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„Denkmal Kultur“-Ausstellung im Mestliner Kulturhaus : Helden auf Zeit in Bild und Büste

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Die 35 Gemälde und zehn Büsten der Ausstellung "Helden auf Zeit" aus der Sammlung des Kunstarchivs Beeskow repräsentieren die so genannte "offizielle" Kunst der DDR-Zeit.

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erstellt am 15.Jul.2011 | 11:52 Uhr

Alte Menschen, ihre Hände und Gesichter von hartem, entbehrungsreichen Leben gezeichnet, Industrie- und Landarbeiter, Handwerker, Ingenieure, Schriftsteller, Schauspieler, Musiker, Poeten, bildende Künstler, Polit- und Geistesgrößen - die 35 Gemälde und zehn Büsten der Ausstellung "Helden auf Zeit" aus der Sammlung des Kunstarchivs Beeskow repräsentieren die so genannte "offizielle" Kunst der DDR-Zeit. Offiziell insofern, als dass es im Interesse der damaligen Staatsmacht lag, den Werktätigen zu huldigen, den Polier, Brigadier, LPG-Vorsitzenden, Bergmann, Kran- oder Schichtführer als Vorbild für Pflicht- und Planerfüllung darzustellen und dem Alltag, der Arbeitswelt und Normalität künstlerische Wertschätzung zukommen zu lassen.

Diese Ausstellung war immerhin schon im Berliner Abgeordnetenhaus zu Gast und ist auf ihrer vierten Präsentation erstmals in Mecklenburg-Vorpommern zu sehen. Sie hinterfragt den Stellenwert dieser Porträts und Büsten über die DDR-Zeit hinaus und liefert Hinweise dafür, warum die gemalten oder in Bronze gegossenen Menschen für abbildungswürdig befunden wurden.

Es waren keine naiven Maler oder Feierabend-Bildhauer, die sich dieser Aufgabe widmeten, sondern durchaus renommierte Künstler wie Jo Jastram (Bezirksvorsitzender im DDR-Verband bildender Künstler), Fritz Cremer (Vize-Präsident der DDR-Akademie der Künste-DAK, 1974-1983; Schöpfer des Buchenwald-Denkmals) und sein Meisterschüler Wieland Förster (DAK-Vizepräsident, 1979-1990), Walter Womacka (Rektor der DDR-Kunsthochschule Berlin-Weißensee) oder Hermann Bruse (Gründungsmitglied des DDR-Kulturbunds): Allesamt betrachteten sie das Porträt oder die Büste als wichtiges Ausdruckmittel in ihrem künstlerischen Schaffen und bereichern mit ihren Werken nun die Beeskowsche Sammlung, der diese Ausstellung zu verdanken ist. Zuvor hatte das Kulturhaus mit Ausstellungen wie "Heute Kunst", "Kunstlandschaft", "Ein weites Feld - Landwirtschaft in der Malerei der DDR", einer Dokumentation über Landwirte im Widerstand gegen Hitler und vor allem mit der bundesweit beachteten Schau "Lückenstücke - Palastkunst im Musterdorf" Aufsehen und Anstoß erregt, aber auch viel Anerkennung gefunden.

Die aktuelle Ausstellung "Helden auf Zeit" ist bis zum 28. August mittwochs bis sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet.

Das Mestliner Kulturhaus erlebt damit wiederum eine Ausstellung, die typisch ist für den Zeitgeist, aus dem sein Bau entsprang: in den 50er Jahren als Symbol eines gesellschaftlichen Ideals mitten in ein sozialistischen Musterdorf gepflanzt, von Ideologen genutzt, um Kultur zu instrumentalisieren und die Landbevölkerung zu indoktrinieren.

Verein will Kulturhaus retten: "Erhalten, sanieren, beleben!"

"Das Dorf hat sich wirklich mit seinem Kulturhaus identifiziert - hier wurden alle wichtigen Stationen des Familien- oder Arbeitslebens gefeiert", weiß Claudia Stauß, Vorsitzende des Vereins "Denkmal Kultur". Gesellschaftsräume, Theater, Kino, Kaufhaus, Landambulanz, Schule - der Arbeiter-und-Bauern-Staat hätschelte sein Landvolk. Nach der Wende lag der Bau ungenutzt brach und der Gemeinde auf der Tasche, wurde zeitweise durch eine Diskothek missbraucht, beschädigt und geplündert.

Inzwischen ist einiges anders: Im Sommer 2008 gründete sich der Verein "Denkmal Kultur" und renovierte unter anderem in tatkräftiger Eigenhilfe das Foyer. Das Kulturhaus ist - etlichen Neidern zum Trotz - dem Verein für eine symbolische Ein-Euro-Miete zur Nutzung überlassen: "Wir wollen nicht nur hohe Kunst ausstellen", beschreibt Claudia Stauß das Konzept ihrer rührigen Truppe. Für den bisherigen Erfolg maßgeblich sei es gewesen, "dass wir von vornherein das Gespräch mit dem Gemeinderat gesucht und die Menschen im Dorf eingebunden haben". In Mestlin müsse Kultur ohne Nostalgie erlebbar werden: "Wir wollen dazu das gesamt Ensemble der Dorfmitte nutzen." Denn ein Kulturhaus brauche ein Umfeld mit einer Gastronomie und mit Übernachtungsmöglichkeiten, um lebendig zu sein und profitabel betrieben werden zu können - "beispielsweise für Tagungen, Seminare oder Workshops".

Ein kleiner Anfang in diese Richtung ist in dem Haus gemacht, wo der Verein nicht nur sein Büro unterbrachte, sondern inzwischen auch Betten anbietet: "Wir tragen die Betriebskosten." Für die Renovierung des großen Theatersaals im Kulturhaus gibt es laut Claudia Stauß bereits fertige Konzepte, Pläne und Kostenschätzungen. Fördergelder beim Land, Bund und Denkmalschutz seien beantragt, aber derzeit wenig aussichtsreich, "weil uns noch die erforderlichen Eigenmittel fehlen." Dafür ist bei der Sparkasse Parchim-Lübz (BLZ: 140 513 62) ein Spendenkonto eingerichtet worden (160 000 12 69): "Wir bauen derzeit einen Förderkreis auf."

Am 25. Juli wird im Mestliner Kulturhaus zum dritten Mal ein Jugendtag geboten, mit einem Theaterstück zum Thema "Tierisches".

Weitere Informationen finden sich im Internet unter: www.denkmal-kultur-mestlin.de

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