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Land möchte Kunstschätze gegen 400 Hektar eintauschen : Herzogin begehrt Wald bei Witzin

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Die Familie der früheren mecklenburgischen Herzoge hat ein Auge auf Wald bei Witzin geworfen. Das Land MV will Kunstschätze behalten; zum Ausgleich soll Herzogin Donata Wald erhalten.

svz.de von
erstellt am 25.Mär.2011 | 12:51 Uhr

Entsetzen in Witzin: Die Familie der früheren mecklenburgischen Herzoge hat ein Auge auf Wald bei Witzin geworfen. Das Land Mecklenburg-Vorpommern will Kunstschätze behalten; zum Ausgleich soll Herzogin Donata knapp 400 Hektar Wald mit hohem Buchenanteil im Wert von 3,4 Millionen Euro erhalten. Dabei soll es sich um den Wald in Witziner Gemarkung nördlich der B 104 handeln. Witzins Bürgermeister Bruno Urbschat reagierte gestern überrascht. Er fragt: "Warum hat man uns nicht informiert?" Er sorge sich, ob Einwohner des Dorfes noch ungestört in den Wald dürfen. "Es gibt sicher Wege, den Zugang zu erschweren."

Die Landesregierung tat sich gestern schwer mit einer Antwort auf die Frage nach dem Witziner Wald. Marion Zinke, Agrarministerium, verwies an Staatskanzlei und Bildungsministerium. Letzteres teilte schließlich mit: Das begehrte Waldstück sei 390 Hektar groß, liege "ca. 45 Kilometer nordöstlich von Schwerin und ca. 20 Kilometer südwestlich von Güstrow an der B 104 im Landkreis Parchim". Dort liegt Witzin.

Witzins Bürgermeister ist enttäuscht. "Man hätte die betroffenen Gemeinden vorher einbinden sollen, ein Signal geben können", sagt er in Richtung Landesregierung - auch wenn es um Landeswald geht. "Kunst gegen Wald - wer schätzt denn den Wert ein?", fragt Urbschat. Der Wald sei für viele Menschen hier in der Region wichtig. "Ich hätte der herzoglichen Interessiertheit einen Vorschlag zu machen", so der Witziner Bürgermeister: "Den Wald in Landesbesitz und der Öffentlichkeit zugänglich lassen."

Dass Witziner bald durch Schlagbaum und herzogliches Wappen vom Pilzesuchen abgehalten werden - zu solchen Befürchtungen beruhigt Marion Zinke aus dem Agrarministerium: "Wald, auch in Privathand, ist für jedermann öffentlich zugänglich, auch das Pilzesammeln für den Eigenbedarf ist erlaubt. Das ist im Waldgesetz so geregelt."

In der Landespolitik wird der geplante Deal heftig diskutiert. Helmut Holter (Linke) sprach von "Kuhhandel". "Beschämend" findet Norbert Nieszery (SPD) den geplanten Tausch. Die Herzogin sollte die Kunstwerke dem Land vielmehr als Dauerleihgabe überlassen - "ohne eine Gegenleistung zu fordern". Laut Haushaltsgesetz MV müsse der Verkauf von Waldflächen in Landesbesitz ab 2,5 Millionen Euro durch den Landtag, so Nieszery. Verkauf oder Tausch mit Wertausgleich - der SPD-Mann sieht da kaum einen Unterschied: "Nur, dass es Bares gibt."

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