Grundstoff für Biodiesel. Aus 500 000 Tonnen Raps entstehen jährlich 200 000 Tonnen Öl. Ein Nebenprodukt, 300 000 Schrot, wird für die Tierfutterproduktion verwand. In der Raffinerie soll künftig Pflanzenöl für die heimische Küche hergestellt werden. 200 000 Tonnen bestes Rapssubstrat aus Rostock.

Ein Problem: Steuern steigen für Diesel
Mit diesem Strategiewechsel reagiere der Konzern auf die schwierige Marktsituation, begründet Geschäftsführer. Philippsen. Denn so schnell wie Biodiesel und Benzin aus Rapsöl als Antriebsstoffe der Zukunft gehandelt haben und in den ersten Jahren durch freundliche Steuerervergünstigungen auch sehr gute Geschäfte versprachen, so schnell setzt jetzt auch der Abstieg ein. Bestes Beispiel: Allein im Nordosten sind in diesem Jahr 30 000 Hektar weniger Raps angebaut.

Von vielen Fachleuten wird der Markt deshalb totgesagt. Power-Oil-Mann Phillipsen: „Spätestens 2012 ist der Biodiesel nicht mehr konkurrenzfähig.“ Denn dann wird der Raps-Sprit genau so besteuert, wie der gängige Diesel. Das Geschäft mit dem Lebensmittelöl verspricht konstant gute Geschäfte.

Das große Ziel: Produktion verdoppeln
Im ersten Halbjahr soll die Raffinerie am Hafenbecken C im Rostocker Überseehafen in den Betrieb gehen. Für einige Jahre wird Power Oil seine Produktion „im besten Falle verdoppeln“, sagt der Geschäftsführer. Zwar wird die Hälfte der Waren über See verschifft, doch künftig werden auch wesentlich mehr Lkw Raps anliefern und Öl zum Kunden fahren. Eines wird sich nach den Angaben des Unternehmens trotz Produktionsverdopplung allerdings nicht erhöhen: Immissionen und Geruchsbelästigungen. Anwohner aus den umliegenden Wohngebieten dürfen aufatmen.

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