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Interview mit Michael-Günther Bölsche : Heißes Gartenjahr liegt unter Schnee

vom

Für 42 Vereine mit rund 2100 Mitgliedern, die in sechs Städten und vier Gemeinden im Landkreis aktuell 229 Parzellen bewirtschaften, geht heute das Gartenjahr 2010 zu Ende.

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erstellt am 01.Jan.2011 | 03:16 Uhr

Mit Michael-Günther Bölsche, dem Vorsitzenden des Regionalverbandes der Gartenfreunde Parchim, sprach Redakteurin Simone Herbst.
War die Ernte aus Sicht des Kleingärtnerverbandes erfolgreich?

Michael-Günther Bölsche:
Es war auf Grund der Witterung ein durchschnittliches Jahr. Der lange Winter hatte naturgemäß die Frühjahrsarbeiten erst relativ spät ermöglicht und so verschob sich alles. Dann kam die Wärme zu Anfang des Sommers und dann wieder die Kühle und Nässe im August. Vor allem im Apfel- und Birnenbereich gab es nicht die gewünschten Erträge. Dennoch konnten wir alles in allem gesehen zufrieden sein.

Bei Bewirtschaftung bzw. Nutzung der Gärten gehen die Vorstellungen von Pächtern und Vereinen mitunter weit auseinander. Hat Parchim da auch Probleme?

Zumindest keine gravierenden. Wir hatten in diesem Jahr wieder unsere Gartenbegehungen im Rahmen des Wettbewerbs in einem Teil unserer 42 Mitgliedsvereine durchgeführt und konnten feststellen, dass der weitaus überwiegende Teil unserer Mitglieder nach den Vorgaben des Bundeskleingartengesetzes wirtschaftet. Dies ist auch gar nicht so schwer, denn das Gesetz lässt viele Gestaltungsmöglichkeiten zu. Wichtig ist immer, dass ein relativ großer Teil "unter dem Spaten" ist, wie man sagt. Also beackert wird und das ist der Fall.

Und in Fällen, wo das nicht so ist?

Sollte es Probleme geben, dann kann das bis zur Kündigung gehen. Wir hatten vor Jahren so einen Fall im Verein "Markower Mühle". Dort wurde das Bundeskleingartengesetz stark missachtet und selbst Aussprachen führten zu keinem Erfolg. Nach Absprache mit dem Eigentümer, der Stadt Parchim, wurde dann die Kündigung ausgesprochen. Jetzt greifen natürlich nicht mehr die günstigen Pachtpreise. Die sind deutlich erhöht worden und auch das Finanzamt stellt nun ganz andere Forderungen. Aber dieser Fall war bislang eine Ausnahme.

Was war/waren die Höhepunkt/e in diesem Jahr?

Höhepunkt war unser 20-jähriges Verbandsjubiläum im Juni, welches wir im Verein "Vietingseck" feierten. Dazu waren viele Vertreter von Parteien und Kommunen sowie Vertreter unseres Kooperationspartners, des Kreisverbandes der Gartenfreunde aus Güstrow sowie unserer Gartenfreunde aus Bitterfeld gekommen. Darüber hinaus haben wir unsere 5. Kernobstschau im BBM-Einrichtungshaus durchgeführt. Auf Grund der nicht gerade üppigen Apfel- und Birnenernte waren wir froh, diese durchgeführt zu haben, die auch wieder einen sehr guten Anklang fand. Sie ist übrigens offen für alle Hobbygärtner, nicht nur für unsere Mitglieder.

Wie haben Vereine des Verbandes beim diesjährigen Garten-Wettbewerb abgeschnitten?

Von den in diesem Jahr bewerteten 25 Vereinen haben "Sonneneck" mit 113 Punkten und der Verein "Am Hafen" in Parchim mit 103 Punkten die Plätze eins und zwei belegt. Den bronzenen Rang belegte der Verein "Appelburg" in Plau am See, der 101 Punkte erreichte. Bewertet wird unter anderem die Anlagengestaltung als Ganzes. Also vom Eingangsbereich über die Hauptwege und die allgemeine Heckenhöhe. Weiter sind es die Faktoren Naturschutz wie Nistkästen, Insektenhotels zum Beispiel und natürlich die Prüfung der Einhaltung des Bundeskleingartengesetzes. Auch das Vereinsleben, also die Gemeinschaft, wird in die Wertung einbezogen.


Viele Vereine und Verbände kämpfen seit Jahren mit immer mehr Leerstand. Wie handhaben Sie das?

Ich will nicht von einem Trend sprechen, doch gibt es seit einiger Zeit wieder Leute, auch junge, die einen Garten pachten. Das begrüßen wir sehr. Darüber hinaus gibt es die Überlegung, leer stehende Gärten an 1-Euro-Jobber zu verpachten und den Ertrag der Tafel zur Verfügung zu stellen. Hierzu laufen noch Gespräche und wir warten derzeit auf die Entscheidungen der dafür zuständigen Stellen wie der Arge.

