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DAK-Gesundheitsreport : Herzinfarkte durch Büro-Stress

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Forscher warnen vor zunehmendem Büro-Stress als einer Ursache für die jährlich mehr als 207 000 Herzinfarkte in Deutschland. Das geht aus dem gestern in Berlin veröffentlichten DAK-Gesundheitsreport hervor.

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erstellt am 14.Feb.2012 | 10:18 Uhr

Forscher warnen vor zunehmendem Büro-Stress als einer Ursache für die jährlich mehr als 207 000 Herzinfarkte in Deutschland. So litten 9,3 Prozent der Beschäftigten in der Bundesrepublik unter einer Krise, die von steigendem Arbeitsdruck bei gleichzeitig als mangelhaft empfundener Anerkennung oder Bezahlung herrühre. Das geht aus dem gestern in Berlin veröffentlichten DAK-Gesundheitsreport hervor.

"Rauchen, Bluthochdruck, erhöhte Bluttfettwerte - das sind alles Risikofaktoren, die uns geläufig sind", sagte Studienautor Hans-Dieter Nolting. Nun müssten nicht zuletzt von Jobproblemen herrührende psychische Ursachen stärker in den Blick genommen werden. Am häufigsten sehen Facharbeiter und Arbeiter große Anstrengung und geringe Belohnung im Missverhältnis. "15 Prozent sagen, sie hätten eine Verschlechterung der Arbeitssituation erfahren", sagte Nolting. Rund 22 Prozent der Befragten gaben an, stark unter häufigem Zeitdruck zu leiden.

DAK-Gesundheit-Chef Herbert Rebscher hält es nach eigenen Worten für plausibel, dass wachsende psychosoziale Belastung am Arbeitsplatz zu Herzinfarkten führen könne. Auch die ständige Verfügbarkeit durch neue Technologien - etwa mobiles Internet - könne zu den Ursachen zählen. "Es entsteht Stress, es entstehen Belastungen, es entsteht Angst", sagte Rebscher. "Wer mithalten will, muss schon belastbar sein - nicht nur körperlich, sondern auch psychisch." Hier gelte es Konsequenzen zu ziehen, forderte Rebscher. Die zunehmend diagnostizierten psychischen Leiden wie Burnout oder Depressionen müssten stärker in den Blick genommen werden. "Wir müssen gucken, was vorbeugende, vorsorgende und präventiv gute Maßnahmen sind."

An immer mehr Tagen sind Arbeitnehmer wegen psychischer Leiden insgesamt krank. Der Anteil stieg auf 13,4 Prozent; den Spitzenreiter machen die Muskel-Skelett-Erkrankungen mit 21,3 Prozent aus. Der Krankenstand stieg leicht auf 3,6 Prozent (13,2 Fehltage). 2010 waren es nur 3,4 Prozent.

Um regelmäßig Bürostress abzubauen, sollten sich Arbeitnehmer einen Ausgleich suchen. "Stress gehört zum Leben, wir können ihm nicht immer ausweichen. Wichtig ist aber, dass wir eine Balance zwischen Belastung und Entlastung finden", sagte Norbert Smetak vom Bundesverband niedergelassener Kardiologen. Work-Life-Balance heißt, nicht nur wie besessen zu arbeiten, sondern sich auch genug Zeit zum Erholen zu nehmen. Zum Ausgleich empfiehlt Smetak außerdem ein Bewegungsprogramm mit dreimal wöchentlich Sport und einer ausgewogenen Ernährung. Doch das sei oft ein Problem: "Stressgeplagte sind nicht so stark: Sie greifen eher mal zur Schokolade, die den Körper Glückshormone ausschütten lässt, und zur Zigarette, die vermeintlich Stress abbaut." Wer dem Stress nicht ausweichen kann, sollte Entspannungsmethoden wie Autogenes Training oder Progressive Muskelentspannung nach Jacobsen erlernen.


Wichtigste Krankheitsarten

Die Bundesbürger wurden 2011 besonders häufig wegen folgender Beschwerden krankgeschrieben:

- Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems (21,3 %)
- Atemwegserkrankungen (16,1 %)
- Verletzungen und Vergiftungen (13,9 %)
- Psychische Erkrankungen (13,4 %)
- Verdauungssystem (6,0 %)
- Nicht bestimmbare Befunde bei Blut- oder Urinuntersuchungen (5,1 %)
- Infektiöse, parasitäre Krankheiten (4,9 %)
- Kreislaufsystem (4,3 %)
- Nervensystem, Auge und Ohr (4,1 %)
- Tumore (3,6 Prozent) dapd            

Quelle: DAK Gesundheit


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