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Premiere für die Bützower JVA : Heißer Rock hinter Gefängnismauern

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Der Gitarrensound röhrt, die Sticks krachen: Die fünfköpfigen Bützower Band "SonuVab!tch" legen sich ins Zeug. Sie geben ein Konzert auf dem Bolzplatz in der Justizvollzugsanstalt.

Der Gitarrensound röhrt aus dem Instrument von Tobias Knoche, die Sticks von Lucas Bartels krachen auf das Schlagzeug - die beiden jungen Männer von der fünfköpfigen Bützower Band "SonuVab!tch" legen sich mächtig ins Zeug. Sie geben ein Konzert auf dem Bolzplatz in der Justizvollzugsanstalt (JVA). Doch anders als auf anderen Gigs spielen sie gestern vor einem leeren Platz, halten sich die Besucher im Hintergrund auf, ein ausgelassenes Pogen vor der Bühne fehlt.

"Es traut sich wohl keiner", sagt Jörg, einer der Insassen. Dabei sind insgesamt 100 Gefangene beim Auftritt der Bützower Band dabei. "Die Musik ist gut, ziemlich abwechslungsreich und 30 Minuten dafür fast zu wenig", meint Jörg, während der Platz weiter leer bleibt. Die Band scheint das nicht zu stören. "Wenn ihr wollt, könnt ihr ruhig vor die Bühne kommen", sagt Georg Salomon ins Mikrofon und stimmt das nächste Lied an.

Der Gedanke, mal hinter "schweren Mauern" aufzutreten, kam von SonuVab!tch selbst. "Wir halten es für sinnvoll, den Gefängnisinsassen zu zeigen, dass sie kein menschlicher Abfall sind, sondern dass man sie nicht aufgegeben hat und darauf hofft, sie bald wieder in der Gemeinschaft begrüßen zu können", sagt Georg Salomon, ebenfalls Gitarrist. Und Freiheitsentzug bedeute ja nicht gleich Lebensentzug. Aber: Voraussetzung sei, dass sie ihre Taten bedauern und nicht wiederholen.

Genauso sieht es auch Jens Kötz, Pressesprecher der JVA. "Gefängnis ist nicht das Ende vom Leben, sondern nur eine Unterbrechung davon", erläutert Kötz. Als er sowie Anstaltsleiterin Agnete Mauruschat die Anfrage der Jungs erhielten, haben sie nicht lange überlegt und zugesagt. "Wir wollen die Insassen aus ihrer Ecke herausholen, weshalb wir Freizeit- und Bildungsangebote in der Anstalt durchführen", sagt Kötz. Neben solch einem Auftritt gehören dazu auch kleinere Fußball-Wettkämpfe oder auch kreative Angebote wie das Buchprojekt 2010. Mittlerweile spielen SonuVab!tch ihren vorletzten Song. Der Sound ist gut auf dem Bolzplatz, die Stimme von Tobias Horstmann schallt aus dem Mikro. Den Musikern ist wichtig, dass sie bei den Insassen ein Zeichen, dass jemand an sie glaubt, gesetzt haben. "Bitte enttäuscht uns nicht!", sagen die Jungs. Ein Signal gegen Rechtsextremismus haben sie mit ihrer Teilnahme und Sieg beim "Storchkraft statt NPD"-Bandwettbewerb Ende Mai gesetzt. Die Insassen der JVA scheinen das gestrige Zeichen aufgenommen zu haben: Nach jedem Lied wird geklatscht und ein leiser Jubel tönt auf.

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erstellt am 24.Jun.2011 | 12:47 Uhr

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