Wie haben sich die Pachten entwickelt? Rechnet es sich heute noch, einen Garten zu haben.


Ein Kleingarten innerhalb unseres Verbandes zu bewirtschaften lohnt sich immer. Zum einen wegen der günstigen Preise. Der Pachtpreis pro Quadratmeter variiert etwas zwischen den Vereinen, liegt aber maximal bei etwa fünf Cent. Dazu kommen der Mitgliedsbeitrag, der naturgemäß in den Vereinen auch unterschiedlich ist, und der Verbrauch an Strom und Wasser. Insgesamt liegt der Durchschnittspreis für einen Garten von etwa 500 Quadratmetern bei rund 50 bis 100 Euro im Jahr. Abgesehen vom Preis sind natürlich die Bewegung an frischer Natur und das Ernten von absoluter Bio-Ware nicht zu verachten. Frischer und reiner geht es nicht. Und die Gemeinschaft mit Gleichgesinnten sorgt für viel Freude bei Gartenfesten und anderen Veranstaltungen. So trifft man sich außer zu den fachlichen Themen, zum Preisskat und -rommé und organisiert Vorträge oder andere gemütliche Zusammenkünfte. Schließlich soll es ja kein MUSS sein, sondern Freude bringen.

Haben die Vereine mit Pachtaußenständen zu kämpfen? Wenn ja, wie wird das Problem gelöst?

In einzelnen Vereinen gibt es immer wieder Mitglieder, die erst nach ein- oder mehrmaliger Aufforderung ihre Beiträge leisten. Das schädigt die Vereinskasse, denn die Kosten müssen ja bezahlt werden. Hier leisten unsere Schatzmeister in den Vereinen Großes, indem sie viel Zeit opfern, um die Säumigen zu erreichen und immer wieder aufzusuchen. Meist klappt es dann auch.


Ist die Zahl der Geringverdiener unter den Pächtern gestiegen, die den Garten tatsächlich zu Selbstversorgung nutzen?
Ja, zum einen sind es tatsächlich viele, die nur Hartz IV-Leistungen beziehen und zum anderen durch die demografische Entwicklung auch viele Rentner, deren Einkommen auch nicht sehr üppig ist. Aber durch die günstigen Pacht- und Mitgliedsbeiträge sind die Kosten erträglich, zumal man mit den Vereinsvorständen auch reden kann. Bei besonderen Härtefällen ist auch mal eine Ratenzahlung möglich.

Wie hat sich das leidige Thema Einbruch entwickelt?

Gott sei Dank, nicht über das übliche Maß hinaus. Vor Jahren hatten wir da mal deutlich mehr Sorgen.

Hat sich das Aufstellen von Containern für nichtkompostierbare Abfälle rentiert? Und stehen die schon in allen Anlagen?

Generell ja, es hat sich bewährt. Das Abbrennen in den Monaten März und Oktober ist deutlich zurückgegangen. Das ist auch dem Aufstellen der Container zu danken. Aber ich muss berichtigen, diese Container stehen nicht in all unseren Anlagen, denn sie sind ja für die Allgemeinheit und nicht nur für uns bestimmt. Sehr gute Zusammenarbeit gibt es da mit der Asklepios Klinik, die alljährlich kostenlos Container im Verein "Am Kamp" zur Verfügung stellt. Aber wir haben unsere Wünsche und Hinweise an das Landratsamt gegeben und mit Unterstützung des Landtagsabgeordneten Wolfgang Waldmüller haben wir auch da Fortschritte erreicht. Uns wurde kürzlich durch ihn signalisiert, dass einige Hinweise in den neuen Aufstellplan Berücksichtigung finden würden.

Bleibt es dabei, dass es weder Zwangsanschlüsse für Kleingärten geben wird noch die Zweitwohnsteuer eingeführt werden soll?

Deutliches JA! Die Zweitwohnsteuer ist nun endlich nach jahrelanger Intervention auch durch unseren Landesverband vom Tisch. Allerdings wird das Abwasserproblem derzeit heftig diskutiert. Wir stehen dabei auf dem Standpunkt, dass wer Abwasser produziert, dieses auch gesetzeskonform entsorgen muss. In den allermeisten Gärten gibt es aber kein Abwasser und folglich auch keine Entsorgung. Wir werden zu diesem Thema Ende Januar oder im Februar eine Regionalversammlung durchführen und dann unseren Standpunkt, der übrigens in unserer Mitgliederzeitschrift fast monatlich ein Thema ist, behandeln. Ich meine, dass man nicht mit Kanonen auf Spatzen schießen und die Relationen wahren sollte.

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